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Genervt vom Parkchaos in Großhadern: Bezirksausschuss-Mitglied Peter Winklmeier.

Auto-Ärger

Hilfe, Pendler parken uns zu! Großhaderner genervt von Wagen-Wildwuchs

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Mehr als 368.000 Pendler fahren täglich nach München – geparkt wird verstärkt in Wohngebieten am Stadtrand. Zum Leidwesen der Anwohner. Die Stadt will dem Parkdruck mit Park- und- Ride-Plätzen begegnen.

München - Starnberg, Aichach, Fürstenfeldbruck – der Auto-Wildwuchs um die U-Bahn-Station Großhadern wird immer schlimmer. Das kritisiert Peter Winklmeier (49). „Die Leute kommen von außerhalb und stellen ihre Autos bei uns in Wohnstraßen ab – und wir müssen ewig rumkurven“, klagt der CSU-Fraktionssprecher im Bezirkssausschuss (BA) Hadern. Großhadern liegt am Stadtrand und hat einen U-Bahn-Anschluss. Perfekt für tausende Pendler, die täglich vom Westen her in die Stadt fahren. Genau das gleiche Problem besteht im Münchner Süden. „Die Pendler stehen bis zur Königswieser Straße“, klagt die Fürstenriederin Erika Faßrainer.

Ist eine Parklizenz die Lösung?

Um den Parkdruck zu entschärfen, wird der Ruf nach Einführung von Parklizenzgebieten außerhalb des Rings immer lauter. In Parklizenzgebieten können Anwohner kostenlos parken, die Auswärtigen müssen zahlen; zudem gibt es auch reine Anwohnerstraßen. Anfang 2018 wurden zwei neue Gebiete in Neuhausen ausgewiesen. Doch um ein Parkraummanagement einzuführen, müssen bestimmte gesetzliche Voraussetzungen erfüllt sein, die Prüfung ist langwierig.

Weder Großhadern noch Fürstenried stehen auf der Liste des Planungsreferats. Stattdessen setzt die Verwaltung auf Park-und-Ride-Anlagen. „Wir sehen, dass die Pendler einen entsprechenden Parkplatzbedarf haben“, sagt Planungssprecher Thorsten Vogel. „Unser vorrangiges Ziel ist es, die Park-und-Ride-Möglichkeiten auszubauen.“ Im Süden solle etwa die Park-und-Ride-Anlage an der Aidenbachstraße aufgestockt werden.

Immer mehr Autofahrer sind nur auf Parkplatzsuche 

Michael Haberland vom Verein Mobil in Deutschland kritisiert das Verkehrsmanagement der Stadt scharf. „Die Stadt tut sehr viel für den öffentlichen Personennahverkehr, aber nichts für den motorisierten Individualverkehr. Der Verkehr verlangsamt in München jedes Jahr ungefähr ein Prozent.“ In Schwabing etwa führen alle Autofahrer zusammen täglich umgerechnet rund 80.000 Kilometer, nur um einen Parkplatz zu suchen. „Das ist zweimal um die Welt!“ Haberlands Forderungen: weitere Park-und-Ride-Anlagen, auch außerhalb der Stadt, und neue Straßen, um „gewisse Verkehre nicht in die Stadt reinzulassen – der Ringschluss des Autobahnrings Südwest ist längst überfällig“. Vom Vorhaben der Verwaltung, die Parkgebühren zu erhöhen, hält Haberland nichts. „Man will die Leute auf S- und U-Bahn lenken, wo es schon jetzt keine Kapazitäten mehr gibt, anstatt neue Angebote zu schaffen.“

Warum ist es gerade in Großhadern so schlimm?

In Großhadern spitzt sich die Situation noch dadurch zu, dass der gleichnamige U-Bahnhalt gerade noch im dritten Tarifring des MVV liegt. Ein Anreiz für die Pendler, die U-Bahn in Großhadern zu nehmen, sagt Winklmeier: „Das spart ordentlich Geld bei der Monatskarte.“ Die einzige Lösung aus Sicht des BA: der Weiterbau der U 6 nach Planegg. Winklmeier hat im Februar einen entsprechenden Antrag gestellt – man wolle auf den Landkreis München zugehen, teilt das Planungsreferat mit. Die beschlossene Verlängerung der U 6 um eine Station nach Martinsried ist aus Sicht des BA nutzlos. „Die eine Station bringt gar nichts, um den Parkdruck zu entschärfen“, klagt BA-Chef Johann Stadler (CSU). „Hadern bleibt das Parkzentrum fürs Würmtal.“

Auto-Ärger auch in Milbertshofen

Nicht nur Pendler sorgen für Ärger bei so manchem Anwohner – ein weiterer Brennpunkt in der Stadt liegt im Norden. Denn in Milbertshofen parken Autofahrer auf Radwegen, blockieren Bürgersteige oder Fußgängerzonen. Ganz besonders ärgert sich Gerd Preuß aus der Graf-Konrad-Straße. Denn die Parksünder würden hier erst gar nicht zur Rechenschaft gezogen, schimpft der 54-Jährige. In einem Brandbrief an Polizei und OB Dieter Reiter hat er 160 Falschparker innerhalb einer Woche aufgelistet. An keinem Wagen habe er einen Strafzettel gesehen. „Hier darf man alles sein – außer Fußgänger“, schimpft Preuß.

Gerd Preuß (54) steht auf dem Curt-Mezger-Platz. Hier sei die Fußgängerzone regelmäßig durch Autos besetzt. Auf seinem Rundgang zählte er 160 Verstöße.

Speziell untersucht hat der 54-Jährige die Straßen rund um den Curt-Mezger-Platz. Laut Straßenverkehrsordnung müssen Fußgänger speziell ausgewiesene Fußwege (sofern vorhanden) auch zwingend benutzen. Preuß: „In Milbertshofen kann der Fußgänger seiner Pflicht erst gar nicht nachkommen.“ Denn die Geh- und Radwege würden für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Kinderwagen „rücksichtslos“ zugeparkt. Als Ursache sieht Preuß die Tatenlosigkeit der zuständigen Polizeiinspektion 47 Milbertshofen. Denn laut Preuß werden nur selten Bußgelder verhängt. „Ich habe in dieser Woche keinen einzigen Strafzettel gefunden“, erzählt der Pädagoge.

Nach aktueller Aufteilung der Kontrollgebiete ist die Stadt auch der falsche Ansprechpartner, die Kommunale Verkehrsüberwachung (KVÜ) sei hier nicht zuständig, sondern die Polizei, heißt es auf tz-Anfrage. Gerd Preuß macht eine Beobachtung fassungslos: „Ich habe Polizisten in ihren Streifenwagen gesehen, die an zugeparkten Geh- und Radwegen gemütlich vorbeigefahren sind. Es ist nicht nur eine Frage des Könnens, sondern auch des Wollens.“

Auch im Polizeipräsidium ist das Problem längst bekannt. Grund für die unzureichenden Kontrollen sei akuter Personalmangel. In einer Stellungnahme heißt es: „Aufgrund der Vielzahl an Aufgaben und der begrenzt vorhandenen personellen Ressourcen, muss die Polizei ihre Überwachungsintensität auf die Schwere und die Auswirkungen der Zuwiderhandlungen abstellen.“ Vereinfacht heißt das: Die Polizei hat wichtigere Dinge zu tun. Die gravierendsten Verstöße würden laut Polizei aber trotzdem geahndet – im Jahr 2017 angeblich 8500. J. Heininger

Daniela Schmitt und Johannes Heininger

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