"Für Paralympics noch bedauerlicher"

DBS: Schock über Münchens Olympia-Aus

Köln - Mit der Ehrung der Sportler des Jahres stimmte sich der Deutsche Behindertensportverband auf die Paralympics in Sotschi ein. Doch der Schock über die gescheiterte Olympia-Bewerbung Münchens sitzt tief.

Die Paralympics in Peking haben „behinderten Menschen in China und ihren Familien den Weg aus dem Verstecken gewiesen“. Sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverband (DBS), der bei der Vergabe der Spiele 2008 „politisch ohne Wenn und Aber gegen Peking“ eingestellt war. In London sei mit der Eröffnungsfeier der Paralympics 2012 „das Wort Behinderung aus den Köpfen verschwunden. Heute reden wir über Menschen.“ Sagt Sir Philip Craven, britischer Präsident der Internationalen Paralympischen Komitees (IPC).

Die Ausrichtung von Paralympics haben für die Gastgebernation eine wohl noch nachhaltigere Bedeutung als Olympische Spiele - zumindest aus sicht von Menschen mit Behinderung. Deshalb sitzt der Schock bei den deutschen Behindertensportlern über den geplatzten Traum von Spielen in München 2022 auch einen Monat nach dem negativen Bürgerentscheid noch tief. Er wirkte nach bei der Ehrung der Behindertensportler des Jahres und er wirkt auch noch ein wenig nach beim Blick auf die Spiele im März in Russland.

„Für die Paralympics ist diese Entscheidung noch bedauerlicher“, sagt Skifahrerin Anna Schaffelhuber, zum zweiten Mal nach 2011 als Sportlerin des Jahres geehrt: „Es wäre alles barrierefrei ausgebaut worden, und es wäre ein Bewusstsein vermittelt worden, das über Jahre nachgewirkt hätte.“

Auch Beucher bedauert es, dass „eine riesige Chance vertan worden“ sei. „Es hätte ein Mitnahme-Effekt eingesetzt“, sagte der 67-Jährige, von 1990 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestags: „Paralympics im eigenen Land hätten den Leistungssport in Deutschland nach vorne gebracht und die Lage von Behinderten im ganzen Land verbessern können.“

Übergangspräsident Hans-Peter Krämer vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sprach als Gast bei der DBS-Sportlerehrung im Sport- und Olympiamuseum in Köln von einer „vertanen Chance, die nachhaltigsten Paralympics auszurichten, die es je gegeben hat und vielleicht je geben wird“.

Dass es letztlich nicht geklappt hat, ist nach Ansicht Beuchers selbstverschuldet. „Auf dem Weg dorthin sind Fehler gemacht worden“, behauptet er: „Wenn es Negativschlagzeilen gibt über Katar, Sotschi und Pyeongchang, dann muss ich mich ganz deutlich davon absetzen. Da hätte man mit aller Deutlichkeit sagen: So etwas gibt es hier nicht.“ Krämer sagt dazu nur: „Nach den Diskussionen um Sotschi und Katar gab es eine negative Stimmung gegen Großereignisse. Hier wurden Fußball und andere Sportarten vermengt.“

Auch politisch herrscht bei Athleten und Funktionären etwas Verunsicherung beim Blick auf Sotschi. „Ich freue mich auf die sportliche Veranstaltung“, sagt Beucher zwar, ergänzt mit Blick auf das umstrittene Homosexuellen-Gesetz jedoch: „Wir stehen aber mit unserer gesellschaftlichen Ausrichtung natürlich an der Seite all derer, die sich gegen jede Form von Diskriminierung einsetzen.“

Die 20 Jahre alte Schaffelhuber blickt wegen „vieler Meldungen über Dinge, die nicht in Ordnung sind, zwiegespalten“ auf ihre zweiten Paralympics:„ Aber ich will mich auf den Sport konzentrieren.“ Die Wahl zur Sportlerin des Jahres sei „Ansporn“ für sie. Bei fünf Starts hofft die Jura-Studentin aus Regensburg „auf möglichst viele Medaillen, von denen mindestens eine aus Gold sein soll“.

Außer ihr wurden am Samstag vor 400 geladenen Gästen Tischtennisspieler Thomas Schmidberger (Koblenz) und die U23-Nationalmannschaft der Rollstuhlbasketballer geehrt.

sid

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