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Auch Herbert Gerhard Schön vom Bund Naturschutz betonte bei der Diskussion: „Wir müssen an die ganze Stadt denken“.

Stadtbaurätin fordert: „Müssen jetzt klotzen!“

Streit um Verdichtung in Feldmoching

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Mein Grund? Dein Grund? Unser Grund? Grundverschieden sind die Meinungen, wenn’s um die die städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen (SEM) im Münchner Norden geht.

München - Das musste am Mittwochabend auch Stadtbaurätin Elisabeth Merk am eigenen Leib erfahren. Was wird jetzt aus dem Areal zwischen Feldmoching und Ludwigsfeld? Wohnungen für 20.000 Menschen sollen hier entstehen – aber die Bauern wehren sich. Am Mittwoch machte Merk dennoch bei einer Diskussionsrunde deutlich klar: Wir müssen jetzt klotzen. Grundlegend – sozusagen.

In der Karlsfelderstraße wird schon verdichtet: Hier entsteht ein Komplex mit 37 Wohnungen. „Viel zu groß“ schimpfen manche Anwohner.

Der Mega-Streit um die Bauverdichtung auf der 900-Hektar-Fläche (siehe Karte) – er nimmt kein Ende. Knapp 100 Menschen folgten der Einladung des Bündnisses München Nord (eines Zusammenschluss von sechs lokalen Vereinen) zu der Diskussionsrunde. Zur Erinnerung: Viele der Anwesenden haben sich 2017 in der Initiative Heimatboden zusammengeschlossen. Diese kämpft besonders erbittert gegen die SEM. Ihre Angst: Enteignung. Ein Feldmochinger Besucher fasste den Unmut vieler Betroffener zusammen: „Die Eigentümer haben sich geschlossen gegen die SEM ausgesprochen, Die Stadt wiederum sagt: Enteignungen seien ohnehin großflächig ausgeschlossen. Machen wir uns nichts vor: Die SEM ist doch tot.“

Stellte sich: Stadtbaurätin Elisabeth Merk

Wirklich? Das Podium sah das anders. Neben Elisabeth Merkbeantworteten die Stadträte Heide Rieke (SPD), Johann Sauerer (CSU), Herbert Danner (Die Grünen/Rosa Liste) und Tobias Ruff (ÖDP) die Fragen und zum Teil wütenden Zwischenrufe der Bürger. Dabei ging es immer wieder um den Konflikt zwischen Einzelinteressen und Gemeinwohl. Merk betonte, dass es eines Gesamtkonzeptes bedürfe. „Das SEM-Gebiet ist bewusst groß gewählt, um in einem größeren Zusammenhang denken zu können.“ Mit kleinteiligen Bebauungsplänen werde man keine große Infrastruktur- und Verkehrsproblematik lösen. Heißt: Man muss klotzen – nicht kleckern. Viele Menschen brauchten dringend bezahlbaren Wohnraum sowie Kitas und soziale Einrichtungen. Es könne nicht jeder nur seinen eigenen Besitz betrachten. Die Stadt habe ja nicht umsonst als demokratisches Gemeinwesen die Planungshoheit inne. Klare Worte!

„Eigentümer wollen landwirtschaftlichen Boden vergolden“

Die Initiative Heimatboden dagegen zieht das kleinteiligere Verfahren der sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) einer SEM vor. Fakt ist: Viel stärker noch als SoBoN verhindert die SEM eine planungsbedingte Wertsteigerung des Bodens. „Die Eigentümer wollen ihren Quadratmeter landwirtschaftlichen Bodens vergolden“, empörte sich Herbert Danner (Grüne). „Damit stoßen sie bei uns auf Granit. Mit unserer Fraktion wird es keine kleinteilige Lösung geben. Die Stadt strebt ein ganzheitliches Konzept an. Wenn wir den Wohnungsbau stoppen und vernachlässigen, kriegen wir ein soziales Problem.“

Und wie geht es jetzt weiter? Die Zukunft der SEM im Münchner Norden bleibt auch nach der Diskussionsrunde ungewiss. „Wenn kein Eigentümer bei der SEM mitmacht, dann ergibt es keinen Sinn“, so Sauerer. Seine Stadtratskollegin Heide Rieke (SPD) warf dagegen ein, dass die Münchner Gesamtbevölkerung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme weniger skeptisch gegenüberstehe als angenommen. Bis jetzt allerdings ist ohnehin nichts entschieden. Schon 2017 hätte das Referat für Stadtplanung und Bauordnung dem Stadtrat den SEM-Einleitungsbeschluss vorlegen sollen. Das ist nicht passiert. Ob es heuer noch dazu kommt, ist ungewiss. Auf die vielen neuen Wohnungen muss man also noch lange warten…

So sieht der Plan aus

Unsere Stadt droht zu platzen: Lebten im Jahr 2000 noch 1,2 Millionen Menschen in München – sind es mittlerweile schon 1,5 Millionen. Bis zum Jahre 2030 fehlen voraussichtlich 158 000 Wohnungen. Was also tun? Die Stadt plant eine sogenannte SEM für den Münchner Norden. Die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme ist das schärfste Schwert des Baugesetzes. Sie ermöglicht der Stadt schnell an Privatgrund zu kommen (notfalls auch durch Enteignung), um dort Wohnungen hochziehen zu können. So mancher Grundbesitzer hält davon wenig: Sie sind davon überzeugt, dass die Stadt so nur versucht, billig an Baugrund zu kommen. Fakt ist natürlich auch: Könnten Investoren den Grund frei von den Besitzern erwerben, ließe sich viel Geld verdienen. Der Streit dauert an.

Lesen Sie auch: Antwort auf die Wohnungsknappheit? Das ist der neue Hochhaus-Plan.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Mein Feldmoching/Hasenbergl“.

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