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Die Tage sind gezählt: Das Arabella-Hochhaus wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

„Für Ältere ein Desaster“

Keine Rettung für das Arabella-Hochhaus - das sagen die Mieter

Das Arabella-Hochhaus wird 2026 abgerissen. Anschließend soll es an gleicher Stelle wieder neu aufgebaut werden. Wieder als Multifunktionsgebäude mit Wohnungen, Läden, Hotel, Kliniken und Praxen. Für die derzeitigen Bewohner bedeutet das: Sie müssen alle raus.

München - „Aus unserer Sicht gibt es keine Möglichkeiten, das Gebäude zu erhalten“, erklärte Jürgen Büllesbach, Chef der Eigentümer-Firma Bayerische Hausbau, gestern. Nach 50 Betriebsjahren habe der Bau, der die Silhouette Münchens mitprägt, das Ende seines Lebenszyklus erreicht. Die Bausubstanz verhindere eine zukunftsfähige Sanierung, so Büllesbach. „Es gibt zwei große Probleme beim Arabella-Hochhaus: Tragwerk und Statik.“ Hier funktioniere eine Generalsanierung gemäß den heutigen komplexen Anforderungen einfach nicht mehr. „Wenn wir Bauteile und technische Anlagen ersetzen, dann erlischt der Bestandsschutz, der auf einer Genehmigung aus den 60er-Jahren basiert“, erläuterte auch Hausbau-Geschäftsführer Hermann Brandstetter. 1969, als das Arabellahaus entstanden ist, sei einfach anders gebaut worden.

Doch passieren muss was, denn die Schäden werden immer größer. So können die modernen Brandschutzauflagen nicht erfüllt werden, die Fassade platzt ab, die Balkonböden haben Schäden, Fenster werden blind, das Dach immer wieder undicht. Die Heizleitungen entlang der Außenfassade sind marode, genauso das Abwasser- und Trinkwassersystem. Die Elektroinstallationen sind so mies, dass eine parallele Verwendung von Elektrogeräten nur begrenzt möglich ist. Eine notwendige energetische Sanierung wäre nur eingeschränkt möglich, der Schallschutz könnte nur minimal verbessert werden. „Mit einer Sanierung spart man sich hier nichts“, sagte Brandstetter.

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Abriss soll ein Jahr dauern

Bis 2026 soll der Betrieb noch aufrechterhalten werden, dann wird Stockwerk für Stockwerk abgerissen. Etwa ein Jahr rechnet die Hausbau für den Abriss des 154 Meter langen Bauwerks mit den 25 Geschossen ein. Bis dahin müssen alle Mieter raus. Das wäre auch bei einer Generalsanierung so gewesen.

550 Wohnungen gibt es in dem markanten Bau. Zudem das Sheraton Arabellapark-Hotel mit 446 Zimmern und Suiten. Das Hotel gehört der Schörghuber-Gruppe, zu der auch die Bayerische Hausbau zählt. Insofern reißt man sein eigenes Hotel ab. Wie die Hausbau bestätigte, soll auch der Neubau wieder ein großes Hotel beherbergen.

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„Für einige Ältere ist das ein Desaster“

Viele Bewohner, vor allem die Älteren, nehmen die Nachricht vom Ende im Jahr 2026 erstaunlich gelassen. „Bis dahin bin ich entweder tot oder im Altersheim“, sagte eine Mieterin. Auch Alice Medlewitsch (58) hat keine Angst. „Ich kann mir vorstellen, woanders zu wohnen.“ Aber sie kennt andere, die große Angst haben. „Für einige Ältere ist das ein Desaster.“ Auch weil sie als langjährige Bewohner zu sehr günstigen Mieten wohnen, mit denen es anderswo schwierig werde. Die Hausbau hat eine „Mieterkoordinatorin“ eingestellt, die sich individuell um Lösungen kümmern soll. „Wir wollen den aktiven Dialog mit unseren Mietern“, sagte Brandstetter.

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Bis 2026 soll ein internationaler Architektenwettbewerb über den Neubau entscheiden. „Wir wollen hier weder zusätzliches Baurecht noch nur Wohnungen bauen“, stellte Brandstetter klar. Es solle auf dem Grundstück ein ganz ähnliches Gebäude mit dem gleichen Nutzungsmix wie heute entstehen. Ob auch die Fassade wieder so aussehen wird, wird Aufgabe der Architekten sein. Fünf Jahre rechnet man bei der Hausbau als Bauzeit. Und Gesamtkosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro. „Das tut man sich nicht freiwillig an“, seufzte Büllesbach. Am Arabellahaus hängt quasi Firmen-Herzblut. Es war der Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Bayerischen Hausbau.

Carmen Ick-Dietl

Umfrage unter Betroffenen

„Es ist für uns völlig egal, ob hier saniert oder abgerissen wird, wir müssen ja auf jeden Fall raus. Seit 28 Jahren habe ich hier den Lottoladen. Ich hätte gerne noch drei bis vier Jahre gearbeitet und dann verkauft. Aber das klappt jetzt nicht mehr, ich muss mir alles anders überlegen. Am besten, ich verkaufe jetzt schon, viel schneller als ursprünglich geplant.“
Barbara Gohlke (71), Ladeninhaberin im Arabellahaus

Barbara Gohlke (71), Ladeninhaberin im Arabellahaus.

„Ich wohne seit 40 Jahren im Arabellahaus. Mir geht es seit der Nachricht ganz schlecht, ich weiß nicht, wo ich hinziehe. Was soll ich tun, ich muss mit der Sache leben. Ich möchte unbedingt in Bogenhausen bleiben, aber ob ich da was finde, ist mehr als fraglich. Von der Bayerischen Hausbau wird meiner Meinung nach wohl eher nichts kommen.“
Parviz Mesbah (85), Mieter im Arabellahaus

Parviz Mesbah (85), Mieter im Arabellahaus.

„Im August 1969 bin ich als Studentin hier eingezogen – unter den  Bedingungen: kein Kind, kein Hund, kein Instrument. Später bin ich dann innerhalb des Hauses in eine größere Wohnung umgezogen. Es ist sehr schön, hier zu sein. Sieben Jahre sind noch eine lange Zeit. Man weiß nicht, was da noch passiert. Ich mache mir keine Sorgen, weder ums Haus noch um mich.“
Monika Glettler (76), Mieterin im Arabellahaus


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