Als ein Dackel die Polizei-Brotzeit fraß

München - Keine Frage: Am Prinzregentenplatz sind sie die Stars. Kisbi, Junior, Lara, Niko: Ein Chauffeur kutschiert sie und sie tragen prächtige Fellmäntel. Kaum sehen sie meine Kamera, werfen sie sich perfekt in Pose. Jeder hier kennt das Quartett - und die Fans schmachten nur so dahin. "Mei, so scheene Viecherl", ruft eine ältere Dame.

Hund' sind's, die vier, und ihre Limousine ist ein Fahrradkorb. Ihr Chauffeur ist ihr Trainer: Kevin Harris. Die vier sind von ihren Herrchen zu "dog consulting" geschickt worden, Harris' Hundeschule. Ich bin neugierig: Ist Harris immer mit vier Vierbeinern unterwegs?

Er lacht. "Das ist meine Spezialität: Ich trainiere Stadthunde im Rudel." Mit Dackel und Dogge radelt er täglich durch München. "Dabei lernen sie ihre Grenzen kennen." Autos ankläffen, Geschäft am Gehweg verrichten - derlei Hundelaster muss Harris ihnen abgewöhnen. Das macht er lieber mit Liebe als mit Leine. "Ich schwimme auch mit ihnen in der Isar." In den Korb dürfen sie, wenn sie müde sind.

Erlebt er nicht allerhand mit den frechen Viechern - bevor er sie erzogen hat? Er lacht. "Kann man sagen: Das kann teuer werden." Ein Dalmatiner aus dem Rudel hat lebenslanges Hausverbot in der "Nordsee" am Viktualienmarkt. "Er ist auf die Theke gehüpft und hat sich selbst bedient." Es kommt noch besser: "Während der G8-Konferenz wär' ich fast verhaftet worden." Damals spazierte er samt Rudel nahe der Sicherheitszone um den Bayerischen Hof. Plötzlich rief eine erboste Polizistin: "Wem gehört der Dackel hier?" - und hielt ein Zamperl am Schlafittchen. Der gehörte zu Harris. "Er war in den Einsatzbus gekraxelt und hat die ganze Brotzeit der Polizisten gefressen." Harris lächelt milde.

Ich muss auch lachen. Sind ja Rabauken, die da zu ihm kommen! Er wird ernst. "Oft sind es auch traurige Geschichten." Viele der Hunde haben ein Trauma - und sind ängstlich oder aggressiv. "Manche wurden von früheren Besitzern misshandelt." Andere hatten Unfälle. "Ein Yorkshire wurde von einem Fußball fast getötet." Dann ist Harris' ganzes Können gefragt: Der Mann aus Irland hat Tierpsychologie studiert. Er beobachtet die Hunde, analysiert ihr Verhalten und therapiert sie: manchmal ein Jahr lang. "Vielen Hunden hilft das Rudel: Sie lernen von den anderen, wie man sich sozial verhält."

Damit hat er tierischen Erfolg: "Ich bin völlig ausgebucht, arbeite zwölf Stunden am Tag." Zu Hausbesuchen fliegt er nach Irland oder England. Es ist anstrengend. Aber wenn es ihm gelingt, einen Angstbeißer in einen Schmusekameraden zu verwandeln - "dann bin ich überglücklich". Das sind auch Kisbi & Co., die Hunde im Radlkorb. Sie darf man kuscheln. Sie sind zwar Stars - aber mit allen Pfoten auf der Erde geblieben.

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