Ein Schild in einem Schaufenster weist auf die Click&Meet-Möglichkeit für Kunden hin
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Nur noch kurzzeitig möglich: In München müssen Kunden einen Termin per Click&Meet für den Besuch von Einzelhandelsgeschäften vereinbaren.

Branche fühlt sich ungerecht behandelt

Händler proben Aufstand: Klage gegen Bundesnotbremse in Planung - „staatliche Willkür“

  • Lisa-Marie Birnbeck
    vonLisa-Marie Birnbeck
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Die Corona-Maßnahmen treffen den Einzelhandel besonders hart. Das gilt auch für die im Raum stehende Bundesnotbremse. Nun formiert sich Widerstand in der Branche.

München - Gähnende Leere weit und breit - so sieht es derzeit an den meisten Tagen in Münchens* Innenstadt aus. Nur vereinzelt bilden sich vor den Läden kleinere Schlangen. Hauptsächlich wegen der Testpflicht. Eine richtige Einkaufslaune mag da nicht aufkommen. Die Zahlen sind erschreckend: Am Donnerstag waren 30 Prozent weniger Menschen in der Kaufingerstraße unterwegs als noch in der Vorwoche - und 80 Prozent weniger als im vergleichbaren Zeitraum 2020!

Schuld sind mitunter die sich stetig ändernden Corona-Maßnahmen. „Es kennt sich einfach keiner mehr aus“, sagt Wolfgang Fischer, Chef der Verbands der Münchner Innenstadthändler CityPartner. Jetzt müssen Kunden auch noch einen negativen Schnelltest vorweisen, wenn sie mit Termin in einen Laden wollen. „Für ein Buch oder eine Grillzange macht doch niemand einen Test“, so Fischer. „Das wird dann online bestellt.“

Händler in München: Initiative will gegen Corona-Infektionsschutzgesetz klagen

Sollte die bundesweite Notbremse von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommen, müsste der Handel ab einer Inzidenz von über 100 bundesweit wieder komplett schließen. Die Initiative „Händler helfen Händlern“ will nun juristisch gegen das Infektionsschutzgesetz vorgehen. „Wir sehen eine absolute Ungleichbehandlung, und zwar in allen Bereichen“, so Marcus Diekmann, Initiator und Chef von Rose Bikes. „So gibt es keine Home-Office-Pflicht, aber Handel und Gastronomie sollen verboten werden und im Privaten darf man sich nur mit einer Person treffen“, kritisiert er.

In der Initiative beteiligt sind unter anderem die Sportfachhandel-Verbundsgruppe Intersport, Modehändler, aber auch Gastronomen wie die Kette L’Osteria. Mit der Einführung der bundesweiten Notbremse hätten sie nun die Möglichkeit, bundeseinheitlich gegen diese „staatliche Willkür“ vorzugehen, so Diekmann. Am Mittwoch soll die entsprechende Änderung des Infektionsschutzgesetzes im Bundestag beschlossen werden.

Video: Merkel wirbt für bundesweites Corona-Infektionsschutzgesetz

Händler in München: Hoffen auf „einheitliche und vor allem sinnvolle Lösung auf Bundesebene“

Wolfgang Fischer beobachtet das Vorgehen der Initiative mit großem Interesse. „Alles, was eine einheitliche und vor allem sinnvolle Lösung auf Bundesebene schafft, begrüßen wir ausdrücklich“, so Fischer. Wie die Initiative, kritisiert auch er die Ungleichbehandlung einzelner Handels-Branchen in dem geplanten Gesetz. Während der Textilhandel 40 Quadratmeter pro Kunden einplanen müsse, seien es im Supermarkt nur 10. Und dennoch müsse das Textilgeschäft trotz geringerem Infektionsrisiko ab einer 100er-Inzidenz schließen. „Das macht alles wenig Sinn.“ (L. Birnbeck) *tz.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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