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Hier wird das neue Logistikzentrum hochgezogen: In den Räumlichkeiten wird Amazon offenbar auch Lebensmittel aufbewahren.

Konzern will Lebensmittel ausliefern

In Daglfing: Hier baut Amazon einen XXL-Kühlschrank 

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München - Amazon will nun auch den bayerischen Lebensmittelmarkt erobern. Der Online-Konzern baut derzeit in Daglfing ein großes Logistikzentrum - auch für die Lagerung von Lebensmitteln. 

Das neue Logistikzentrum an der Grasbrunner Straße in Daglfing ist bald fertig. Dass hier der Internet-Großhändler Amazon einzieht, ist ein offenes Geheimnis. Selbst bestätigt hat der Internet-Gigant das bisher nicht - doch allein die Farben der zweigeschossigen, 15.000 Quadratmeter großen Lagerhalle - grau und gelb - lassen keinen anderen Schluss zu. Jetzt deutet alles darauf hin, dass das Unternehmen den Standort im Münchner Osten nicht nur für die Express-Zustellung „Prime“, sondern auch für den Lebensmittel-Lieferdienst „Amazon Fresh“ nutzen will. Künftig könnten sich die Münchner also auch Salat, Hackfleisch und Milch nach Hause bringen lassen.

In der Baugenehmigung für das Zentrum an der Auffahrt zur A94 findet sich ein deutlicher Hinweis auf die Amazon-Pläne: Der Immobilienentwickler Segro baut die „Logistikhalle inklusive Kühlbereich“, die auch im Obergeschoss einen Rampenzugang für Lkw hat. Einen Kühlbereich braucht man nur, wenn man verderbliche oder sensible Lebensmittel lagert - wie es bei „Amazon Fresh“ der Fall wäre.

Amazon testet Lebensmittellieferung bereits in London

Seit Sommer 2016 testet das Unternehmen die Lebensmittellieferung bereits in London. In Berlin geht „Fresh“ offenbar in wenigen Wochen an den Start. Im Februar hat Amazon seine Geschäftspartner dort darüber informiert. Seit vergangenem Mai gibt es dort zudem sozusagen eine „Lebensmittellieferung light“, bei der sich Prime-Mitglieder ausgewählte Produkte - etwa Bier, Tiefkühlpizza oder Salat - binnen einer Stunde liefern lassen können. Wann München an der Reihe ist, darüber hüllt sich Amazon in Schweigen. Man werde „die Kunden informieren, wenn es etwas zu sagen gibt“, sagt Amazon-Sprecher Stephan Eichenseher nur.

Rund 170 Milliarden Euro geben die Deutschen im Lebensmitteleinzelhandel aus - ein riesiger Markt also, der bislang kaum von Online-Händlern bedient wird. „Lediglich ein Prozent der Branchenumsätze werden im Netz verdient“, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Bayerischen Einzelhandelsverbands. „Wir verfolgen mit Spannung, was passiert, wenn Amazon sich in München auf dieses Parkett begibt.“ So recht funktionierten Frische-Lieferdienste anderer Anbieter bislang noch nicht. Die Deutschen seien, anders als andere Europäer, nicht bereit, mehr zu zahlen als im Laden.

Sehr hohe Ladendichte in Bayern

Und: Die Ladendichte in Bayern sei immer noch sehr hoch. Der Internet-Gigant Amazon habe in den vergangenen Jahren aber bewiesen, dass er neue Projekte „sehr professionell und gut vorbereitet“ an den Start bringe. Eine „Katastrophe“ will Ohlmann darin nicht sehen, eher eine „Herausforderung“ für die Einzelhändler und Lebensmittelmärkte. „Amazon fresh“ werde „den Druck erhöhen, selbst marktfähige Konzepte zu entwickeln“.

Unklar ist, mit welchem Sortiment „Amazon Fresh“ startet - und zu welchen Konditionen.

Umfrage: Was denken Händler über Amazon-Zentrum?

Andreas Gaßner (49), Obermeister der Metzger-Innung München: „Das ist besorgniserregend. Die Leute werden immer fauler, jetzt soll man sogar Lebensmittel wie Hackfleisch bei Amazon bestellen können? Schade um die Einzelhändler! Es ist doch wichtig, dass der Käufer die Lebensmittel anschauen kann.“

Andreas Gaßner.

Karin Brenner (44) und ihre Schwester Petra Roth (45) vom Obst-, Gemüse-, Feinkost- und Blumenladen Grünzeug, Isarvostadt: „Aus politischer Sicht halten wir nicht viel von Amazon: Das Unternehmen macht kleine Geschäfte kaputt. Wegen dem neuen Fresh-Lieferservice machen wir uns aber keine großen Sorgen: Wir haben eine starke Kundenbindung. Unser Klientel wird sich den Salat nicht von Amazon liefern lassen.“

Marcello Musso und Chefin Anna Ditaranto (54) vom Obst- und Feinkostgeschäft Giesinger Fruchtmarkt: “Das ist doch furchtbar - und klar eine Konkurrenz. Abgesehen davon ist der neue Lieferservice keine gute Entwicklung bei Lebensmitteln. Der Einkäufer muss doch sehen, welche Qualität die Produkte haben. Wenn eine Paprika nicht gespritzt ist, dann geht sie auch mal nach drei Tagen kaputt. Weil sie ein Naturprodukt ist. Alles andere ist auch nicht gesund - aber genau solche Ware wird Amazon ausliefern.“

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