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MVG-Chef Herbert König (li.) und Oberbürgermeister Dieter Reiter setzten am Freitag den ersten Spatenstich für die Tram nach Steinhausen. Im Hintergrund ist das Hochhaus der Süddeutschen Zeitung zu sehen.

Eröffnung vielleicht Ende 2016

Spatenstich für Steinhausen-Tram - MVG hofft auf schnellen Bau

München - In Steinhausen wurde der Spatenstich für die neue Trambahnstrecke gefeiert. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hofft, die Neubaustrecke schon Ende des Jahres eröffnen zu können.

„Noch nie hatten wir einen Spatenstich im Februar, mitten im Winter“, sagte MVG-Chef Herbert König. Denn normalerweise sei der Boden da so tiefgefroren, dass selbst der stärkste Bagger keine Chance habe. Der Winter 2016 ist insofern ein Glücksfall für die Tram. Zudem brenne man laut König bei den Stadtwerken darauf, das Projekt endlich zu realisieren – „nachdem wir jetzt dürfen“.

Die Grafik zeigt, wie die Tramstrecke künftig verlaufen soll. Das Teilstück vom Max-Weber-Platz bis zum Leuchtenbergring (rot gepunktet) existiert bereits, nun wird weitergebaut (rote Linie): durch das Entwicklungsgebiet Bogenhausener Tor hindurch über die Truderinger Straße bis nach Berg am Laim.

Eigentlich wollte man ja schon ein bisschen früher anfangen. Die Einweihungsfeier für die neue Tramstrecke vom Max-Weber Platz durch die Einsteinstraße über den Vogelweideplatz nach Steinhausen war ursprünglich bereits für vergangenen Dezember geplant gewesen. Doch es gab bei dem Projekt „ein paar Spezialitäten“, die viel Zeit kosteten. „Wir mussten eigens eine 200 Meter lange Stützmauer am Bahndamm in der Truderinger Straße bauen, für die Kreuzung mit dem vorhandenen Industriegleis brauchte es ein spezielles Verfahren – und dann habe ja auch noch eine „Bombe“ in den Akten gelegen, erklärte König. Was niemand wusste: Das Areal der künftigen Wendeschleife am S-Bahnhof Berg am Laim war offiziell als Feuerwehr-Anfahrt für die Bahn eingezeichnet und musste gesondert entwidmet werden. Zudem verzögerte sich die Genehmigung von der Regierung von Oberbayern.

Nun aber ist alles gut. Am Montag beginnen die Sparten- und Erdarbeiten. Anfang April starten dann die Gleisbauarbeiten und es werden auch schon erste Fahrleitungsfundamente gesetzt. In den Sommerferien wird die Strecke an den Betriebshof an der Einsteinstraße angeschlossen. Die parallel zur Tramstrecke verlaufende Truderinger Straße wird umgestaltet und verbreitert, erhält neben den Schienen Blumenwiesen als Kontrast zum Rasengleis, sowie 90 neue Bäume. Von den sechs Haltestellen auf der Strecke werden vier komplett neu gebaut, am Max-Weber-Platz erhält die Tram zudem einen zusätzlichen Bahnsteig Richtung Berg am Laim. Insgesamt sei die verlängerte Linie 25, die künftig von Grünwald nach Berg am Laim führen soll, ein „äußerst wirtschaftliches Projekt“, freute sich König. Denn von der rund drei Kilometer langen Strecke müssen nur 1,3 Kilometer und die Wendeschleife neu gebaut werden, den Rest gibt es bereits als Betriebsgleis. Die Investitionskosten liegen bei rund 18 Millionen Euro. Wie hoch der Zuschuss vom Freistaat ausfallen wird, ist noch unbekannt.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sieht einige Synergieeffekte durch den Zuwachs im Trambahnnetz. Das Bauprojekt „Bogenhauser Tor“ am Vogelweideplatz, in dem Wohnungen und mehr als 1000 Arbeitsplätze entstehen, sei bereits vor dem Bezug optimal an den ÖPNV angebunden. Profitieren würden aber auch das aufstrebende Gewerbegebiet in Steinhausen und das neue Wohngebiet „Baumkirchen-Mitte“. 

Hier droht Stau! Das ist der Bauplan für 2016 in München

Die Fahrzeit zwischen Max-Weber-Platz und S-Bahnhof Berg am Laim wird etwa acht Minuten betragen. Somit sei die Tram Steinhausen gleich für drei Stadtbezirke, für Haidhausen, Bogenhausen und Berg am Laim, ein echter Standortvorteil. „An der Wendeschleife ist für mich auch nicht zwangsläufig Schluss“, erklärte der OB. Ob man die Verlängerung nach Zamdorf tatsächlich brauche, werde die Stadtentwicklung zeigen. „Die Stadt wächst, Mobilität ist daher eine wichtige Aufgabe, dazu braucht es vernünftige ÖPNV-Anbindungen.“ Auch der Bund Naturschutz sieht Potential für weitere Verlängerungen in den Münchner Nordosten. Zusammen mit der Aktion Münchner Fahrgäste ärgert man sich jedoch über die derzeit geplante Linienführung der neuen Trambahnlinie. Statt nach Grünwald sollte die Linie ihrer Ansicht nach lieber in die Innenstadt und dann weiter nach Moosach führen. Damit könnte auch die U-Bahn im Zentrum entlastet werden.

Carmen Ick-Dietl

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