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Im Münchner Norden, westlich der Allianz Arena, gibt es noch große unbebaute Flächen.

Entwicklungsgebiet Nord

Neuer Wohnraum in München: Das sind die Pläne für Feldmoching

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Für das sogenannten Entwicklungsgebiet Nord in Feldmoching gibt es neue Pläne, wie das Areal genutzt werden könnte. 

Feldmoching - Vor einer Woche wurde die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) in Feldmoching von der Rathaus-Regierung aus SPD und CSU beerdigt. Bereits am heutigen Mittwoch soll im Stadtrat ein neuer Grundsatzbeschluss für die Entwicklung im Münchner Norden festgezurrt werden. Geplant ist ein kooperatives Modell, also im Benehmen mit den Grundstückseigentümern. Ein Vorkaufsrecht behält sich die Stadt aber weiterhin vor. Besondere Bedeutung kommt einem agrarstrukturellen Gutachten zu. Während des gesamten Entwicklungsprozesses soll die Öffentlichkeit beteiligt werden. Um die Pläne voranzutreiben, wird die Stadt neues Personal benötigen.

Baulandpreise in München seit 2009 verdoppelt

Es ist ein Dilemma, das die Stadt in der Zukunft wohl dauerhaft beschäftigen wird: Die Stadt wächst immens und braucht neue Wohnungen, doch in den potenziellen Baugebieten stoßen die Expansionspläne auf wenig Gegenliebe. Bei Einwohnerversammlungen ist lautstarker Protest derzeit programmiert. OB Dieter Reiter (SPD) fasste die Stimmungslage unlängst mit einem Zahlenbeispiel aus einer aktuellen Befragung zusammen. So hätten 70 Prozent der Münchner „Wohnen“ als das wichtigste Thema benannt – „solange nicht gegenüber gebaut wird“, wie der OB in einer Mischung aus Bitternis und Ironie hinzufügte.

Eine weitere statistische Kennziffer, die die Brisanz des Themas verdeutlicht: Die Baulandpreise haben sich in der Landeshauptstadt seit 2009 verdoppelt. Man sollte sich das vielleicht noch einmal auf der Zunge zergehen lassen: Verdoppelt! Welcher Arbeitnehmer kann von sich behaupten, dass er doppelt so viel verdient wie 2009?

900 Hektar Fläche stehen in Feldmoching zur Debatte

In Feldmoching-Ludwigsfeld steht eine riesige Fläche von 900 Hektar zur Debatte. Sie wird aktuell im Wesentlichen landwirtschaftlich und gartenbaulich genutzt, der Grüngürtel spielt aber auch eine wichtige Rolle für die stadtnahe Erholung der Bevölkerung. Über ein mögliches Einwohnerwachstum oder einen Zeitrahmen für die Bebauung wurde noch nicht gesprochen. Klar ist indes, dass nicht nur neue Wohngebiete entstehen, sondern auch Raum für Erholungsflächen und Landwirtschaft verbleiben sollen. Und klar ist seit der Ankündigung der GroKo, die SEM aufzugeben, dass die Stadt auf Enteignungsmaßnahmen verzichten wird, um im Extremfall ihre Interessen durchzusetzen.

Doch wie soll es nun weitergehen? Das Planungsreferat geht stadtweit von einem durchschnittlichen Bedarf an 8500 neuen Wohneinheiten pro Jahr aus. Dabei gibt es laut der Behörde ohnehin nur noch Platz für 60 000 Wohneinheiten im Stadtgebiet. Das Flächenpotenzial ist also begrenzt. Es sei denn, man baut irgendwann gewaltig in die Höhe. Da wäre man aber bereits beim nächsten Politikum: Hochhäuser sind ebenfalls unpopulär.

Gebiet um Felmoching soll im Gesamtkontext entwickelt werden

Ziel des beabsichtigten, kooperativen Modells in Feldmoching ist es, Kosten und Lasten für die Entwicklung des Gesamtgebiets gerecht zu verteilen. Das Verfahren soll sich am Prinzip der Sozialgerechten Bodennutzung (SoBon) orientieren. Planungsbegünstigte müssen bei diesem Modell in München seit mehr als zwei Jahrzehnten ihren Beitrag bei der Entwicklung neuer Baugebiete leisten. SoBon wird allerdings eher bei kleineren Maßnahmen in gut erschlossenen Bereichen angewendet. In Feldmoching wäre viel neue Infrastruktur notwendig, ihren Haushalt will die Stadt aber nicht über Gebühr belasten. Andererseits, so geht aus der Vorlage für den Stadrat hervor, sollten für die heutigen Grundstückseigentümer „angemessene Nettobodenwertsteigerungen“ ermöglicht werden. Grundvoraussetzung für eine gerechte Verteilung sei, dass als Anfangswert nicht spekulativ überhöhte Werte angenommen werden, sondern die Werte, die sich anhand der tatsächlichen Nutzung (also zum großen Teil landwirtschaftlich) ergeben, heißt es weiter. Dabei komme eine kleinräumliche Entwicklung nicht infrage. Das Gebiet müsse im Gesamtkontext entwickelt werden.

Stadtverwaltung zieht Gründung einer Entwicklungsgesellschaft in Betracht

Bereits vor einem Jahr hatten 200 Grundstückseigentümer gegenüber OB Reiter ihre Mitwirkungsbereitschaft notariell bekundet – sofern die SEM beendet werde. Die Stadtverwaltung zieht die Gründung einer Entwicklungsgesellschaft, etwa als privatrechtliche GmbH, in Betracht. Zur Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung will die Stadt per Satzung Flächen kennzeichnen, bei denen ihr ein Vorkaufsrecht zusteht.

Lesen Sie auch: Zehn Gebiete im Check - So teuer ist ein Eigenheim im Münchner Umland 

Von Klaus Vick

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