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Bio und fair: Die 26-jährigen Konstantin Deininger (li.) und Johannes Schmidt versuchen eine neue Geschäftsidee.

Donnerstag bestellen, Freitags abholen

„Öko-Esel“ in Neuhausen: Neues Geschäftsmodell macht Bio-Ware bezahlbar

München - Ökologisch ist teuer? Zwei Münchner wollen beweisen, dass es anders geht. Mit ihrem Konzept können sich selbst Hartz-IV-Empfänger Bio leisten. 

Zwei Freunde fahren mit ihren Fahrrädern frisches Obst und Gemüse aus. Die Lebensmittel sind nicht nur biologisch erzeugt und fair gehandelt, nein, sie kosten auch noch weniger als im normalen Einzelhandel. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Konstantin Deininger und Johannes Schmidt, beide 26 Jahre alt, versuchen gerade, genau diese Idee zu verwirklichen.

Mitgliedsbeitrag für günstige Bio-Ware

Seit Oktober gibt es den „Öko-Esel“ in Neuhausen: Kunden bestellen die Ware auf der Internetseite, wo man von Äpfeln über Balsamico-Essig und Linsen bis zur Zucchini alle möglichen Lebensmittel bekommt. Bis Donnerstagmittag müssen die Bestellungen per Telefon oder Internet eingegangen sein. Am Freitag ist Abholtag im Laden an der Lachnerstraße – oder die Gründer Konstantin Deininger und Johannes Schmidt liefern die Ware persönlich per Fahrrad mit Anhänger aus. Öko-Drahtesel also.

„Wir wollen auch die ansprechen, die es sich sonst nicht leisten können, immer Bio einzukaufen“, sagt Johannes Schmidt, „denen die Bio-Läden deswegen bisher nicht so sympathisch waren“. Der Öko-Esel soll als Mitgliederladen funktionieren. Das heißt: Wer Obst, Gemüse, Nudeln und andere Lebensmittel bestellen will, zahlt einen Beitrag, der die laufenden Kosten für Miete, Personal und Lieferung decken soll. „Der normale Einzelhandel deckt seine Fixkosten durch hohe Margen“, sagt Konstantin Deininger. „Wir lösen das über den Mitgliedsbeitrag und müssen dadurch nicht gewinnorientiert arbeiten.“ Der Beitrag liegt bei 15 Euro pro Monat, die Ware selbst gibt es fast zum Einkaufspreis.

Faire Preise für alle Beteiligten

Dass die Lebensmittel Bio-Standards genügen, ist für Deininger und Schmidt selbstverständlich. „Wir wollen aber auch, dass alle Beteiligten faire Preise bekommen“, sagen sie. „Nachhaltige Landwirtschaft muss möglich sein und darf nicht von den großen Strukturen verdrängt werden.“ Die Produkte kommen deswegen von kleineren Höfen aus dem Dachauer Land, aus Schrobenhausen, Landshut, Dorfen und Pfaffenhofen. Am Freitagvormittag holen Schmidt und Deininger die frischen Lebensmittel in Garching ab und liefern sie schon am Nachmittag aus. Produkte, die sich länger halten, wie Nudeln oder Honig, lagern sie in einem Kellerabteil in Neuhausen.

Schmidt hat bei seinem Studium in Marburg den dortigen Mitgliederladen schätzen gelernt. Er erzählt: „Das ist einfach eine ganz andere Atmosphäre als in einem normalen Laden. Man kennt die Leute, sieht sich immer wieder. Die Abholstation wird ein richtiger Treffpunkt im Viertel.“ „Es soll auch ein Raum werden für persönliche Gespräche und Austausch“, pflichtet Deininger bei. Lange haben die beiden nach einer geeigneten Örtlichkeit gesucht. „Die Immobiliensituation ist sicher auch mit schuld, dass es bisher in München keinen Mitgliederladen gibt“, sagen sie.

„Öko-Esel“ ist in der Testphase

Schmidt und Deininger wollen ihren Lebensunterhalt mit dem Öko-Esel verdienen. „Ein Porsche wird’s wohl nicht“, sagt Deininger, „aber wir wollen uns auch nicht selbst ausbeuten.“ Das theoretische Hintergrundwissen haben sie. Schmidt hat seine Bachelorarbeit über Mitgliederläden geschrieben, Deininger hat sich in seinem BWL-Studium mit alternativen Wirtschaftsmodellen befasst.

Noch ist der Öko-Esel in der Testphase. In der zweiten Woche hatten Schmidt und Deininger nur sechs Bestellungen. „Wir sind auf einem sehr niedrigen Niveau, aber wir merken, dass unsere Idee gut ankommt, auf Facebook zum Beispiel“, sagt Deininger. Beim Mitgliedsbeitrag soll es einerseits günstigere Tarife zum Beispiel für Studenten oder Hartz-IV-Empfänger geben, andererseits teurere Tarife für Kunden, die das Projekt besonders unterstützen wollen.

Bio, fair, regional und gemeinschaftsstiftend – ist das nicht ein bisschen viel auf einmal für einen kleinen Laden? „Wir können nicht alle Werte zu 100 Prozent erfüllen“, geben die beiden Gründer von Öko-Esel zu. Wenn es im Januar in Bayern keine Tomaten gibt, die Kunden aber Tomaten wollen, dann kommen die Tomaten eben aus Italien – aber nicht aus Mexiko.

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