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Legendär: der verstorbene Regisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl.

Schwabing und Berg am Laim streiten um Dietl

Der Weg zum Straßennamen: Eines von Münchens größten Geheimnissen

München - Seine Serien und Filme sind Kult. Nun soll der Regisseur Helmut Dietl in München mit einer Straßenbenennung geehrt werden – im künftigen Werksviertel von Berg am Laim. Doch es regt sich Widerspruch. 

Münchner Geschichten, Monaco Franze, Kir Royal, Rossini, Schtonk – der Regisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl hat sich den Stoff zu diesen Erfolgen gerne in der Münchner Szene gesucht, ihn mit Stil und Witz auf die Leinwand gebannt – und damit das Bild der Stadt geprägt. Dafür erhielt er zahlreiche Auszeichnungen wie den Bayerischen Verdienstorden und das Bundesverdienstkreuz. Jetzt soll Helmut Dietl, der am 30. März 2015 gestorben ist, noch die Ehre eines Straßennamens in München zuteil werden. Im künftigen Werksviertel in Berg am Laim soll das so genannte Kommunikationsband Nord, eine der großen grünen Achsen auf dem Neubau-Areal, „Helmut-Dietl-Straße“ heißen. Der Bezirksausschuss (BA) Berg am Laim stimmte dem Vorschlag auf seiner jüngsten Sitzung unisono zu.

Doch es kommt Einspruch aus dem BA Schwabing-Freimann. Helmut Dietl sei im weitesten Sinne ein Schwabinger gewesen, erklärt der Vorsitzende Werner Lederer-Piloty (SPD). „Dietl war ein echt Schwabinger Typ, deshalb gehört so eine nach ihm benannte Straße nach Schwabing!“ Tatsächlich gab es auf der diesjährigen Bürgerversammlung sogar den Antrag, Dietl eine Straße in Schwabing zu widmen. Dort habe man zum Beispiel das Neubauviertel namens „Schwabinger Tor“, in dem man sicher einen „Helmut-Dietl-Platz“ unterbringen könnte, regt Lederer-Piloty an. Auch wenn Dietl in Berg am Laim ins Umfeld anderer Straßennamenspaten mit künstlerischem Hintergrund eingebettet wäre, sagt der BA-Chef: „Ich hätte ihn deutlich lieber in Schwabing“.

Neben der Ehre geht es um den „Orientierungsaspekt“

Die Vorschläge für die neuen Straßennamen im Werksviertel stammen wie üblich vom Geodaten-Service des Kommunalreferats. Das Berg-am-Laimer Neubauviertel wird von Kunst, Musik und Kultur geprägt sein. Stichwort: Medienbrücke, Konzertsaal und Werk 3 mit Ateliers von Künstlern wie Ugo Dossi und Olaf Metzel. Daher wurden ganz bewusst Namenspaten zum Thema Kunst und Medien ausgewählt. Neben Helmut Dietl stehen auf der Liste so bekannte Persönlichkeiten wie Staatsoper-Sopranistin Erika Köth, die Film- und Theaterschauspielerin Elisabeth Bergner, deren Bühnenkarriere eng mit den Münchner Kammerspielen verknüpft ist, sowie Gisela Stein vom Bayerischen Staatsschauspiel. Und auch der frühere Staatsintendant August Everding sowie Brecht-Tochter Hanne Hiob sind dabei.

Rot markiert: Im Werksviertel soll die Dietl-Straße künftig sein.

Erst ein Jahr nach dem Tod können Persönlichkeiten in München zu Straßen-Namenspaten werden. Bevor jemand auf die Vorschlagsliste kommt, wird seine Vergangenheit intensiv durchleuchtet. „Wir freuen uns über Personen mit München-Bezug“, sagt Bernd Plank vom Kommunalreferat. Ein Stadtviertelbezug lasse sich jedoch in der Regel schwer herstellen. „Helmut Dietl hat ja nicht nur Schwabing in seinen Filmen verewigt, sondern das Münchner Lebensgefühl“, so Plank. Insofern passe er eigentlich in jedes Stadtviertel. Neben der Ehre gehe es auch um den Orientierungsaspekt, erläutert Plank. Bei Straßennamen aus dem gleichen Begriffskreis könne man einfacher auf die ungefähre Lage in München schließen. Beim Werksviertel gibt es eine Ausnahme: die neue Straße bei der Feuerwache 5 wird nach Ludwig Jung benannt. Der war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr München und Gründer des bayerischen Feuerwehrverbands. Für den im Juni verstorbenen Unternehmer Otto Eckart kommt die Straßenbenennung schlichtweg acht Monate zu früh. Schade. Denn er war nicht nur Eigentümer der Pfanni-Werke, auf deren Areal das Werksviertel größtenteils entsteht. Eckart hätte auch sonst gut zum Thema gepasst. Er förderte den Wiederaufbau der Staatsoper in Berlin genauso wie das Bayerische Nationaltheater.

Von Carmen Ick-Dietl

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