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Bislang logieren Discounter in flachen Bauten - in Frankfurt soll sich das ändern. Der Lidl-Markt liegt im Erdgeschoss eines Wohnhauses.

Gespräche laufen bereits

Über Aldi und Lidl: Geheimpläne für günstige Appartments in München

Die Stadt und die Lebensmittel-Discounter Lidl und Aldi sprechen darüber, Wohnungen über bestehenden Filialen zu realisieren. Ein Baugebiet in Bogenhausen wäre wie geschaffen für eine Umsetzung in München, sagen Bezirkspolitiker.

München - München denkt beim Thema Wohnen auch ungewöhnlich, das ist spätestens seit dem Gewofag-Projekt am Dantebad klar, wo ein Parkplatz mit einem Wohngebäude überbaut wurde. OB Dieter Reiter (SPD) hatte ebenfalls erklärt, er könne sich Wohnungen über Discountern vorstellen. Daraufhin habe man sich mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Verbindung gesetzt, erklärt Lidl-Pressesprecher Mario Köhler. „Gemeinsam mit der Gewofag entwickeln wir seitdem konkrete Pläne, ausgewählte Grundstücke aktuell bestehender Lidl-Filialen in verschiedenen Münchner Stadtteilen mit Gebäuden für kombinierte Nutzung aus Filiale und sozialem Wohnungsbau zu bebauen.“

Das bestätigt das Planungsreferat. „Wir sind auch mit Aldi im Gespräch“, sagt Sprecher Ingo Trömer. Denn erdgeschossige Supermärkte sind in Großstädten vor allem eins: verschwendeter Platz. Platz, der für Wohnungsbau dringend gebraucht wird. Konkrete Projekte gibt es Trömer zufolge noch nicht, aber den Willen, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen.

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Frankfurt als Pionierstadt

Lidl macht in Frankfurt vor, wie das aussehen könnte. Das Unternehmen setzt dort gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt maßgeschneiderte Lösungen zur Nachverdichtung in dicht besiedelten Ballungsräumen um. Dort sollen auf einem rund 7700 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem sich bisher ausschließlich eine erdgeschossige Lidl-Filiale mit ihren Parkplatz befindet, nach dem Abriss zwei Neubauten mit Wohnungen entstehen. Im vorderen Gebäude plant der Lebensmittelhändler wieder seine Filiale, darüber rund 40 Wohnungen. Im Hof soll ein weiteres, reines Wohngebäude mit 70 Wohneinheiten entstehen. Untendrunter eine große Tiefgarage für Kunden und Anwohner. Die Anlieferzone wird extra eingehaust, um Lärmemissionen zu vermeiden.

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Auch Aldi will in Städten mit gravierender Wohnungsnot seine Märkte überbauen. In Tübingen liegt ein vierstöckiges Haus mit günstigen Studentenappartements über einem Drogeriemarkt auf dem Filial-Grundstück. Aldi Nord will in Berlin 2000 Mietwohnungen, davon 30 Prozent Sozialwohnungen, auf seinen Supermarkt-Dächern schaffen.

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Bogenhauser Brache mit Potenzial: Xaver Finkenzeller (CSU) könnte sich vorstellen, dass Aldi vom Nachbargrundstück wegzieht und sich in die geplante Wohnbebauung integriert.

CSU-Politiker kritisiert „nicht hinnehmbaren Flächenverbrauch“ durch Discounter

Die Bogenhauser CSU würde etwas Ähnliches gerne im eigenen Bezirk umsetzen. Durch die Schuhschachtel-Filialen samt riesigen Parkplätzen davor finde „ein nicht hinnehmbarer Flächenverbrauch statt“, sagt Xaver Finkenzeller. Und dies meist noch in exponierter Lage. Kindertagesstätten würden in München mittlerweile fast überwiegend nur noch integriert in Wohngebäude errichtet, „doch die führenden Lebensmittelmärkte erhalten nach wie vor Baugenehmigungen für ihre erdgeschossige Bauweise“.

Ein passendes Areal sieht die CSU an der Ecke Cosima-/Johanneskirchner Straße. Dort gibt es Pläne für ein großes Wohnungsbauprojekt samt Einzelhandel. Gleich daneben steht eine Aldi-Filiale mit Hochgarage. Es würde sich anbieten, dieses Grundstück in die Planung einzubeziehen, sagt Hans-Peter Uhl. Der ehemalige Münchner KVR-Chef vertritt als Rechtsanwalt den Investor. „Zumal das eine Bausünde ist und keine Bereicherung des Stadtbildes.“ Aldi aber wolle vor dem Abriss entsprechenden Ersatz. Das Angebot: „Wir bauen auf dem Nachbargrundstück eine neue Filiale mit Tiefgarage, dazu Wohnungen oder Büros obendrüber, davon hätten alle einen Vorteil.“

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Video: Aldi baut die größte Filiale aller Zeiten

Carmen Ick-Dietl

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