+
Auf dem Abstellgleis: Der Gleisbogen könnte mit der Blickrichtung nach Norden aber verlängert werden.

Anstieg des Güterverkehrs?

Angst vor der Feldmochinger Kurve

München - Die Bahn prüft eine neue Nordring-Verbindung – Lokalpolitiker und Bürger fürchten drastischen Anstieg des Güterzugverkehrs.

Es sind nur wenige Meter Brachland in der Lerchenau. Doch die haben es in sich. Zwischen Feldbahnstraße und dem Gelände der Firma Scherm Logistik endet ein Gleis östlich vom DB-Nordring kommend im Nirgendwo. Würde man das Gleis bis zur nahegelegenen Strecke von Feldmoching zum Münchner Rangierbahnhof verlängern, gäbe es eine direkte Verbindung zwischen dem Nordring und dem Feldmochinger Bahnhof, die sogenannte Feldmochinger Kurve. Die Bahn plant nun, diese Lücke zu schließen. Für die Bürger im Münchner Norden und Osten ist das keine gute Nachricht. Unter Umständen müssen sie mit einer Zunahme des Güterverkehrs rechnen.

Die Lokalpolitiker sind alarmiert. „Das Thema kriegt eine völlig neue Dynamik“, sagt Maximilian Bauer (CSU) vom Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl. Bisher tauchte die Aktivierung der Feldmochinger Kurve nur im Verkehrskonzept für den Münchner Norden des Baureferats auf. Darin ging es um einen besseren Schienenanschluss für das BMW-Stammwerk Milbertshofen über Feldmoching zur Autoverladeanlage Garching-Hochbrück. Die Bahn plant allerdings mehr. Sobald die Feldmochinger Kurve befahrbar wäre, könnte das Unternehmen Güterzüge, die von Regensburg und Landshut kommen, direkt auf den Nordring überleiten. Bislang müssen die Züge alle umständlich über den Rangierbahnhof fahren. Die Feldmochinger Kurve würde diesen Umweg ersparen, die Strecke für den Güterverkehr also deutlich attraktiver machen. Eine Prognose des Bundesverkehrswegeplans sieht bis zum Jahr 2025 täglich etwa 18 Güterzüge vor, die diesen Weg nehmen könnten.

Markus Auerbach (SPD), der Vorsitzende des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl, sieht die Entwicklung skeptisch. „In den meisten Fällen ist München weder Ausgangspunkt noch das Ziel der Güter“, sagt er. „Der Bahnknoten München ist heute schon überlastet. Es macht keinen Sinn, hier auch noch Überlandverkehr durchzuschleusen. Der Bau der Feldmochinger Kurve würde aber genau das begünstigen.“ Unterlagen der Bahn dokumentieren das Vorhaben des Unternehmens, die Schieneninfrastruktur für den Güterverkehr zwischen den norddeutschen Häfen und der Adria weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang könnte auch die bayerische Landeshauptstadt eine wichtige Rolle spielen. So soll eventuell ein Ostkorridor vom Norden über Magdeburg, Regensburg und München die stark belastete Nord-Süd Strecke über Hannover, Würzburg, Regensburg und Passau entlasten. In einem Plan der DB Netz AG von 2012 ist sogar die Rede von etwa 40 zusätzlichen Güterzügen pro Werktag, die durch den neuen Ostkorridor ermöglicht würden. Der Zugverkehr durch die Stadt würde sich erhöhen und damit die Lärmbelästigung.

Bewohner des Münchner Nordens sind besorgt, darunter der Lerchenauer Rudolf Ketterl: „Manche Häuser liegen nur zehn Meter von den betroffenen Gleisen entfernt“, sagt er. Würde der Ostkorridor realisiert, müssten unter anderem auch die Freimanner, Unterföhringer, Truderinger und Haarer mit höherer Belastung rechnen, da die Waggons über den Nordring in den Münchner Osten weitergeleitet würden. Der Bezirksausschussvorsitzende Markus Auerbach befürchtet zudem, dass sich die Anzahl der Züge mit Fertigstellung des Brennerbasistunnels im Jahr 2025 noch mal erhöhen könnte.

Nach Informationen der Bahn liegen für diese Zeit jedoch noch keine Prognosen vor. „Eine Option ist auch, dass Güterzüge über einen noch auszubauenden Ostkorridor über Regensburg und Mühldorf an München vorbei Richtung Brenner geleitet werden. Dann würde voraussichtlich nach 2030 die Zahl der Züge über die Feldmochinger Kurve sogar zurückgehen“, sagte ein Sprecher gegenüber dieser Zeitung. Die Bahn hat die Aktivierung der Feldmochinger Kurve zwar bereits ausgeschrieben. Zur Genehmigung müssen die Entwurfsplanungen jedoch bei der Aufsichtsbehörde Eisenbahn-Bundesamt (EBA) eingereicht werden. Das ist noch nicht erfolgt. Ob und wie die Öffentlichkeit miteinbezogen wird, entscheiden dann EBA und die Regierung von Oberbayern. Katrin Hildebrand

Infoveranstaltung

Der SPD-Ortsverein Feldmoching-Hasenbergl lädt am Donnerstag, 18. Juni, ab 19.30 Uhr unter dem Motto „Lärm durch Güterzüge zum Brenner-Basistunnel im 24. Stadtbezirk!?“ zu einer Informationsveranstaltung im Stadtteilkulturzentrum 2411 an der Blodigstraße 3 ein.

Katrin Hildebrand

Infoveranstaltung

Der SPD-Ortsverein Feldmoching-Hasenbergl lädt am Donnerstag, 18. Juni, ab 19.30 Uhr unter dem Motto „Lärm durch Güterzüge zum Brenner-Basistunnel im 24. Stadtbezirk!?“ zu einer Informationsveranstaltung im Stadtteilkulturzentrum 2411 an der Blodigstraße 3 ein.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tierschützerin kämpft gegen Hunde-Mafia - Übergabe endet mit Drohungen
Eine Tierschützerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen die Hunde-Mafia in Deutschland zu kämpfen - doch ihre Aktionen sind nicht immer ungefährlich. Eine Reporterin …
Tierschützerin kämpft gegen Hunde-Mafia - Übergabe endet mit Drohungen
S-Bahn München: Lage normalisiert sich nach Notarzteinsatz
Pendler sind in München auf die S-Bahn angewiesen. Doch immer wieder gibt es Störungen, Sperrungen und Ausfälle. Wir informieren Sie in unserem News-Ticker.
S-Bahn München: Lage normalisiert sich nach Notarzteinsatz
Beliebte Münchner Bäckerei plötzlich deutlich teurer: Der Grund ist heikel
Fast 20 Prozent Aufschlag auf alle Waren - das erwartet nun die Kunden einer beliebten Münchner Bäckereikette, wenn sie ihre Waren im Café-Bereich verzehren. Das ist der …
Beliebte Münchner Bäckerei plötzlich deutlich teurer: Der Grund ist heikel
Vor Disko: Mann will Münchnerin (22) vergewaltigen - Zeuge geht mutig dazwischen
Den blanken Horror erlebte eine Münchnerin (22) nachts an einem Club: Ein 26-Jähriger aus Fürstenfeldbruck zog sie in einen Bauwagen und versuchte, sie zu vergewaltigen. …
Vor Disko: Mann will Münchnerin (22) vergewaltigen - Zeuge geht mutig dazwischen

Kommentare