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Liselotte Bothe ist die Chefin des „Kleinen Theaters im Pförtnerhaus“ in Bogenhausen. 

München-Serie

Der perfekte Tag in meinem Viertel: Theater-Chefin Liselotte Bothe zeigt ihr Bogenhausen

In unserer Serie zeigen wir allen Dahoam-Gebliebenen, was es in den 25 Münchner Stadtbezirken zu entdecken gibt. Prominente Viertelbewohner führen uns durch ihr Stadtviertel. Heute: Bogenhausen.

München - „Seid ihr alle da?“: Diese Frage hat Liselotte Bothe in ihrem Leben schon unzählige Male gestellt. Die 71-Jährige leitet eine beliebte Institution im Stadtbezirk Bogenhausen: Sie ist die Chefin des „Kleinen Theaters im Pförtnerhaus“. Seit mittlerweile 30 Jahren führt der Kasperl hier Regie. Zieht sich Liselotte Bothe ihr Dirndl an, dann wirkt sie wie die Gretl persönlich aus einem ihrer selbst verfassten Theaterstücke.

Die Vorschulpädagogin hat nach ihrer Ausbildung eigentlich nur das Handpuppenspiel für die pädagogische Praxis erlernen wollen. Irgendwann war sie jedoch so erfolgreich, dass sie in dem Metier hängen blieb. Zehn Jahre lang war Liselotte Bothe mit ihrem Mann und einer Mitspielerin als reines Gastspieltheater unterwegs, bevor sie dann im Bürgerpark Oberföhring ihren festen Theatersitz einrichtete.

Bei Bothe tanzen die Puppen, die grundsätzlich Mundart sprechen, nur für Kinder zwischen drei und neun Jahren. Dabei erzählt sie mit dem Kasperl spannende und lustige Geschichten, schickt ihn nach Afrika oder in die Drachenstadt, zu Meerjungfrauen oder Zauberern. Für Erwachsene gibt es seit einem Jahr recht erfolgreich ein Papiertheater-Festival, das in diesem Jahr vom 18. bis 21. Oktober stattfindet. „Da bin i dahoam“, sagt die Theater-Prinzipalin über Bogenhausen, wo sie seit ihrem achten Lebensjahr nicht im gleichen Haus, aber stets in der gleichen Straße lebt.

Spaziergang an der Isar mit berauschenden Brücken-Blicken

Ein Spaziergang am Isar-Hochufer Richtung Stauwehr – für Liselotte Bothe ist das Sommerfrische für die Seele. „Das ist es, was ich an München besonders liebe, die Ausblicke von den Isar-Brücken.“ Ganz besonders hat es ihr die Max-Joseph-Brücke angetan, die ursprünglich mal Bogenhauser Brücke hieß, weil sie Bogenhausen und den Englischen Garten verbunden hat. Das Bogenbauwerk über die Isar aus dem Jahr 1902 hat ein paar interessante Details: Ein großes „Münchner Kindl“ am Brückscheitel, vier Figurengruppen als allegorische Darstellungen der Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde, die von Pflanzen- und Tierreliefs flankiert werden. Und dann dieser Blick! „Für mich wirkt es wie auf einem Gemälde des berühmten britischen Malers Turner“, schwärmt Liselotte Bothe. Beim Spaziergang von Brücke zu Brücke genießt sie ständige neue Ausblicke. „Wunderschön ist auch der Doppelblick von der Luitpold-Brücke auf die Silhouette Münchens“, sagt sie.

Genuss: Raritäten aus der Käse-Alm

Urlaubszeit ist auch Mußezeit und Zeit für Genuss. Dafür gönnt sich die Chefin des Kasperltheaters einen kleinen Abstecher zur „Bogenhauser Käse-Alm“ an der Ismaninger Straße 124. „Die haben eine unheimlich tolle Auswahl mit vielen speziellen Käsesorten.“ Neben Klassiker kann man auch leckere, außergewöhnliche Raritäten entdecken. Zudem besonders nettes Verkaufspersonal mit einem Gespür für guten Geschmack, lobt Bothe.

Den passenden Wein sowie andere Spezialitäten gibt es noch mit dazu. Und einen kleinen Imbiss, bei dem man sich schnell eine leckere Stärkung gönnen kann. Einfach kein Supermarkt, sondern ein Geschäft mit persönlicher Beratung. Geöffnet hat die Käse-Alm montags bis freitags von 7.30 bis 19 Uhr und samstags von 8.30 bis 14 Uhr. „Es ist schön, dass wir in München noch solche kleinen Ladl haben“, findet Bothe, die zum Fototermin ihren Kasperl mitgebracht hat.

Rundgang auf berühmtem alten Friedhof

Ein Besuch auf dem Bogenhauser Friedhof ist ein bisschen wie Promi-Gucken. Auf dem malerischen Gottesacker am Bogenhauser Kirchplatz (in den Sommermonaten von 8 bis 18 Uhr geöffnet) haben bekannte Persönlichkeiten wie Erich Kästner, Rainer Werner Fassbinder, Liesl Karlstadt oder Helmut Fischer ihre letzte Ruhe gefunden. Eine Besonderheit sind auch die vielen bemalten, schmiedeeisernen Grabkreuze.

Bogenhausens ehemalige Dorfkirche St. Georg.

Ein Rundgang über den berühmten alten Friedhof gehört für Liselotte Bothe unbedingt dazu, dann schaut sie nach „Neuzugängen“. Doch noch mehr zieht es sie zur ehemaligen Dorfkirche. Denn mit St. Georg hat Bothe eine ganz spezielle Verbindung. „Ich habe darin vor 50 Jahren ihren Mann Lutz Bothe geheiratet.“ Die Bogenhauser Kirche ist für Bothe ein Barockjuwel. „Sie ist für Münchner Verhältnisse klein, aber so wundervoll ausgestattet und deshalb immer einen Besuch wert.“

Herrliche Aussicht vom Friedensengel

Das Goldmädel an der Prinzregentenstraße sieht aus jedem Blickwinkel anders aus, das hat die Theater-Chefin bei den Fahrten mit ihrem alten Käfer-Cabrio rund um den Friedensengel entdeckt. Hat sie viel Zeit, besucht sie die 38 Meter hohe Siegesgöttin auf dem Säulentempel und genießt den herrlichen Blick von der Aussichtsterrasse über die Prachtstraße und die Stadt. Dazu der gülden strahlende Engel vor dem Bayrischblau des Himmels. „Auch wenn es richtig kitschig ist, aber bei schönem Wetter hat man hier eine unglaubliche München-Idylle.“

In den Abendstunden im Sommer kann man romantische Augenblicke erleben, wenn der darunter liegende Springbrunnen mit den auf Delfinen reitenden Putten stimmungsvoll beleuchtet wird. Bothe liebt auch die hübsch gestaltet Parkanlage zu beiden Seiten des Platzes. Was kaum einer weiß: In der Fuß- und Radweg-Unterführung untendrunter gibt es mit der Graffiti-Galerie ein künstlerisches Kontrastprogramm.

Brotzeit im Schlösselgarten

Mit dem eingekauften Käse und anderen Brotzeitspezialitäten geht Bothe gemeinsam mit Ehemann, Kindern und Enkeln abends gerne in den Schlösselgarten (Cosimastr. 41). Ein uriger Biergarten direkt hinter dem Cosima-Wellenbad in einer Heimgarten-Anlage, der bei schönem Wetter bis Mitternacht geöffnet hat. „Hier ist Platz für die Kinder zum Spielen ohne Gefährdung durch den Straßenverkehr.“ Im Kreise der Familie lässt sie den Tag ausklingen. „Nah am Zentrum, nah am Grünen und umgeben von Kultur – es ist einfach schön in Bogenhausen zu leben.“ Der Schlösselgarten hat täglich ab 10 Uhr geöffnet. Warme Küche gibt es von 11.30 bis 22 Uhr.

Von Carmen Ick-Dietl

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