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Olympia: Tag der Entscheidung in München

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München - 68 Seiten, idyllische und spektakuläre Bilder, hehre Worte: Die Konzeptstudie für die mögliche Bewerbung um Olympia 2022 listet erstmals Details zu Sportstätten, Unterbringung und Finanzierung auf. Die erste Prüfung wartet schon am Montag.

Die „Konzept-Studie“ soll den Sieg beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bringen. Zuvor aber muss sie am Montag punkten: Dann nämlich stimmt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im Olympiapark über eine Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2022 ab. Stellen sich die Mitglieder nicht mehrheitlich hinter die Kandidatur, ist sie gescheitert, ehe sie richtig begonnen hat.

Die Zeichen aber stehen gut. Sehr gut sogar. Hans-Peter Krämer, Interimspräsident des DOSB, rechnet mit einem Ja der Gremien. „Ich denke, der DOSB wird sich einer erneuten Bewerbung von München und den Partnergemeinden nicht verschließen“, sagte Krämer am Freitag. „Zuerst werden wir uns damit beschäftigen, ob nicht eine Kandidatur für Sommerspiele sinnvoller wäre. Aber ich denke, da hat Deutschland auf absehbare Zeit schlechte Karten.“ Daher rechnet auch Oberbürgermeister Christian Ude mit einem Ja. „Der Zustimmung bin ich mir sicher“, sagte der OB zu unserer Zeitung. „Spannend ist nur die Frage, welches Maß an Geschlossenheit wir zustande bringen.“

Seit Wochen ziehen Verbandsvertreter die Fäden. Der mächtige Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV), Alfons Hörmann, wirbt intensiv für eine Zustimmung. Der Allgäuer gilt auch als Kandidat für das Amt des Bewerbungs-Chefs. Widerstand leisten hingegen die Sommerverbände. Sie träumen seit Jahren von Sommerspielen in Deutschland. Alle bisherigen Anläufe sind jedoch gescheitert. Würde München im Juli 2015 den Zuschlag für Winterspiele erhalten, wären Sommerspiele für Jahrzehnte ausgeschlossen.

Gibt der DOSB am Montag den Weg frei für München 2022, nimmt die Bewerbung Fahrt auf. Dann muss die Konzept-Studie des Büros Albert Speer & Partner, das bereits die 2018er-Planungen erstellt hatte, die Bürger bei vier gleichzeitig stattfindenden Entscheiden am 10. November gewinnen.

Bei der ersten Bewerbung galt Garmisch-Partenkirchen wegen massiver Widerstände von Umweltschützern und Grundstücksbesitzern noch als Wackelkandidat. Im Werdenfelser Land hat sich die Lage aber entspannt, seit die Biathlon- und Langlaufwettbewerbe nach Ruhpolding verlagert wurden. Inzwischen richtet sich der Blick eher auf München. Die politischen Verhältnisse sind in der Stadt andere als damals. OB Ude und seiner Rathaus-SPD ist der grüne Koalitionspartner abgesprungen – die Grünen lehnen die zweite Bewerbung ab. CSU und FDP stehen wieder voll dahinter.

Lange war unklar, wie das neue Konzept aussieht. Nun liegt es vor: Die Spiele sollen nach ersten Berechnungen 3,3 Milliarden Euro kosten.

K Im Olympia-Stadion sollen die Eröffnungs- und die Schlussfeier stattfinden. Zudem bekommt der Park die Freestyle-Wettbewerbe für Skifahrer und Snowboarder, für die in Garmisch-Partenkirchen die notwendigen Grundstücke fehlen.

K In der Olympiahalle sind die Disziplinen Eiskunstlauf und Shorttrack gesetzt. Die Kleine Olympiahalle dient als Trainingsstätte.

K Die Olympia-Schwimmhalle soll zur Curling-Halle umgebaut werden.

K Für Eishockey gibt es mehrere Varianten. Verwirklicht Red Bull oder ein anderer Investor die Pläne für eine neue Eishockey- und Basketball-Arena im Park, soll diese auch für die Winterspiele genutzt werden. Andernfalls müsste die Stadt wohl die „Event Arena“ (ehemals Radstadion) abreißen und selbst eine Halle aus dem Boden stampfen, die nach Olympia – mit geringerer Kapazität – für Veranstaltungen erhalten bleibt. Für die nötige zweite Halle könnte das 1967 erbaute Eissportzentrum am Georg-Brauchle-Ring saniert und genutzt werden.

K  Die Eisschnelllauf-Halle soll nur temporär errichtet werden. Sie ist auf dem Campus der Technischen Universität geplant. Die weltweit modernste Eisschnelllauf-Arena in Inzell ist anderweitig verplant. In der Mitte zwischen der Biathlon- und Langlauf-Arena in Ruhpolding und dem Eiskanal am Königssee gelegen, soll sie als Medienzentrum genutzt werden.

K Wie schon bei den Plänen für 2018 soll das Olympische Dorf auf einem 23 Hektar großen Grundstück des Verwaltungszentrums der Bundeswehr entstehen. Trotz gestiegener Zahlen – man geht von 5800 Athleten und Offiziellen aus – bleibt die Kapazität dort bei 3500. Die verbleibenden Sportler werden in den anderen Spielorten untergebracht. Die Wohnungen des Münchner Dorfs sollen nach den Winterspielen „als barrierefreies und sozial durchmischtes Stadtquartier“ auf den Markt kommen.

K Die in München erwarteten 6000 Journalisten finden ihre Arbeitsplätze im Messezentrum. Für rund ein Viertel von ihnen will die Stadt Unterkünfte in Modulbauweise auf dem Freigelände Nord bieten.

Keine Angaben gibt es zum Aufwand für die Bewerbung. Der erste Anlauf kostete rund 33 Millionen Euro. Einen hohen Anteil mussten die Bürger in den beteiligten Kommunen zahlen. Für die Bürgerentscheide werden diese Kosten vermutlich eine wichtige Rolle spielen. Für die Entscheidung des DOSB am Montag ist das hingegen unerheblich.

Matthias Holzapfel und Thomas Schmidt

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