Pascal K. und Sabrina S. auf einem Foto aus glücklichen Tagen. Im Dezember 2019 schnitt K. ihr die Kehle durch.
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Pascal K. und Sabrina S. auf einem Foto aus glücklichen Tagen. Im Dezember 2019 schnitt K. ihr die Kehle durch.

Bluttat im Hasenbergl

„Sie war die Liebe meines Lebens“: Mann tötet Ex-Freundin - dann vertraut er sich einem Kumpel an

  • Andreas Thieme
    vonAndreas Thieme
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Es war eine brutale Tat aus Eifersucht: Pascal K. schnitt seiner Ex-Freundin die Kehle durch. Vor Gericht trauert er um „die Liebe seines Lebens“. Wie konnte der junge Mann zum kaltblütigen Killer werden?

  • Vor dem Landgericht München muss sich Pascal K. wegen Mordes verantworten.
  • Der 27-Jährige soll seiner Ex-Freundin (21) die Kehle mit einem Messer durchgeschnitten haben - aus Eifersucht.
  • Die Bluttat im Münchner Stadtteil Hasenbergl ereignete sich im Dezember 2019.

München - Die Stimme klingt sanft, die Gesichtszüge sind weich: Pascal K. wirkt wie ein netter junger Mann. Doch sein Zorn war tödlich: Seiner Ex-Freundin Sabrina S. (21) schnitt der 27-Jährige Anfang Dezember 2019 die Kehle durch, weil sie sich von ihm getrennt hatte. Seit Montag wird ihm der Prozess gemacht. Die Anklage lautet auf Mord.

„Sie war die Liebe meines Lebens“, schluchzte K., der im schicken Anzug auf der Anklagebank saß. Im Internet hatte er die junge Frau kennengelernt, seit Februar 2018 waren beide ein Paar. Doch die Beziehung kriselte immer wieder. „Sabrina wollte, dass ich männlicher werde und anders auftrete. Doch das entsprach mir nicht“, sagt der Bürokaufmann.

Der Angeklagten Pascal K. legte im Saal B 175 des Münchner Landgerichts ein Geständnis ab.

Bluttat im Hasenbergl: Pascal K. stach schon im Hausflur auf Sabrina ein

Die Trennung im Oktober 2019 verkraftete er nicht und forderte eine letzte Aussprache, als Sabrina kurz darauf einen neuen Freund hatte. „Ich wollte um unsere Liebe kämpfen“, behauptet K. Doch tatsächlich rastete er am 9. Dezember 2019 völlig aus, als Sabrina um 13.45 Uhr vor seiner Einzimmerwohnung in der Schlösserstaße stand.

Laut Anklage stach Pascal K. schon im Hausflur mit einem Küchenmesser auf sie ein, schlug sie mit den Fäusten ins Gesicht und metzelte sie schließlich im Wohnzimmer mit 13 Stichen nieder. Die junge Frau verblutete.

Besonders tragisch: Mutter versucht ihre Tochter mehrfach anzurufen

„Sabrina, ich mache mir Sorgen. Ich will nur wissen, dass alles okay ist“, schrieb die Mutter des Opfers um 15.35 Uhr. Mehrfach hatte sie versucht anzurufen. Doch Pascal K. drückte die Anrufe weg und antwortete per SMS mit dem Handy seiner toten Ex-Freundin „Kann gerade nicht sprechen.“ Die Leiche hatte er da längst in seiner Abstellkammer verstaut. Und vertraute sich einem Kumpel mit den Worten an: „Ich habe meine Ex-Freundin umgebracht.“

Sabrinas Mutter war sogar noch zu seiner Wohnung im Hasenbergl gefahren. Pascal K. ließ sie rein, nachdem er die Blutspuren entfernt hatte. Auf ihre Frage, wo Sabrina sei, sagte er: „Die ist schon wieder weg.“ Dabei stand ihr Auto noch vor der Tür. Auf die Frage, warum die Abstellkammer verschlossen sei, log er: „Den Schlüssel habe ich schon länger verloren.“

Um 21.15 Uhr stellte sich der Messer-Mörder dann der Polizei. Am Landgericht erklärte seine Anwältin Birgit Schwerdt gestern: „Mein Mandant übernimmt die volle Verantwortung für die Tötung von Sabrina S.“ Es sei ihm aus heutiger Sicht „unerklärlich, wie er überhaupt zu so einer Tat fähig ist.“

Bluttat im Hasenbergl: Wie konnte Pascal K. zum kaltblütigen Mörder werden?

Die Frage nach dem Warum wird diesen Prozess begleiten. Vier Stunden sprach Pascal K. gestern über sein Leben. Abi, Lehre, Job: Alles gelang ihm, doch innerlich sah es anders aus. „Ich habe oft Druck gespürt und ein Ventil gesucht.“ Über Probleme konnte er schwer sprechen und machte sich stattdessen Listen, die er und Sabrina am Wochenende „abgearbeitet haben“, wie er sagt. Allzu oft sei sie unzufrieden mit ihm gewesen. „Ich glaube, sie wollte mich nach ihrem Bild formen“, sagt K., der spielsüchtig wurde. 27.000 Euro Schulden häufte er an.

Pascal K. habe nicht akzeptieren können, dass Sabrina S. keinen Kontakt mehr wolle, sagt Staatsanwältin Nina Prantl. Sie wertete die Tat als Mord aus Heimtücke und niederen Beweggründen. Die Mordmotive weist K. aber von sich: Es sei zu einem Streit gekommen. Sabrina S. habe ihn geohrfeigt, er habe sie geschlagen und erst dann zu dem Messer gegriffen.

Bei den Angehörigen bat K. um Verzeihung für das Unverzeihliche. „Ich werde die Schuld ein Leben tragen müssen“, sagte er unter Tränen. Die Bluttat im Dezember 2019 schockte München*. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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