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Angela F. (54, oben) pflegt ihre Mutter Renate (82) nach dem Unfall im Münchenstift an der Effnerstraße.

Seniorin fordert Schmerzensgeld

Skandal um Münchenstift: „Pflegerin brach Mama das Bein“

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Eine Seniorin sitzt im Rollstuhl. Die Pflegekraft kommt in ihr Zimmer und schiebt sie hinaus. Doch ein Bein der Frau schleift am Boden. Es knickt ab, der Knochen bricht.

München - Eine Szene wie aus einem Gruselfilm, doch dieser Unfall soll tatsächlich so passiert sein – im renommierten Pflegeheim Münchenstift. Für Renate F. (82) war das „ein Albtraum“, wie ihre Tochter Angela (54) erzählt. „Ihr Bein war völlig verdreht, trotzdem hat die Pflegerin sie weiter in den Speisesaal geschoben. Unfassbar, dass sie nichts bemerkt hat.“ 

Doch es kommt noch schlimmer: Ärzte müssen der Seniorin das verletzte Bein später sogar amputieren, dadurch wird Renate F. zum Dauer-Pflegefall. Seit einem Jahr liegt sie nur noch im Bett – und klagt nun gegen die Münchenstift GmbH. „Wir fordern 250.000 Euro – Schmerzensgeld und Pflegekosten“, sagt die Tochter. Am Mittwoch kam es zum Prozess.

Dort sagte der Richter: „Der Fall ist dramatisch. So ein Verfahren habe ich nicht jeden Tag.“ Denn Renate F. litt schon jahrelang an Osteoporose. „Ein vorsichtiger Umgang im Pflegeheim war angemahnt.“ Dorthin musste die Seniorin überhaupt erst, weil sie zu Hause in Johanneskirchen mehrfach gestürzt war. Die Familie entschied, Renate F. zur Kurzzeitpflege zu schicken. Drei Wochen lang sollte sie in dem Münchenstift-Haus in der Effnerstraße bleiben. „Wir waren jeden Tag zu Besuch“, sagt die Tochter. „Uns fiel direkt auf, wie grob die Pflegerin war. Sie tat meiner Mutter weh.“

Angela F. (li.) mit ihrer Schwester im Landgericht.

Am 20. Februar 2017 fuhr sie ihre Mutter noch spazieren und brachte sie zurück in ihr Zimmer. „Ihr linkes Bein war steif, sie konnte das Knie nicht abwinkeln.“ Um es der Mutter bequemer zu machen, nahm Angela F. die Fußstützen von den Rollstuhl-Stützen ab. Das hatte die Pflegekraft wohl nicht überprüft – erst dadurch sei es zum Unfall gekommen, glaubt Angela F.: „So ein Verhalten ist unverantwortlich. Inzwischen haben wir auch Strafanzeige bei der Polizei gestellt.“

Versicherung: Amputation nicht auf den Unfall zurückzuführen

Was sagt Münchenstift zu dem Vorfall? Geschäftsführer Siegfried Benker: „Frau F. war im Rollstuhl und hat nach Aussage der Mitarbeiterin die Fußstützen verweigert. Sie wollte mit dem Rollstuhl mittrippeln.“ Das sei das gute Recht jedes Bewohners. „Wir legen großen Wert auf die Selbstbestimmung.“ Erst beim Mitlaufen mit dem Fuß sei Renate F. unter das Rad gekommen. „Ich bedauere diesen Unfall sehr“, sagt Benker. Laut der Versicherung stamme die Fraktur nicht vom Sturz, sondern von der Osteoporose. Zudem sei die Amputation nicht auf den Rollstuhl-Unfall zurückzuführen – und der Schmerzensgeldanspruch überhöht.

Für die Seniorin sind diese Aussagen blanker Hohn. Denn der Richter stellte fest: Zwei Tage lang wurde trotz des Unfalls kein Arzt gerufen – bis sich Renate F. aufgrund der Schmerzen beim Essen übergab. Noch immer braucht sie starke Schmerzmittel – und inzwischen die höchste Pflegestufe. „Sie muss gewickelt und gefüttert werden. Das hat sie nicht verdient“, sagt Tochter Angela. Im Juli muss nun die Pflegerin aussagen.

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Ihr müsste Renate F. ein Fehlverhalten aber nachweisen, nur dann hat die Seniorin Chancen auf einen Sieg vor Gericht. Wahrscheinlicher ist, dass es zu einem Vergleich kommt – und Renate F. eine Abfindung erhält. Ihre Tochter sagt: „Wir wollen, dass der Fall minutiös aufgeklärt wird.“ Mittlerweile pflegt die Familie Renate F. rund um die Uhr zu Hause. In ein Pflegeheim will Angela F. ihre Mutter nie wieder bringen. „Nur über meine Leiche.“

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