Wende im Tarifpoker bei der MVG

Wende im Tarifpoker bei der MVG
+
Ärger im Wohngebiet: Anwohner Stefan Rigl vor dem Arbeiterwohnheim an der Kleinhaderner Straße.

„Zustände nicht mehr tragbar“

Prostitution und Lärm in Großhadern? Anwohner klagen gegen Arbeiterheim

„In Hadern leben Sie sicher“, betont Polizei-Chef Peter Gloël. Die Nachbarn eines Arbeiterwohnheims sehen das anders und sprechen von Schmutz, Ruhestörung und illegaler Prostitution.

Unser Artikel vom 18.10.2018

München - „Die Zustände sind nicht mehr tragbar“, fasst einer der Betroffenen, Stefan Rigl, die Situation auf der Bürgerversammlung für die Nachbarschaft zusammen. Nicht nur, dass aufreizend angezogene junge Damen an der Straße vor dem Anwesen stünden und dort offenbar ihre Dienste anböten. Zudem wiesen Fenster, die mit roten Neonröhren ausgeleuchtet seien, darauf hin, dass in dem Anwesen der Prostitution nachgegangen werde. Auch auf den nahen Spielplatz kämen kaum mehr Kinder zum Spielen. Denn: „Dieser ist von den Arbeitern komplett vereinnahmt worden“, beklagt eine Mutter. Die überwiegend aus Osteuropa stammenden Handwerker „rauchen, trinken und streiten dort lautstark“. Aber auch der Garten des Hauses wird stark genutzt. Oft werde dort gegrillt, wobei die Bewohner wiederholt nasses Holz benutzt haben sollen. „Wegen der Rauchschwaden und des Lärms können wir uns in unserem Garten nicht mehr aufhalten“, klagt Anrainer Wolfgang Walter. Schon mehrmals habe er die Polizei gerufen – der Erfolg sei allerdings überschaubar.

Es gibt zu wenig Wasch- und Sozialräume in dem Haus

Aber nicht nur für die Nachbarschaft, auch für die Menschen, die in dem Arbeiterwohnheim leben, seien die Zustände ebenfalls unzumutbar, kritisiert Rigl. Es gebe zu wenig Wasch- und Sozialräume in dem Haus, in dem teilweise bis zu 100 Menschen wohnen sollen. Ausgelegt sei es für deutlich weniger. 400 bis 800 Euro verlange der Vermieter nach Aussage der Bewohner für einen Schlafplatz in einem der 4- bis 6-Bett-Zimmer. „Das ist Wucher.“ Teils hätten sogar auch Arbeiter in Autos auf Garagen-Stellplätzen genächtigt. Ob mit Wissen des Vermieters oder nicht, ist unklar.

Im Internet prangern die Anwohner die Zustände an - und zeigen ein Bild des Hauses mit rot beleuchtetem Fenster.

Lärm und Prostitution? Das sagt der Betreiber zu den Vorwürfen

Bei dem Betreiber des Wohnheimes, der HSL Verwaltungs GmbH, ist man ob der schweren Vorwürfe verschnupft: „Warum wenden sich die Nachbarn nicht einfach mal direkt an uns“, sagt der Verwalter auf Anfrage unserer Zeitung. „Meine Telefonnummer hängt doch am Haus.“ Zu den einzelnen Vorwürfen nimmt er aber keine Stellung. Auf der Bürgerversammlung beantragten die Nachbarn Rigl und Walter letztlich den Entzug der Konzession, das Gebäude als Wohnheim betreiben zu dürfen. Bereits vergangene Woche hatten sie den Mitgliedern des Bezirksausschusses Hadern ihr Anliegen vorgetragen. Mit Fotos untermauerten sie ihre Anschuldigungen. Das Stadtteilgremium war sichtlich geschockt. Die erste Reaktion kam von Gerhard Fries (SPD), der auf das Gewerbeaufsichtsamt einschalten wollte. Der BA-Vorsitzender Johann Stadler (CSU) brachte zusätzlich das Sozialreferat ins Spiel, welches für das Thema „prekäres Wohnen“ zuständig ist.

Und auch die rund 200 Besucher der Bürgerversammlung am Dienstagabend befürworteten ohne Gegenstimme den Antrag von Stefan Rigl. Inzwischen haben die Nachbarn des Anwesens sogar eine Online-Petition (www.openpetition.de) gestartet, in der sie den Entzug der Konzession fordern. Auch die Polizei hat sich eingeschaltet: Nach einem Gespräch mit den Anwohnern, das für Anfang November anberaumt ist, will die Polizei über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.

Auch lesenswert: Männer, die sich in Landshut auf der Suche nach einer Prostituierten befinden, werden künftig vermutlich nicht mehr in der Altstadt fündig. Das Ordnungsamt möchte dem Treiben den Garaus machen.

Ebenfalls interessant: „Jede Frau ist eine H...“: Prostituierte wurde als Kind misshandelt - jetzt schockiert sie mit Aussage

Margot Deny

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wende im Tarifpoker bei der MVG
Der MVG-Streik am Dienstag traf viele Münchner hart. Noch haben sich die Streitparteien auf keinen neuen Tarifvertrag geeinigt. Alle Infos im News-Ticker.
Wende im Tarifpoker bei der MVG
Mutter und Tochter (16) vermisst: Kripo findet bei Hausdurchsuchung eine Spur - ist es Blut?
Die Polizei sucht nach einer spurlos verschwundenen Mutter aus München und ihrer jugendlichen Tochter. Jetzt gehen die Ermittler von einem Gewaltverbrechen aus.
Mutter und Tochter (16) vermisst: Kripo findet bei Hausdurchsuchung eine Spur - ist es Blut?
Am Marienplatz: 55-Jähriger schlägt unvermittelt zu - und zeigt den Hitlergruß
Am Münchner Marienplatz hat ein 55-Jähriger unvermittelt einen anderen Mann angegriffen. Er zeigte mehrmals den Hitlergruß - selbst als die Polizei bereits eintraf.
Am Marienplatz: 55-Jähriger schlägt unvermittelt zu - und zeigt den Hitlergruß
E-Scooter-Wahnsinn in München - welche Regeln tatsächlich gelten, macht viele Nutzer perplex
In München düsen Menschen seit über einem Monat auf Elektro-Tretrollern durch die Straßen. Viele halten sich nicht an die Regeln und riskieren auch ihren Führerschein.
E-Scooter-Wahnsinn in München - welche Regeln tatsächlich gelten, macht viele Nutzer perplex

Kommentare