Verwaiste Fraunhofer Gaststätte in München
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Gähnende Leere: Gastro-Betriebe ächzen besonders unter Corona-Krise.

Gastronomie und Hotellerie in der Corona-Krise: Restaurants in den Vierteln haben es etwas besser

„Das ist tödlich“: Gastro-Verband befürchtet Hotel-Sterben und warnt vor Corona-Panikmache

  • Nadja Hoffmann
    vonNadja Hoffmann
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Wie viele Wirtshäuser und Hotels überstehen die Corona-Pandemie nicht? Erst im Frühjahr, schätzt der Verband Dehoga, wird wohl das Ausmaß der Krise deutlich. Die aktuelle Lage ist besorgniserregend.

  • In der Corona-Krise* erleben Gastronomie und Hotellerie immense Umsatzeinbrüche.
  • Experten erwarten die schwerwiegenden Auswirkungen für das kommende Jahr.
  • Lichtblicke seien Beschlüsse aus der Politik.

München - Ein komplettes Berufsverbot, zwei Monate ohne Einnahmen, dann ein Neustart mit Hindernissen: Gastronomie und Hotellerie haben besonders stark unter Corona gelitten, und sie leiden immer noch. Das machte die Wirtin und Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer am Mittwoch im Münchner Presseclub deutlich. „Wir sind in einer ganz schwierigen Lage“, sagte Inselkammer. Immer mehr Betriebe kämpften ums nackte Überleben. „Bislang gibt es erst vereinzelte Schließungen.“

Erst im Frühjahr werde sich wohl zeigen, wie viele es nicht schaffen. „Alle haben sich verschuldet“, sagt Inselkammer mit Blick auf den Lockdown. Aber auch jetzt ist die Lage nicht gut. Das zeigen die besorgniserregenden Zahlen, die sie mit ihrem Dehoga-Kollegen Jürgen Lochbihler vorlegte: Demnach liege die Auslastung bei den Münchner Hotels nicht bei den gewohnten 83 bis 87 Prozent, sondern gerade mal bei 20 Prozent. „Das ist tödlich“, so Inselkammer. Wirte müssten Umsatzeinbrüche von 50 bis 70 Prozent verkraften.

Schwer haben es laut Lochbihler insbesondere die großen Wirte im Zentrum. Ihnen bleiben die Gäste - vor allem Touristen und Tagesausflügler - aus. Im Gegensatz zu den Restaurants in den Vierteln, zu denen die Stammgäste zurückkommen. „Die kleinen Boote lassen sich viel besser neu ausrichten als die großen Dampfer“, beschreibt Lochbihler die Situation. Die Gastro-Flaggschiffe in der Stadt, zu denen er auch seinen „Pschorr“ am Viktualienmarkt zählt, hätten es schwerer als die Wirtshäuser auf dem Land.

Es brauche neue Konzepte. „Wir müssen lernen, mit Corona zu leben“, sagt Inselkammer, die einen Gasthof in Aying betreibt. Die Familie plant etwa, einen Laden mit frischen Lebensmitteln zu eröffnen. Leere Stadt-Hotels, nannte Lochbihler einen anderen Gedanken, könnten als Wohnraum für Studenten genutzt werden. So lange, wie die Krise eben dauert.

Neu in der Corona-Krise: Restaurants wie hier das La Sophia dürfen Freischankflächen anbieten.

Gastronomie und Hotellerie in der Corona-Krise: Bloß keine Panikmache vor zweiter Welle

„Das alles hat etwas Unwirkliches“, sagt Inselkammer. Sie ist dankbar, dass die Politik die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent bei Speisen ermöglicht habe. Lochbihler lobt die umfassende Ausweitung der Freischankflächen für die Gastronomen. Es sei bemerkenswert, wie „agil“ das Kreisverwaltungsreferat sich in dieser Sache gezeigt habe.

Nun sei es für die Branche wichtig, erklärte Inselkammer, dass die Politik keine Panikmache betreibe. Immer wieder werde vor einer zweiten Welle gewarnt. Das ist in den Augen der Dehoga-Präsidentin schwierig: Es nützte nichts, für Angst und Verunsicherung zu sorgen. Vielmehr sei es wichtig - für die Gastronomen wie für die Gäste -, gemeinsam verantwortungsvoll mit der Krisensituation umzugehen. (Nadja Hoffmann) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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