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Erst wird hier geräumt, dann gegraben: das Gelände an der Granatstraße in der Siedlung Ludwigsfeld.

Ehemaliges KZ-Außenlager

Ludwigsfeld: Die Suche nach den Toten beginnt

München - In der Siedlung Ludwigsfeld sollen bis Mitte Februar die Grabungen am ehemaligen KZ-Außenlager Dachau-Allach starten. Hunderte Tote sollen dort noch liegen.

Auf dem sogenannten Liebel-Gelände in der Siedlung Ludwigsfeld soll endlich gegraben werden. Die Arbeiten sollen spätestens Mitte Februar beginnen. Es besteht der Verdacht, dass auf dem Areal hunderte Tote des ehemaligen KZ-Außenlagers Dachau-Allach liegen.

Die Eigentümerin des Geländes, die Projektgesellschaft Granatstraße 12, will das Erdreich so bald wie möglich untersuchen lassen. In drei bis vier Wochen könnten die Sondierungsmaßnahmen beginnen, „vorausgesetzt es gibt keinen extremen, schneereichen Wintereinbruch“, sagt Architekt Josef Peter Meier-Scupin von der Projektgesellschaft.

Um graben zu können, hat die Eigentümerin dem Mieter des südlichen Liebel-Geländes zum 31. Dezember gekündigt. Hier werden die Arbeiten beginnen. Der Nordteil des Areals wird voraussichtlich erst zum 29. Februar frei. Auf Geheiß der Lokalbaukommission (LBK) müssen die dort ansässigen Firmen das Anwesen wegen ungenehmigter Nutzung räumen und alle unrechtmäßig errichteten Bauten beseitigen. Die LBK hat Sofortvollzug angeordnet. Das bedeutet, dass Klagen durch den Nutzer keine aufschiebende Wirkung haben. Sollten die auf der 35 000- Quadratmeter-Fläche befindlichen Gewerbe bis Ende Februar nicht verschwunden sein, drohen Zwangsgelder.

Das Liebel-Gelände ist vielen Ludwigsfeldern schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Obwohl es nur für den Betrieb einer Baumschule zugelassen war, befanden sich im Norden verschiedene dubiose Gewerbe und Autohändler. Zudem gab es in Containern ungenehmigte Übernachtungen. In den Fokus rückte das Anwesen jedoch erst, als Stadtteilhistoriker Klaus Mai (SPD) vom Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl im Sommer 2015 seinen Verdacht auf ein Massengrab aussprach.

Auf dem Areal befand sich von 1943 bis 1945 das sogenannte Judenlager des KZ-Außenlagers Dachau-Allach. Mai geht davon aus, dass die meisten vermutlich dort vergrabenen Toten Juden waren, unter anderem aus Deutschland und Frankreich.

Bereits in den 50er Jahren wurde nach Leichen gesucht

Sobald Grabungen möglich sind, werden die ersten Untersuchungen vor Ort von einem Techniker des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) fachlich begleitet. Zunächst finden Testgrabungen mit dem Bagger statt, um zu ermitteln, wie genau die Schichten des Erdreichs beschaffen sind und wie das Denkmal erhalten ist. Auf Grundlage der Ergebnisse erstellt das BLfD eine Leistungsbeschreibung. Anhand dieser wird der Eigentümer Angebote qualifizierter archäologischer Fachfirmen einholen, die dann weiter forschen.

Auf dem Areal wurde in den 50er Jahren schon einmal nach verscharrten Leichen gesucht. Während Klaus Mai davon ausgeht, dass viele Tote noch nicht geborgen sind, heißt es von Seiten des Landesamts für Denkmalpflege, es lägen „keine Hinweise auf weitere unentdeckte Gräber vor“. Das BLfD geht von einer gesamten Umbettung der Gräber in den 50er-Jahren aus. Ausschließen könne man weitere Massengräber allerdings erst nach den Testgrabungen. Gesucht werde außerdem nicht nur nach Gräbern, sondern auch nach baulichen Resten des ehemaligen KZ-Außenlagers. Sollten Fundamente gefunden werden, würden diese unter Denkmalschutz gestellt.

Wie lange die Arbeiten dauern werden und wie hoch die Kosten ausfallen, lässt sich laut BLfD erst nach den Sondierungen sagen. Normalerweise trägt der Eigentümer die Kosten. Die Projektgesellschaft Granatstraße 12 will auf der Fläche langfristig Wohnbebauung errichten.

Katrin Hildebrand

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