+
Kolossal: Was aussieht wie eine Fabrikhalle im Rohbau, ist eine Lärmschutzwand. 

Beton statt Glas

Die Mauer muss (wieder) weg! Bürger protestieren gegen Lärmschutzwand

Um die anliegenden Bewohner vor dem S-Bahn-Lärm zu schützen, sollte eine Schutzwand aus Glas errichtet werden. Nun steht dort jedoch eine riesige Betonmauer - die Bürger sind erzürnt.

München - Die Mauer muss (wieder) weg! Im Bogenhauser Bezirksausschuss (BA 13) ist man überaus erzürnt über die Lärmschutzwand, die derzeit am S-Bahnhof Englschalking entsteht. „Mich verdrießt dieses Teil täglich bis zur Oberkante“, sagt BA-Chefin Angelika Pilz-Strasser (Grüne). Die einmütige Forderung des Stadtteilparlaments: Rückbau der Mauer und Einhaltung der ursprünglichen Versprechen. Denn eigentlich sollte hier ein transparenter Lärmschutz entstehen.

Im Rahmen der Bürgerbeteiligung war explizit von einer Lärmschutzwand aus Glas gesprochen worden. Elemente, die man auch leicht wieder demontieren könnte, wenn die S-Bahnstrecke im Rahmen der Siedlungsentwicklung im Münchner Osten (SEM) in ferner Zukunft tiefer gelegt wird. Doch die Realität sieht anders aus. „Eher Modell Chinesische Mauer“, kommentiert Petra Cockrell (CSU) schockiert. „Sämtliche Nachbarn gucken jetzt auf eine Betonwand.“

Cockrell war 2013 noch Sprecherin der „Bürgerinitiative Englschalkings neue Entwicklung“ (BIENE). Darin hatten sich Anlieger zusammengeschlossen, um gegen die in ihren Augen überdimensionierte Bebauung des Areals an der Ecke Barlow-/Brodersenstraße, direkt neben dem S-Bahnhof Englschalking, zu protestieren. Einer der Hauptkritikpunkte der Anwohner aus der Siedlung östlich der Bahnlinie: die geplante durchgehende und reflektierende Lärmschutzwand mit 12,5 Metern Höhe an der Bahnseite. Die Erhöhung der Dezibel-Werte durch Reflexion sei im gegenüberliegenden Wohngebiet wohl kaum wahrnehmbar, beteuerte damals die Vertreterin des Planungsreferats in einer Sondersitzung. Am Ende hieß der Kompromiss: Keine Betonmauer, sondern transparente Lärmschutzwände.

Finkenzeller: Bürger wurden belogen

Im Entwurf des Bebauungsplans war das auch noch so festgelegt. Doch in die endgültige Fassung hat es dieses für die Bürger nicht unwesentliche Detail offenbar nicht geschafft. Hier ist nun von einer Lärmschutzwand mit reduzierter Schallreflexion die Rede. Daher konnte der Investor eine andere Form wählen. „Klammheimlich“ sei der Bürgerwille damit ausgehebelt worden, schimpft CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller. Wie könnten sich denn normale Bürger informieren, wenn es schon die BA-Mitglieder nicht richtig erfahren würden. Finkenzeller sieht hier „eine stete Inkonsequenz der Stadt und ein Belügen der Bürger“. Zur endgültigen Fassung sei der Bezirksausschuss gar nicht mehr gehört worden, erinnert sich Pilz-Strasser. „Wenn private Investoren so locker mit Beschlüssen und Bürgerinteressen umgehen, dann brauchen wir künftig immer juristische Beratung vor den Satzungsbeschlüssen.“

Neben dem Abriss der neu gebauten Mauer fordert der Bezirksausschuss auch Aufklärung von der Stadt, wie es zu dem Mauerbau entgegen den Zusagen gekommen ist und warum darüber weder Anwohner noch Bezirksausschuss informiert wurden. Der BA fordert die Stadt auf, den Bürgern bei einem Ortstermin Rede und Antwort zu stehen.

Carmen Ick-Dietl

Unsere wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Bogenhausen - mein Viertel“.


Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Liebesspiel in der U-Bahn: Das sagt ein MVG-Mitarbeiter
Es ist nicht das erste Mal, dass Eduard Imblon es in seiner Zeit bei der MVG mit einem Pärchen beim Liebesspiel in der U-Bahn zu tun bekam. Doch viel mehr Ärger hat der …
Nach Liebesspiel in der U-Bahn: Das sagt ein MVG-Mitarbeiter
Das wird Autofahrern nicht gefallen: Grüne wollen höhere Parkgebühren
Den Grünen sind die stetig steigenden ÖPNV-Preise ein Dorn im Auge. Nun hat die Partei offenbar einen Weg gefunden, das zu unterbinden. Dafür müssten jedoch die …
Das wird Autofahrern nicht gefallen: Grüne wollen höhere Parkgebühren
Tische und Lampe zerstört: Kneipenschlägerei endet blutig 
Die Polizisten fühlten sich bei den Szenen an den Wilden Westen erinnert: Der Tisch kaputt, der Schläger mit erhobenem Bierglas darauf stehend. So fanden Polizisten …
Tische und Lampe zerstört: Kneipenschlägerei endet blutig 
Schülerin (10) und ihr „T-Rex“ lösen Polizeieinsatz aus
Weil Anwohner sich über Lärm im Heckenstallerpark beschwerten, rückte die Polizei aus. Was sie vorfinden, erstaunt die Beamten ziemlich.
Schülerin (10) und ihr „T-Rex“ lösen Polizeieinsatz aus

Kommentare