Gegenvorschlag: Statt das Gewerbegebiet nach Norden auszuweiten (rot), verweist der BA auf das Virginia-Depot.

Standortfrage

Uneinigkeit in der Lerchenau: Gewerbegebiet – ja, aber . . .

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Der Bezirksausschuss sieht die geplante Erweiterung einer Fläche in der Lerchenau kritisch und legt einen Gegenvorschlag vor.

München - Zum Wort arrondieren liefert das Fremdwörterbuch zwei Bedeutungen: abrunden und zusammenlegen. Beides will die Stadt München mittelfristig mit dem Gewerbegebiet an der Lerchenstraße in Feldmoching-Hasenbergl machen. Im Gewerbeflächenentwicklungsprogramm GEWI heißt es: „Denkbar ist eine Arrondierung des Gebietes im Norden.“ In einem beigefügten Luftbild wird klar, was das heißen könnte. Das 18,12 Hektar große Gewerbegebiet nördlich der Robinienstraße könnte um insgesamt neun Hektar wachsen, wenn die nördlich gelegenen Grünflächen hinzukämen. Vorteil aus Sicht der Verwaltung: Das Areal würde durch eine klare Kante abgeschlossen, und es entstünden mehr Platz für Gewerbebetriebe, die in ganz München händeringend nach Flächen suchen.

Der BA möchte das Gewerbegebiet woanders

Dem Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl gefallen diese Überlegungen ganz und gar nicht. Er hätte das Gewerbegebiet langfristig nämlich lieber an der Schleißheimer Straße südlich und westlich des Virginia-Depots angesiedelt. Dort befindet sich ein als „Sondernutzungsfläche Landesverteidigung“ bezeichnetes Grundstück der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Mehrheit der BA-Mitglieder würde es begrüßen, wenn die Stadt dort neue Gewerbeflächen auswiese.

„Wir wollen keinen Zuwachs an der bisherigen Stelle“, sagt der BA-Vorsitzende Markus Auerbach (SPD). „Der Lkw-Verkehr wird dadurch noch mehr in die Wohnquartiere hineingezogen. Wir wollen Gewerbe an den Ausfallstraßen am Rande des Bezirks.“ Derzeit befinden sich zahlreiche kleine, mittlere und größere Betriebe auf dem Gelände an der Lerchenstraße in der nördlichen Lerchenau. Zur Belastung für die Anwohner ist in den vergangenen Jahren vor allem das Entsorgungsunternehmen Schrott-Sam, ehemals Schrott Anton, geworden. Auerbach berichtet: „Bei entsprechendem Wetter hört man die Schrottgeräusche bis zur Siedlung am Lerchenauer See und auch am Feldmochinger Anger. Da findet alles unter freiem Himmel statt.“ Mittlerweile gibt es zwar Lärmschutzwände, doch die halten offenbar nicht alle Geräusche ab.

Auch die Tatsache, dass das Gewerbegebiet an eine wichtige „übergeordnete Grünbeziehung“ grenzt, wie besonders wichtige Grünzüge im Amtsjargon genannt werden, ist dem BA ein Dorn im Auge. Man fürchtet, dass dieser Grünzug durch die Arrondierung verkleinert werden könnte – und zwar ausgerechnet an einer der schmalsten Stellen.

Gewünscht ist eine moderate Entwicklung der Flächen

Was die Stadtteil-Politiker besonders fuchst: Vor einiger Zeit hat die Stadt ihren Vorschlag abgeschmettert, während des geplanten Neubaus der Eduard-Spranger-Schule im Grün eine provisorische Ausweichturnhalle zu errichten. Begründung: Durch die provisorische Turnhalle sei die Durchlüftung der Siedlungen gefährdet. „Dieses Argument würde umso mehr gelten, würden dort Betriebe angesiedelt“, kontert Auerbach.

Der BA sprach sich mehrheitlich für eine moderate Entwicklung der Gewerbeflächen im Bezirk aus. Nur die Grünen lehnten die Ausweisung neuer Flächen grundsätzlich ab. „Je attraktiver München wird, desto mehr Menschen strömen hierher“, argumentierte Christine Lissner. Das belaste die Stadt zu sehr. „Es gibt auch noch andere Orte in Bayern.“ 

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