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Im Münchner Norden kämpfen Bewohner gegen die Baupläne der Stadt.

FDP will Umland stärker einbeziehen

Der Kampf um den Münchner Norden

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München explodiert. Was also tun? Raus in den Norden: So lautet eine Devise der Stadt. Aber reicht das? Die FDP meint: Nein!

München - Die FDP fordert daher einen kompletten Neustart für das Stadt-Wachstum – und zwar über die Stadtgrenzen hinweg. „Wenn sich nur München entwickelt, ist uns das eindeutig zu kurz gesprungen“, sagt FDP-Fraktionschef Michael Mattar. Vom Stadtrat fordert er daher in einem Antrag zunächst das Aus für die höchst umstrittene Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme – kurz SEM – im Münchner Norden. 

Hier sind die Wachstumsschmerzen der Stadt besonders groß. Landwirte und Eigentümer wehren sich gegen die SEM, Mattar hält diese für „politisch tot“. Die CSU hatte sich ebenfalls gegen dieses Instrument positioniert. „Der Widerstand in der Bevölkerung ist dermaßen groß, dass wir uns in den nächsten zehn bis 15 Jahren nur noch vor Gericht sehen würden“, meint Mattar. Das Damoklesschwert der Enteignung habe die Atmosphäre vergiftet. Für die betroffenen Landwirte sei die Situation prekär. „Die bekommen teilweise keine Kredite mehr, weil die Grundstücke quasi eingefroren sind und nicht mehr als Sicherheit taugen“, sagt Mattar. 

Stillstand sei allerdings keine Alternative, doch das Wachstum müsse die Stadt gemeinsam mit den Nachbargemeinden schultern. Deshalb hat Mattar sich mit seinen Parteifreunden Tobias Thalhammer, Kreisrat im Landkreis, und Jürgen Seidl, Kreisrat in Dachau, zusammengetan, um eine neue Gesprächskultur vorzuleben. „Gute Lösungen erreichen wir nur gemeinsam“, sagt Thalhammer und fügt hinzu: „Ich würde mir wünschen, dass die Stadt München endlich auf Augenhöhe mit den Nachbarkreisen sprechen würde.“ Steigende Mieten, ein überforderter Öffentlicher Personennahverkehr(ÖPNV) –diese Probleme teilt die Stadt längst mit ihren Nachbargemeinden. 

Natürlich halte sich die Begeisterung über neue Wohnbauprojekte auch in den Nachbarlandkreisen in Grenzen. „Die sehen für sich derzeit keinen besonderen Vorteil darin“, sagt Thalhammer. Durch Verbesserungen im ÖPNV könnte die Bereitschaft im Landkreis aber deutlich steigen, schätzt der Kreisrat. Die Ideen sind vielfältig. „Der ÖPNV muss öfter, weiter und auch im Kreisfahren“, sagt Thalhammer. Eine tangentiale Stadtbahn, die zwischen Oberschleißheim und Garching verkehrt, könnte eine solche Maßnahme sein. Ein S-Bahn-Nordring steht ebenso auf der Wunschliste wie die Verlängerung der U6 bis Neufahrn. „Das wäre wiederum eine Entlastung der dauernd überfüllten S8“, meint Thalhammer.

Das ist die SEM

Der Platz ist rar, gleichzeitig zieht der Wirtschafts-Boom immer mehr Menschen an. Bis 2030 sollen gut 1,8 Millionen Menschen in der Stadt leben – und für die muss dringend Wohnraum her. Großes Potenzial sieht die Stadtspitze im Norden: Zwischen Ludwigsfeld, Feldmoching und Fasanerie-Nord will sie ein 900 Hektar großes Gebiet auf eine mögliche Bebauung hin untersuchen lassen – eine so genannte Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM). Der Widerstand vor Ort ist groß, vor allem, weil den Grundstücksbesitzern in letzter Konsequenz Enteignungen drohen. In der Initative Heimatboden haben sich die Gegner des Projekts organisiert. Besonders Landwirte sehen sich in ihrer Existenz bedroht und werten die SEM als eine „Entmündigungs-Ohrfeige“.

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M. Kniekamp

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