Bundestagswahl - Ein Wahlbüro in Deutschland: Drei Menschen sitzen in Wahlkabinen (Symbolbild
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Bundestagswahl: Bald muss auch München die zwei Kreuzerl setzen - was gibt es zu beachten?

Wie war das mit dem Kreuzerl?

Bundestagswahl-Umfrage zeigt: Viele junge Menschen von Stimmzettel überfordert

  • Klaus Rimpel
    VonKlaus Rimpel
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Wie war das mit dem Kreuzerl? Umfragen zeigen: Ein Stimmzettel birgt einige Tücken. Fast die Hälfte der 18-29-Jährigen scheint überfordert. Das Wichtigste im Überblick.

München - Eine Umfrage unter 18- bis 29-Jährigen deckte große Lücken in Sachen Bundestagswahl* auf: 38 Prozent der vom Institut YouGov Befragten konnten die Frage „Wie viele Stimmen haben Sie bei der Bundestagswahl?“ nicht korrekt beantworten.

Die Mehrheit der jungen Wähler kennt auch nicht den Namen oder die Partei des Abgeordneten für ihren eigenen Wahlkreis*, so die Umfrage im Auftrag des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Doch nicht nur die jungen Wähler sind mit der Komplexität der Wahl oft überfordert. Das Kreuz mit dem Kreuzerl: Die tz erklärt (rechtzeitig auch für Briefwähler), wie die Bundestagswahl funktioniert.

Video: Wahl-ABC - Aktives und passives Wahlrecht

Nach Umfrage zur Bundestagswahl: Wie viele Kreuzerl gibt‘s bei der Bundestagswahl überhaupt?

Zwei. Mit der Erststimme wählen Sie den Direktkandidaten, also den Abgeordneten ihres Wahlkreises. Nur der Kandidat, der im Wahlkreis die meisten Stimmen erhält, zieht in den Bundestag ein – 299 Wahlkreise gibt es in Deutschland, die so geschnitten sind, dass in jedem etwa gleich viele Wähler leben. Mit der Zweitstimme, die gerne als die „wichtigere“ Stimme bezeichnet wird, wählt man die Partei. Jede Partei stellt eine Landesliste auf, deren Reihenfolge in innerparteilichen Wahlen bestimmt wird. Neben den über die Erststimme direkt gewählten Abgeordneten ziehen die weiteren Abgeordneten über diese Landeslisten der jeweiligen Parteien in den Bundestag ein.

Kommen alle gewählten Parteien in den Bundestag?

Nein, nur die Parteien, die bundesweit mehr als fünf Prozent der Zweitstimmen bekommen, ziehen ins Parlament ein. Die Fünf-Prozent-Hürde wurde als Reaktion auf das zersplitterte Parlament der Weimarer Republik eingeführt. Diese Zersplitterung war mitverantwortlich für Hitlers Machtergreifung.

Parteien, die drei oder mehr Direktmandate erzielen, werden bei der Sitzverteilung nach ihrem Stimmanteil berücksichtigt – was der CSU wohl Sitze garantiert, selbst wenn die nur in Bayern antretende Partei umgerechnet auf die gesamte Bundesrepublik nicht über fünf Prozent kommt. Je nach Wahlergebnis würde die CSU bei einem Ergebnis unter 30 Prozent in Bayern an der Fünf-Prozent-Hürde im Bund scheitern. Wenn eine Partei mehr Direktmandate bekommt, als ihr laut Zweitstimmen-Ergebnis zustehen, gibt es Überhangmandate. Damit dann die anderen Parteien nicht benachteiligt werden, gibt es Ausgleichsmandate. Deshalb gibt es derzeit 709 Abgeordnete, obwohl die Regelgröße des Bundestags bei 598 Sitzen liegt. Diesmal könnten es bis zu 1000 werden!

Wer ist wahlberechtigt?

Alle deutschen Staatsangehörigen, die am Wahltag mindestens 18 Jahre alt sind, seit mindestens drei Monaten in Deutschland wohnen und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Ausgeschlossen sind Personen, die das Wahlrecht infolge eines Richterspruchs verloren haben – etwa wegen Landesverrats oder Wahlfälschung. Dies ist in der Geschichte der Bundesrepublik bisher noch nie erfolgt. Das Verfassungsgericht erklärte 2019 den Ausschluss von Personen, die sich auf gerichtliche Anordnung hin in der Psychiatrie befinden, für verfassungswidrig. Auch wer einen gesetzlichen Betreuer hat, darf laut diesem Verfassungsgerichtsurteil wählen.

Was muss ich tun, wenn ich keine Wahlbenachrichtigung bekomme?

Wer noch keine Wahlbenachrichtigung erhalten hat, sollte sich umgehend mit dem Wahlamt in Verbindung setzen (Wahlhotline: 089/233 96233). Wohnungslose, die sich gewöhnlich im Münchner Stadtgebiet aufhalten, können noch bis nächsten Freitag die Aufnahme ins Wahlverzeichnis beantragen, so das Kreisverwaltungsreferat. Falls Sie die Wahlbenachrichtigung verloren haben, reicht es, einen gültigen Personalausweis oder Reisepass in den Wahlraum mitzubringen.

Ich bin am Wahltag nicht in meiner Heimatstadt. Wie kann ich trotzdem wählen?

Bis zum Freitag, 24. September, 18 Uhr, kann noch der Antrag auf Briefwahl gestellt werden – entweder mit dem Wahlschein oder per Online-Formular. Wenn Sie sich die Briefwahlunterlagen zuschicken lassen, dauert die Rückantwort laut KVR sechs bis acht Tage. Briefwähler auf den letzten Drücker müssen die Unterlagen also persönlich abholen – im Wahlamt oder bei den Bezirksinspektionen. Mit einer Vollmacht können Sie auch eine andere Person beauftragen, die Briefwahlunterlagen abzuholen. (KR) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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