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Tatort Harthof: Das Areal des künftigen Flüchtlingsheims, hinter den Containern steht die Leichtbauhalle.

Jugendliche warfen Molotowcocktails

Brandanschlag auf Asyl-Unterkunft: Die Reaktionen der Politik

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München - Drei Jugendliche haben versucht, eine Asyl-Unterkunft in Brand zu stecken. Verletzt wurde niemand. Die 16- und 17-jährigen Harthofer wurden festgenommen. OB Dieter Reiter verurteilte die Tat.

Graue Container reihen sich an der Neuherbergstraße 24 (Milbertshofen-Am Hart) auf, dahinter erstreckt sich die Leichtbauhalle. Noch leben hier keine Flüchtlinge, sie sollen erst Mitte März einziehen. Drei Jugendliche wollten das verhindern und haben versucht, die Unterkunft in Brand zu stecken.

Nach Angaben der Polizei leben die Täter in der Nähe des künftigen Asylheims. Offenbar wollten die Jugendlichen nicht, dass hier Asylbewerber einziehen. Einen rechtsradikalen Hintergrund im klassischen Sinne haben die drei nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei nicht. Die Tat wiege aber besonders schwer, weil sie mehrfach versuchten, die Unterkunft in Brand zu stecken.

Bereits am Freitagnachmittag hatte das Baureferat die Polizei eingeschaltet. Auf dem Grundstück am Harthof wurden zwei Molotowcocktails gefunden: mit Brandbeschleuniger gefüllte Getränkeflaschen. Während eine intakt im Gras lag, war die anderer zersplittert, hatte aber keinen Brand ausgelöst. Jedoch war wenige Meter entfernt ein verbauter Heizungsschlauch auf drei Metern Länge abgebrannt. Dieser war offenbar mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angesteckt worden – die Flammen erloschen aber von selbst, bevor sie auf die Leichtbauhalle übergriffen.

Nicht der erste Anschlag auf die Baustelle

In der Folge beobachtete die Polizei am Freitag die Baustelle mit zivilen Beamten. Einer Streife fielen gegen 21 Uhr drei Jugendliche auf, die sich an dem umzäunten Areal herumdrückten. Tatsächlich hatten sie Benzin und Feuerzeuge bei sich. Sie wurden festgenommen. Es handelt es sich um einen 16-jährigen Schüler, einen 16-jährigen Erwerbslosen und einen 17-jährigen Auszubildenden. Alle drei sind gebürtige Münchner, wohnen in direkter Nachbarschaft zur künftigen Unterkunft und waren zuvor polizeilich unauffällig. In ihren Vernehmungen sagten sie aus, dass sie am Donnerstagnachmittag den Entschluss gefasst hätten, den Brand zu legen. Durch ihre Aktion wollten sie die Fertigstellung verzögern.

Es war nicht der erste Anschlag auf die Baustelle. Bereits am 7. Dezember hatten Unbekannte an drei Baufahrzeugen Scheiben eingeschlagen. Wenige Tage später wurden zwei Fahrzeuge auf dem Gelände demoliert und Fenster an fertigen Gebäudetrakten eingeworfen. Nachbarn sahen damals mindestens zwei Personen, die herumschrien und mit Steinen warfen. Als die Polizei eintraf, waren die Täter geflüchtet. Nach Informationen unserer Zeitung hatte die Stadt die Polizei bereits damals darum gebeten, rund um das Gelände verstärkt Streife zu fahren.

"Keinerlei Toleranz"

Ob die Jugendlichen auch an diesen Taten beteiligt waren, ist laut Polizei unklar. Alle drei wurden wegen Brandstiftung angezeigt, im Laufe des Wochenendes kamen sie jedoch wieder auf freien Fuß.

Die Politik reagierte entsetzt auf den Anschlag. OB Dieter Reiter, SPD, erklärte: „Ich bin sehr froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist und dass die Polizei die Tatverdächtigen so schnell festnehmen konnte. Eine solche Tat, auch wenn es bei einem missglückten Versuch blieb, ist durch nichts zu entschuldigen, auch nicht durch das jugendliche Alter der mutmaßlichen Täter.“ Es könne und werde „keinerlei Toleranz geben“. Ins gleiche Horn stieß sein Stellvertreter, Bürgermeister Josef Schmid, CSU: „Man sollte das nicht als jugendlichen Blödsinn abtun.“ Bei allen Debatten um Obergrenzen müsse immer auch klargemacht werden, dass „denen, die zu uns kommen, auch geholfen wird“. Schmid nannte die Tat „höchst verabscheuungswürdig“. Auf Gewalt müsse mit „der ganzen Härte des Gesetzes reagiert werden“. Grünen-Stadtrat Dominik Krause betonte einen weiteren Aspekt: „Diese widerliche Tat zeigt auf, dass rechter Terror nicht aus der klassischen Neonazi-Szene kommen muss.“

Ablehnung gibt es durchaus

In der Nachbarschaft selbst wissen am Sonntag viele noch nicht von dem Anschlag, äußern aber ihre Sorge vor der Unterkunft. „Wenn die eingezogen sind, werde ich meine Frau und meine Tochter hier nicht mehr alleine spazierengehen lassen“, sagt ein Busfahrer. „Die Leute kommen mit falschen Vorstellungen her“, sagt ein anderer. Wenn das Gespräch auf den Brandanschlag kommt, sind die Leute aber alle geschockt – egal ob sie das Flüchtlingsheim befürworten oder ablehnen.

Und Ablehnung gibt es durchaus. Das bestätigt auch Fredy Hummel-Haslauer. Der Bezirksausschuss-Chef (SPD) berichtet, dass auf der Fläche ein Tengelmann stand – dem die Stadt gekündigt habe, um Grünflächen zu schaffen. Eigentlich. Dann sei die Flüchtlingskrise gekommen, die Stadt habe entschieden, vorübergehend ein Heim zu errichten. „So ist Missmut in der Nachbarschaft entstanden, weil die Leute jetzt deshalb weiter zum Einkaufen fahren müssen. Das hat einige erbost.“ Organisierte Bürgerproteste gegen die Einrichtung sind ihm nicht bekannt.

Heute tagt im Rathaus wie jeden Montag der Stab für außergewöhnliche Ereignisse zum Flüchtlingsthema. Diesmal werden Politik, Verwaltung und Sicherheitsbehörden dort auch über Konsequenzen aus dem Anschlag diskutieren.

Sven Rieber, Felix Müller, Florian Fussek, Christine Ulrich

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