In ganz München grassiert ein Läden-Sterben. Nun hat es das nächste Geschäft im Areal Fünf Höfe in der Innenstadt erwischt.
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In ganz München grassiert ein Läden-Sterben. Nun hat es das nächste Geschäft im Areal Fünf Höfe in der Innenstadt erwischt.

„Geht lokal einkaufen“

Läden-Sterben durch Corona in München: Traditionsgeschäft macht nach fast 200 Jahren dicht

  • Laura Felbinger
    vonLaura Felbinger
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Die lokale Wirtschaft leidet unter den Folgen der Corona-Pandemie. Nun ist für ein weiteres Traditionsgeschäft Schluss: Schreibmayr Schreibkultur hört nach 194 Jahren auf.

  • Mit dem Schreibwarengeschäft Schreibmayr verliert München* ein weiteres Traditionsgeschäft.
  • Die Angestellten werden vom Mutterkonzern übernommen.
  • Nicht das erste Opfer der Corona-Pandemie*.

München - Das Geschäft hat eine stolze Geschichte: 1826 reichte der Galanterie- und Futteralarbeiter Johann Nepomuk Schreibmayr ein Gesuch mit der Bitte um eine Buchbinderkonzession beim Magistrat der Stadt München ein. Zu dieser Zeit war König Ludwig I. seit einem Jahr auf dem Thron. 1826 holte der Regent die Ludwig-Maximilians-Universität von Landshut in die Hauptstadt. München etablierte sich als Metropole mit Kultur – und Schreibmayr etablierte sich als gute Adresse für Schreibwaren. Doch auch eine lange Tradition schützt nicht vor den Folgen der Krise. Ende Januar macht der Laden, der mittlerweile in den Fünf Höfen liegt, nach 194 Jahren dicht. Bis 15. Januar läuft der Ausverkauf – mit bis zu 50 Prozent Rabatt.

Corona und Lockdown: Appell an Münchner lokal einkaufen zu gehen

Immer mehr Unternehmen überstehen die Corona-Krise finanziell nicht. Darunter sind bekannte Namen wie das Hotel Anna am Stachus und das Sportgeschäft Münzinger am Marienplatz. Nun mit fällt mit Schreibmayr nun ein weiteres Geschäft der Krise – und dem Münchner Mietmarkt – zum Opfer. „Sehr schade, das Haus hat eine lange Tradition“, sagt Wolfgang Fischer (59) von City Partner, dem Verband der Innenstadt-Händler. Die Situation sei aktuell besonders schwierig. „In der Innenstadt haben wir normalerweise eine Symbiose aus Handel, Gastro und Kultur“, erklärt Fischer. Momentan sei selbst in der Fußgängerzone wenig los, und die Touristen fehlten sowieso. Fischer appelliert an die Münchner: „Geht lokal einkaufen.“ Weihnachtsbesorgungen könne man jetzt entspannt frühzeitig tätigen. Der Handelsverband Bayern, der hunderte Einzelhändler alleine in München Corona-bedingt in Gefahr sieht, hofft jedenfalls auf einen versöhnlichen Schlussspurt.

Für Schreibmayr kommt jede Unterstützung zu spät. „Ende Januar läuft der Mietvertrag aus, wir haben uns dagegen entschieden, ihn zu verlängern“, sagt Robert Brech, Holding-Geschäftsführer der Kaut-Bullinger-Gruppe. 1996 kaufte das Unternehmen den Schreibwaren-Laden in der Innenstadt von der Planegger Firma Treuleben & Bischof. Seit 2001 ist Schreibmayr mit seinem hochwertigen Sortiment Teil der Einkaufspassage Fünf Höfe. Dass das Geschäft nun dicht macht, liegt Brech zufolge an einer anstehenden Mieterhöhung. Und: „Wir wurden von der Corona-Krise natürlich auch nicht verschont.“ Unter diesen Umständen rechne sich das Geschäft nicht mehr.

Corona-Krise im Einzelhandel: Schreibmayr-Jobs sind vorerst sicher

Die Mitarbeiter von Schreibmayr können aufatmen: Entlassungen soll es nicht geben. „Sie arbeiten künftig alle im Haupthaus von Kaut-Bullinger an der Rosenstraße“, erklärt Anne Krohn (35), die stellvertretende Verkaufsleiterin im Haupthaus. Auch dort gab es zuletzt Unruhe: Der österreichische Handels-Gigant René Benko (Karstadt-Kaufhof) hatte das Haus gekauft. Das teilte dessen Unternehmen Signa im September mit. Kaut-Bullinger bleibt aber im Gebäude. „Der Geschäftsbetrieb geht ganz normal weiter“, sagt Brech. In Gewerkschaftskreisen macht man sich dennoch Sorgen um die langfristige Zukunft der Angestellten.

Schreibmayr sagt Servus und reiht sich damit in die immer länger werdende Liste der Corona-Opfer ein. Neben dem bereits erwähnten Hotel Anna und dem über 130 Jahre alten Sport-Münzinger hat es auch das Sternerestaurant Werneckhof in Schwabing getroffen. Des Weiteren hat Jeans Kaltenbach, wo es seit 1953 Kleidung in der Innenstadt zu kaufen gibt, einen von zwei Läden geschlossen. Das Traditionslokal Donisl am Marienplatz hat zu. Mitte Oktober gingen zudem bei den Karstadt-Filialen am Nordbad und OEZ die Lichter aus. Und auch der Karstadt Sports in der Fußgängerzone hat die Krise nicht überlebt. tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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