Geschäftsmann Dominik Brunner (50) wurde im September 2009 getötet - Weil er Zivilcourage zeigte
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Geschäftsmann Dominik Brunner (50) wurde im September 2009 getötet - Weil er Zivilcourage zeigte.

Verstoß gegen die Auflagen

Jahre nach Brunner-Mord in München: Täter wird rückfällig - jetzt droht schon wieder Haft

  • Andreas Thieme
    vonAndreas Thieme
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Der Mann, der 2009 in München den Tod von Dominik Brunner verschuldete, hat seine Strafe abgesessen. Nach wiederholtem Verstoß gegen Führungsauflagen droht nun erneut Haft.

München - Markus S. (29) muss wieder vor Gericht. Nach Informationen unserer Zeitung hat der Mörder von Dominik Brunner gegen die Auflagen seiner Führungsaufsicht verstoßen, am Donnerstag (6. Mai) wird ihm deshalb der Prozess gemacht, bestätigt das Amtsgericht auf Anfrage. S. soll in zwei Fällen Kokain konsumiert haben. Nun droht ihm sogar Haft, weil es schon der zweite Verstoß gegen die Auflagen ist.

Markus S. ist einer der drei Schläger, die im September 2009 am S-Bahnhof Solln den Tod von Geschäftsmann Dominik Brunner (50) verursachten. Das Landgericht München I verurteilte ihn deshalb wegen Mordes zu neun Jahren und zehn Monaten Jugendhaft (Prozess-Protokoll*). In der JVA Ebrach (Landkreis Bamberg) saß er seine Strafe ab. Im Knast hat S. eine Therapie gemacht und an Anti-Aggressions-Trainings teilgenommen – doch zur vorzeitigen Entlassung führte das nicht. „Eine Strafrestaussetzung zur Bewährung wurde geprüft, erfolgte jedoch nicht“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Erst am 14. Mai 2019 wurde S. schließlich entlassen.

Dominik Brunner: Mörder verstieß schon kurz nach Entlassung gegen die Auflagen

Doch auch danach hatte die Justiz den verurteilten Mörder genau im Blick: Für den Zeitraum von fünf Jahren erteilte ihm das Landgericht Augsburg konkrete Weisungen. So durfte er etwa keinen Alkohol trinken und musste eine elektronische Fußfessel tragen. Doch keine sechs Wochen nach der Entlassung verstieß S. erstmals gegen seine Auflagen und ging in eine Disco zum Feiern. Nach der Party kam es zu einem Polizeieinsatz, weil S. die Fußfessel verloren hatte – bei den Behörden löste das Alarm aus. Im Dezember 2019 musste S. sich deshalb vor dem Amtsgericht verantworten. Er gab zu, dass er getrunken hatte: „Der Angeklagte war mit über ein Promille erheblich alkoholisiert“, stellte auch das Gericht fest – und bescheinigte ihm eine „hohe Rückfallgeschwindigkeit“.

Der Angeklagte Markus S. wird im September 2010 in München vor der Urteilsverkündung von einem Justizbeamten in Handschellen zur Anklagebank des Landgerichts geführt.Tobias Haase dpa/lby

München: Dominik-Brunner-Täter auf freiem Fuß - Doch nun droht erneut Haft

Verurteilt wurde er dann zu einer fünfmonatigen Haftstrafe. „Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt“, erklärt Gerichtssprecher Klaus-Peter Jüngst. Die Prognose lautete trotz allem: „Der Angeklagte scheint sein Leben gerade in den Griff zu bekommen.“ Dieser Einschätzung der Bewährungshelferin glaubte das Gericht. Markus S. hatte zwar die 14-tägigen Termine anfangs nicht immer eingehalten, besserte sich dann aber und fand auch einen Job in einer Zeitarbeitsfirma.

Mitte 2020 dann der erneute Rückfall: Laut Staatsanwaltschaft soll S. Kokain genommen haben. Zwei Urinproben überführten ihn, jetzt droht erneute Haft. Denn neben dem mutmaßlichen Drogenkonsum schlägt auch der doppelte Auflagenverstoß ins Kontor. *tz.de und Merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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