Für ein sicheres Familienfest

Corona-Risiko an Weihnachten: Münchner Experte gibt wertvolle Tipps - Kollege warnt vor „großem Fehler“

  • Andreas Beez
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Wie kann Weihnachten trotz Corona ein richtiges Familienfest werden? Mediziner geben Tipps, wie man das Gesundheitsrisiko minimieren kann.

  • Um die Aerosolkonzentration niedrig zu halten, hilft häufiges Lüften.
  • Das ist nur ein Tipp, um die Corona*-Gefahr an Weihnachten zu minimieren.
  • Verfolgen Sie das Corona-Geschehen in München in unserem aktuellen News-Ticker*.

München - Weihnachten im Familienkreis wird heuer zum Gesundheitsrisiko – insbesondere für ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen wie Herz-, Gefäß- oder Lungenleiden. Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts gehören 87,2 Prozent aller Todesopfer im Zusammenhang mit Covid-19 der Generation 70plus an, fast jeder zweite Corona-Tote ist 80 Jahre oder älter. Deshalb lautet die Gretchenfrage vieler Senioren und ihrer jüngeren Angehörigen: Wie kommen wir mit unseren Lieben gesund und ohne Corona-Ansteckung über die Feiertage? Der tz liefern drei renommierte Münchner Mediziner Antworten, darunter Professor Dr. Clemens Wendtner. Der Chefinfektiologe der München Klinik Schwabing* hat bereits die ersten Corona-Patienten in Deutschland behandelt.

Münchner Ärzte geben Tipps, wie man das Weihnachtsfest coronafrei verbringen kann.

Corona-Gefahr an Weihnachten: Vor den Feiertagen in Selbstisolation gehen

Ausgangslage: An den drei Feiertagen darf man über den eigenen Hausstand hinaus vier Menschen aus dem Familienkreis einladen. In geschlossenen Räumen kann schon ein infektiöser Teilnehmer über Aerosole alle anstecken – auch wenn er mehrere Meter entfernt sitzt. Die Gefahr zu erkennen ist schwer. „Fast jede zweite Infektion mit dem Sars-Cov2-Virus* verläuft ohne Symptome“, weiß Wendtner.

Selbstisolation: Die Inkubationszeit – also die Phase, in der die Erkrankung ausbricht – beträgt fünf bis sechs Tage. Die Viruslast (Menge der Viren) ist in der Zeit, in der sich die Symp­tome entwickeln, am höchsten. „Deshalb sollte man sich im Idealfall zehn Tage vor Weihnachten selbst isolieren“, rät Wendtner. „Und nach zwei Wochen ist die Ansteckungsgefahr auch im Fall einer unentdeckten Infektion deutlich verringert. Jeder Tag Selbstisolation gibt ein Stück mehr Sicherheit.“

Corona an Weihnachten: Kontrolle auf Erkältungssymptome

Ehrliche Selbstkontrolle: Am Tag vor Weihnachten sollten alle Familienmitglieder noch mal in sich gehen, ob sie wirklich keinen Husten, kein Kopfweh, keinen Durchfall haben und im Zweifel noch mal Fieber messen. Hintergrund: Eine der Lehren aus Corona ist, das selbst sehr milde Erkältungssymptome, die man in früheren Jahren kaum beachtet hat, von einer Sars-Cov2-Infektion herrühren können.

Lüften: Das gilt gerade dann, wenn man über Stunden beisammen sitzt. Dadurch verhindert man, dass sich Aerosole mit Viren in der Raumluft halten. Auf eine Umarmung sollte man heuer verzichten.

Anreise: Prof. Wendtner rät zum Auto. „Es kann sinnvoll sein, während der Fahrt Schutzmasken* zu tragen und immer mal wieder für einen Moment das Fenster zu öffnen.“ Für längere Zugfahrten empfiehlt der Corona-Experte der München Klinik FFP2-Schutzmasken.

Corona an Weihnachten: Bei Notfällen sofort ins Krankenhaus

Schnelltests: „Sie sind nur für maximal 24 Stunden aussagekräftig“, sagt Wendtner. Zudem sei ihre Zuverlässigkeit geringer als jene der PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden.

Notrufe: Während der ersten Corona-Welle sind viele Patienten auch bei Notfällen wie Schlaganfällen und Herzinfarkten aus Angst vor einer Ansteckung* zu Hause geblieben. „Das ist ein großer Fehler, der schlimmstenfalls das Leben kosten kann“, warnt Herz-Professor Dr. Alexander Leber vom Isarklinikum. „Bei Warnsignalen eines Herzinfarkts wie Brustenge und Luftnot gibt’s nur eins: Notruf wählen und sofort in die Klinik!“ Gerade an Weihnachten erleiden besonders viele Menschen einen Herzinfarkt, darauf deuten Studienergebnisse unter anderem aus England und Schweden hin. Warum das so ist, haben Wissenschaftler noch nicht entschlüsselt. Einer der Gründe könnte allerdings vermehrter Stress sein – mitunter emotionaler Art.

Beherztes Handeln sei auch bei Anzeichen eines Schlaganfalls entscheidend, wie Neurochirurg Professor Dr. Bernhard Meyer vom Uniklinikum rechts der Isar betont: „Es zählt jede Minute, weil Hirngewebe unwiederbringlich verloren gehen kann und andere dramatische Komplikationen eintreten können – bis hin zum Tod.“ Die Angst vor einer Corona-Ansteckung im Krankenhaus hält der erfahrene Klinikdirektor für unverhältnismäßig: „Das Risiko ist nicht höher als in vielen anderen Lebenssituationen – beispielsweise bei einer Weihnachtsfeier im erweiterten Familienkreis oder im Nahverkehr.“ *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Vor Weihnachten müssen die Geschenke besorgt werden. Das führte in München zu langen Schlangen und vollen Fußgängerzonen. *Merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © München Klinik

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