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Hansjörg Dieng

Dritte Stammstrecke

Großbaustelle vor der Ladentür: „Wir werden wohl schließen müssen“

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Viele Geschäftsleute und Anwohner im Münchner Stadtteil Haidhausen sind in Sorge: Eine Untertunnelung für die zweite S-Bahn-Stammstrecke würde ihr Viertel für viele Jahre zur Großbaustelle machen.

Vera Wölfl ist Inhaberin einer Konditorei in der Kellerstraße, vor ihrem Geschäft soll der Schacht für einen Notausstieg gegraben werden. „Ich habe mit Schrecken davon gehört und sehe ganz, ganz schwarz“, sagt sie. „Wir werden wohl schließen müssen.“ Wie die Baustelle aussehen wird, weiß die 41-Jährige nicht. „Wir erfahren ja nichts. Ich weiß nur, was in der Zeitung steht.“ Mangelnde Kommunikation kritisiert auch Christian Horn von der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden Haidhausens. „Wir fühlen uns übergangen und alleine gelassen. Das ist ein Schock.“ Haidhausen sei eines der beliebtesten Viertel der Stadt. Dazu hätten auch die Gewerbetreibenden einen Beitrag geleistet. „Und Steuern zahlen wir auch. Aber uns wird nichts mitgeteilt. Das schürt Frust, Angst und Wut.“ Zehn Prozent Umsatzeinbußen seien für große Betriebe vielleicht verkraftbar. Bei kleineren Läden gehe das jedoch an die Existenz, sagt Horn.

Etwa an die der Familie Wölfl. Seit 60 Jahren gibt es ihre Konditorei: Kein Filialist, sondern ein Laden, in dem täglich frisch produziert wird. Im Sommer stehen Tische auf dem Gehweg. „Wer will da noch sitzen – hinter Bauzäunen und wenn die Lastwagen vorbei fahren?“, fragt Vera Wölfl. Und dann auch noch der Schmutz. Hygienisches Arbeiten werde da schwierig werden. Zudem: Viele Häuser seien um die vorige Jahrhundertwende erbaut worden. „Wer weiß, ob deren Statik die Grabungen aushält. Schauen Sie doch nach Köln!“ Dort stürzte 2009 durch den U-Bahnbau das Stadtarchiv ein.

Schon seit Monaten macht die Familie sich Gedanken, wie es weitergehen könnte. „Wir werden weg müssen“, sagt Florian Wölfl. „Ich trauere sehr um das hier“, sagt seine Frau und deutet auf Schwarz-Weiß-Fotos an der Wand. „So hat alles angefangen vor 60 Jahren. Ich bin einfach gerne hier.“

Auch bei Fahrradhändler Hansjörg Dieng in der Leinbergerstraße machen sich Frust und Ernüchterung breit. Erst sei für den Ausbau der Straßenbahn alles aufgerissen worden, nun soll wieder eine Großbaustelle kommen. „Das nimmt den Leuten doch die Lust, überhaupt noch nach draußen zu gehen.“ Der 55-Jährige befürchtet Umsatzeinbußen. Schließen werde er hoffentlich nicht müssen, aber: „Das Geschäft wird schwieriger.“ Aufgeben will er nicht, noch seien einige Klagen anhängig. Letztlich werde sich dieses Prestigeprojekt wohl aber nicht mehr abwenden lassen. „Das ist eine Katastrophe.“

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