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Dunkelziffer in München viel höher als gedacht? Corona-Studie zur ersten Welle liefert überraschende Ergebnisse

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Von: Stéphanie Mercier

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tz-Redakteur Andreas Thieme (r.) nimmt an der Studie teil. Er hat bisher keine Antikörper entwickelt
tz-Redakteur Andreas Thieme (r.) nimmt an der Studie teil. Er hat bisher keine Antikörper entwickelt. © Jantz

Eine Studie des LMU-Klinikums zeigt, wie sich Corona seit Beginn der Pandemie in München entwickelt hat. Sie beschäftigt sich auch mit der Frage, wie tödlich Covid-19 ist.

München - Schritt für Schritt lösen Wissenschaftler die Rätsel des Coronavirus – und München spielt eine wichtige Rolle dabei. Denn: Das Tropeninstitut des LMU-Klinikums München forscht an der Frage, wie hoch die Dunkelziffer ist. Also: Wie viele Menschen sind oder waren mit dem Virus infiziert, ohne es zu bemerken (und deshalb auch ohne in die Statistik einzugehen)? Die Forscher der „Prospektive COVID-19 Kohorte München“ (kurz KoCo19) haben im Frühjahr Blutproben in fast 3000 zufällig ausgewählten Münchner Haushalten gesammelt. Dabei untersuchten die Wissenschaftler um Professor Dr. Michael Hölscher, wie viele Münchner bereits Antikörper gegen Corona entwickelt haben – und damit auch infiziert gewesen sein müssen. Die ersten Ergebnisse:

Corona München: Dunkelziffer bei Covid-19-Todesfällen? Das sagen die Wissenschaftler

Wie hoch ist die Dunkelziffer? Der KoCo19 zufolge haben knapp zwei Prozent der Münchner in der ersten Welle der Corona-Pandemie Antikörper gegen das Virus entwickelt. Damit lag die Zahl etwa vier Mal höher als die der offiziell bestätigten Corona-Fälle beim Statistischen Amt, die mit dem Ende der Blutproben-Entnahme bei 0,4 Prozent der Münchner Bevölkerung lagen. Anders sieht es bei der Dunkelziffer der Todesfälle aus, die mit Corona zusammenhängen: Die sei den Wissenschaftlern zufolge niedrig. Bedeutet: Wenn jemand an oder mit Corona stirbt, dann wird das meistens auch erfasst.

Eine weitere Studie findet in London statt: Freiwillige werden mit dem Coronavirus Sars-CoV-2* infiziert:

Ist Corona gefährlicher als die Grippe? Ja. Die Forscher gehen davon aus, dass die Sterblichkeitsrate von Covid-19-Infektionen* bei knapp einem Prozent liegt. Diese Zahl liege damit „um ein Vielfaches über der für saisonale Grippeinfektionen“, so die Wissenschaftler.

Zu einem anderen Schluss kommt eine Studie der WHO. Das Ergebnis erstaunt Wissenschaftler und andere Experten.

Coronavirus in München: Anzeichen für Covid-19-Erkrankung? Diese Indizien sind wahrscheinlich

Gibt es besondere Risikogruppen für die Infektion? Nein, jedenfalls nicht im KoCo19-Feld. Die Studien-Teilnehmer gaben in Fragebogen unter anderem Alter, Geschlecht und Beruf an. Die Untersuchungen ergeben keine besonderen Muster dafür, wer Antikörper gebildet hatte.

Ist der Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn typisch für Corona? Ja. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse der KoCo19-Studie hin. 20 Prozent der Probanden, die unter Einschränkungen dieser Sinne klagten, hatten einen positiven Antikörperbefund.

Corona in München: LMU-Forscher über Personen, die im gleichen Haushalt leben

Was kann man aus der ersten Welle lernen? Die Forscher gehen davon aus, dass die „generelle Beherzigung der Maßnahmen zum Infektionsschutz durch die Bevölkerung ein Faktor für die in der ersten Welle erfolgreiche Eindämmung der Pandemie in Bayern sein könnte“. Sie halten angesichts der häufigen Ansteckung innerhalb eines Hauses oder einer Wohnung „Quarantänemaßnahmen für Personen, die im selben Haushalt leben“, für sinnvoll.

Wie geht es weiter? Die Studie ist noch nicht beendet. Die insgesamt 5313 Teilnehmer erhalten in regelmäßigen Abständen Fragebogen und sollen sich melden, wenn sie sich mit Corona infiziert haben. In den kommenden Wochen steht ein erneuter Antikörpertest an. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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