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Geld und Spiele

München - Die Olympischen Spiele sind eine Geldmaschine. Das Internationale Olympische Komitee kassiert Milliarden. Doch woher stammt das Geld, wie viel behält das IOC für sich und was bleibt übrig für die Austragungsorte?

Am Anfang stand eine Vision. Baron Pierre de Coubertin träumte davon, den Olympischen Spielen der Antike neues Leben einzuhauchen. Der Sport, so dachte er, sollte Grenzen überwinden, Völker vereinen, Frieden stiften. Es war eine wundervolle Vision, damals im Jahr 1894.

Knapp 120 Jahre später denken Olympia-Kritiker eher an hemmungslosen Kommerz, wenn sie die drei Buchstaben IOC hören. Kritiker warnen vor Knebelverträgen und hohen Kosten, die den Austragungsorten aufgezwungen würden. Aus der friedlichen Vision ist ein Milliardengeschäft geworden. Ein weltumspannendes, straff geführtes Unternehmen.

Das Internationale Olympische Komitee sitzt – steuerlich günstig – im Schweizerischen Lausanne und bestimmt im Alleingang, wo die Spiele ausgetragen werden. Alle wichtigen Entscheidungen fällt die Vollversammlung. Sie besteht aus maximal 115 Mitgliedern. Wer in der Vollversammlung sitzen darf, bestimmt die Vollversammlung. Das Gremium wählt sich also selbst. Das IOC hält zudem sämtliche Vermarktungsrechte – ein gewaltiger Goldschatz.

Mit der systematischen Vermarktung begann das IOC erst 1985. Seitdem wächst das Geschäft rasant. Die Rechte werden im Paket verkauft. Für Lillehammer 1994 und Atlanta 1996 kassierte das IOC 2,6 Milliarden Dollar. Klingt viel, aber Vancouver (2010) und London (2012) spülten fast das Dreifache in die Kassen: 7,5 Milliarden Dollar. Die Gelddruckmaschine läuft heiß.

Den größten Anteil machen mit 53 Prozent die Fernsehrechte aus. Sie stiegen beim letzten Paket auf 3,8 Milliarden Dollar. TV-Sender wie der US-Kanal NBC langen tief in die Tasche, um die Wettkämpfe auf die Mattscheibe zu bringen. Vor 30 Jahren war die Übertragung noch für unter 100 Millionen Dollar zu haben. Geradezu ein Schnäppchen.

Die zweite große Säule sind die Sponsoren. Das IOC unterscheidet zwischen zwei Gruppen: Auf der einen Seite steht eine Handvoll „TOP“- Partner, Coca-Cola, McDonald’s, Samsung, Visa und andere. Sie erhalten die weltweiten Marketing-Rechte für bestimmte Produkte.

Die zweite Gruppe darf nur im Gastgeberland werben. Doch auch hier werden Milliarden umgesetzt. Die Einnahmen aus der zweiten Gruppe erhält nicht das IOC, sondern das jeweilige Organisationskomitee der Spiele, kurz OCOG. Es ist für die praktische Durchführung der Spiele verantwortlich.

Kritiker wie der schottische Journalist Andrew Jennings warnen vor dem Einfluss der Konzerne. Das IOC habe die Spiele 2008 nur deswegen nach Peking vergeben, weil Coca-Cola und McDonald’s dort expandieren wollten, lautet seine These. Der US-Brausehersteller arbeitet seit 1928 mit dem IOC zusammen und sitzt in Atlanta, wo die Sommerspiele 1996 gastierten.

Von dem riesigen Geld-Kuchen schneidet sich das IOC rund zehn Prozent für sich selbst ab. Der Rest wird in einem komplizierten Verteilerschlüssel weitergereicht. Das Organisationskomitee bekommt Geld für die Durchführung der Spiele. Das Nationale Olympische Komitee und die nationalen Sportverbände werden ebenfalls bedacht. Die öffentliche Hand aber bekommt keinen Cent.

Die Kosten für die Durchführung der Spiele in Bayern werden auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Die Mittel sollen vollständig durch Einnahmen gedeckt werden, so der Plan. Die öffentliche Hand soll rund 530 Millionen Euro für Infrastruktur-Projekte wie dem Bau des Olympischen Dorfs, dem Ausbau der Bahnstrecke München-Garmisch, dem Kramer- und dem Wanktunnel beisteuern. Geht der Plan auf, löhnt der Steuerzahler also nur für das, was ihm dauerhaft bleibt.

Werden bei der Durchführung der Spiele zusätzliche Gewinne erzielt, kommt das Geld dem Breitensport zu Gute. Das finanzielle Risiko aber tragen die Austragungsorte. Fallen die Einnahmen schlechter aus als geplant, bleiben sie auf den Kosten sitzen.

Thomas Schmidt

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