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Die Anwohner der Kolbergerstraße in Bogenhausen fürchten, dass die Bäume der Nachverdichtung weichen müssen.

„Wir sind aus allen Wolken gefallen“

Anwohner in Angst um ihre geliebten Bäume: Eigentümer plant Nachverdichtung

Böse Überraschung für Anwohner der Kolbergerstraße in Bogenhausen: In ihrem Innenhof sollen alte Bäume gefällt werden. Denn der Eigentümer will auf dem Grundstück offenbar nachverdichten.

München - Die Mieter hatten bislang keine Ahnung davon. Die Stadt München verliert jährlich 2500 Bäume durch Fällungen. Und jetzt trifft es wohl auch die Kolbergerstraße 15-17. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, sagt Anwohner Matthias Offermann. Nur durch Zufall haben er und andere Nachbarn von den Plänen ihres Vermieters erfahren. Denn im Innenhof stand am Sonntag der Baumschutzbeauftragte des Bezirksausschusses Bogenhausen, Andreas Baier, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Im Innenhof sollen die großen Bäume weg

„Es liegt ein Fällantrag vor“, bestätigt Baier. Wegen eines Bauvorhabens im Innenhof sollen dort die großen Bäume weg, bis zu sechs Exemplare könnten betroffen sein. Die kleineren Zypressen, die da auch noch stehen, würden erhalten bleiben. Offermann ist entsetzt. „Die Bäume sind 80 Jahre und älter, für die Hausgemeinschaft sind sie Schattenspender, Klimaanlage, Sauerstofflieferanten und Ruhepol.“ Zudem sei es das Biotop für Tiere wie Eichhörnchen, Fledermäuse, Spechte und Eichelhäher. Die Mieter wollen die Bäume deshalb erhalten, die Bebauung stoppen oder eingrenzen. Allerdings ist über die Pläne wenig bekannt.

Anwohner Offermann konnte nur einen kurzen Blick auf die Unterlagen des BA-Beauftragten erhaschen. Geplant seien zwei seitliche Ergänzungen des Riegels an der Kolbergerstraße, wodurch am Ende ein u-förmiger Bau entsteht. Damit kämen etwa zwölf Parteien zu den bisher 17 Wohneinheiten hinzu.

Sondierung für zusätzlichen Wohnraum läuft derzeit 

Bei der Lokalbaukommission sei ein Vorbescheidsantrag zur Errichtung von zwei Mehrfamilienhäusern im hinteren Grundstücksteil der Kolbergerstraße eingegangen, bestätigt Pressesprecher Thorsten Vogel. „Das ist in Prüfung, es ist hier noch nichts entschieden.“

Eigentümer des Grundstücks ist die MEAG GmbH, der Vermögensverwalter der Munich Re (Münchner Rück) und der Ergo-Versicherungsgruppe. Man lote regelmäßig Entwicklungsmöglichkeiten für seine Grundstücke aus, erklärt MEAG-Pressesprecher Josef Wild. Auch bei der Kolbergerstraße laufe gerade eine derartige Sondierung zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. In Form einer Bauvoranfrage bei der Stadt.

Über den genauen Inhalt, über Größe und Lage der Nachverdichtung will Wild nichts verraten. „Es geht um eine Machbarkeitsstudie.“ Erst wenn man wisse, was zu welchen Konditionen überhaupt möglich sei, könne man seine Optionen beurteilen. „Eine Entscheidung darüber wurde noch nicht getroffen“, so der Pressesprecher.

Der Fällantrag ist allerdings ein sehr konkreter Teil beim Abklopfen der Möglichkeiten. Im Bezirksausschuss Bogenhausen wurde er jetzt jedenfalls einstimmig abgelehnt. Sehr zur Freude der Anwohner. Allerdings wird das Gremium nur angehört, die Entscheidung trifft die Untere Naturschutzbehörde. „Die Münchner Rück stellt sich immer gerne als klimafreundliches Unternehmen dar, hier erscheint aber die Gewinnmaximierung im Vordergrund zu stehen“, ärgert sich Matthias Offermann.

CARMEN ICK-DIETL

Anderen Ärger gab es kürzlich in Bogenhausen, weil die Fahrerin eines SUV eine ganz eigene Ansicht hat, wo sie ihr Vehikel parken darf 

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