Fritz und Christoph Preßmar betreiben das Filmtheater am Sendlinger Tor in dritter Generation
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Fritz und Christoph Preßmar betreiben das Filmtheater am Sendlinger Tor in dritter Generation.

Es liegt nicht nur an Corona

„Unverzeihlicher Verlust“ droht: Promis kämpfen um Münchner Traditionskino am Sendlinger Tor

  • Andreas Thieme
    VonAndreas Thieme
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Nach 108 Jahren steht das Filmtheater am Sendlinger Tor vor dem Aus. Grund ist ein Streit um die Pacht des Kinos. Derweil unterstützen Tausende Münchner eine Petition, die das Kino retten soll.

München - Der Vorhang bleibt zu, die Leinwand bleibt schwarz: In den vergangenen Monaten konnte man Filme nur noch am Fernseher anschauen, die Kinos hingegen durften nicht öffnen – und bangen in der Pandemie um ihre Existenz. Einige mussten bereits schließen, das Filmtheater am Sendlinger Tor* dagegen gibt sich kämpferisch und hat nun eine Petition gestartet. Mehr als 10.000 Münchner haben unterschrieben, um das Kino zu retten. Zudem unterstützen auch Prominente und Politiker den Kampf um das Kino, das Horst Seehofer etwa als „einmalig und einzigartig“ beschrieb.

„Das Kino am Sendlinger Tor ist für mich mit der Münchner Kinogeschichte aufs Engste verbunden“, sagt auch Alt-Oberbürgermeister Christian Ude* (73). „Schon als Redakteur habe ich immer wieder Nachmittagsvorführungen dort besucht und im Lauf der Jahre auch etliche Premieren, unter anderem zusammen mit Joseph Vilsmaier. Es wäre für die Film- und Kinostadt München ein unverzeihlicher Verlust, wenn gerade dieses Kino verschwinden würde.“

Traditionskino in München vom Aus bedroht - Petition soll Rettung ermöglichen

Genau das wollen die Betreiber Fritz und Christoph Preßmar verhindern. Bruder Oliver hat sich um die Petition gekümmert, die er bei der Stadt München, der Regierung von Oberbayern sowie dem Bayerischen Landtag einreichen will. „Wir möchten vor allem den Raum erhalten, in dem so viele Menschen große Gefühle und schöne Erinnerungen erlebt haben“, sagt Preßmar.

Ihm ist wichtig: Es liege nicht nur an Corona, dass das Kino jetzt mit dem Rücken zur Wand steht. „Wir haben ein tolles Publikum und gut gewirtschaftet. Was das angeht, sind wir zuversichtlich, dass wir da bald wieder rauskommen.“ Das Problem sei die Pacht: „Nach 108 Jahren soll das Filmtheater Sendlinger Tor auf Betreiben eines Teils der Verpächter-Gemeinschaft aus finanziellen Gründen geschlossen werden.“ Im Streit um die monatlichen Zahlungen sei dem Kino die Kündigung ausgesprochen worden. Mittlerweile hat die Verpächter-Gemeinschaft Räumungsklage eingereicht.

Darin werde Preßmar zufolge „mit einer heute fiktiven Wunschpacht von 20.000 Euro pro Monat aus einem Angebot von 2012 argumentiert.“ Doch das sei realitätsfern und schon vor der Pandemie „von einem Kino an dieser Stelle nicht zu erwirtschaften“. Anfang März kommt es zu einer zivilrechtlichen Güteverhandlung am Landgericht München I. Ist auch dort keine Einigung absehbar, muss ein klärendes Urteil her. „Wir sind auf die Entscheidung des Landgerichts angewiesen, ob wir weitermachen dürfen oder nicht“, sagt Preßmar.

München: Bilanz des Niedergangs - Traditionskinos werden immer weniger

Klar ist aber auch: Selbst ein möglicher neuer Pächter dürfte das Kino nicht umbauen: Es steht unter Bestands- und Denkmalschutz. Darin ein Ladengeschäft zu führen, ist theoretisch zwar möglich. Praktisch müsste die Optik aber erhalten bleiben und Säulen zur Not hinter Glas geschützt werden.

Kinos und Corona scheint ein ungleicher Kampf. Das Kino am Sendlinger Tor wäre nach dem Gabriel Filmtheater an der Dachauer Straße ein weiterer Klassiker, für den die letzte Klappe fällt. Im Jahr 2015 hatte bereits das Eldorado an der Sonnenstraße seinen Vorhang endgültig zugezogen, im Jahr 2012 war das Atlantis an der Schwanthalerstraße untergegangen. Ein Jahr zuvor hatten sich die Kultkinos Tivoli und das Filmcasino verabschiedet, 2001 das Stachus Kinocenter.

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