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Initiatorin und ehemalige Rektorin Heike Kunz (re.) zusammen mit ihrer Nachfolgerin Anja Hefele an einer alten Schulbank.

Grundschule am Canisiusplatz

Münchens erstes Schulmuseum zeigt eine einmalige Sammlung

Tatzenstecken, Schiefertafeln, Setzkästen: Heike Kunz, ehemalige Rektorin der Canisiusschule in Hadern, eröffnet eine einmalige Sammlung.

München - Was eine Schiefertafel ist, weiß heute kaum ein Schüler mehr. Längst vergessen ist das durchdringende Quietschen, das immer wieder die Stille im Klassenzimmer zerschnitt, wenn die Kinder mit Griffel oder Kreide notierten, was der Lehrer diktierte. Im Zeitalter von interaktiven Whiteboards braucht es schon einiges an Fantasie, um sich ein Klassenzimmer vor 50 oder 75 Jahren vorzustellen. Das dürfte den Schülern in Großhadern künftig deutlich leichter fallen. Denn heute eröffnet in der Grundschule am Canisiusplatz das erste Schulmuseum Münchens.

Heike Kunz, ehemalige Rektorin der Großhaderner Grundschule, löst damit ein Versprechen ein. Als sie vor zwei Jahren ihren Posten an Anja Hefele weiterreichte, versprach sie, an ihrer alten Wirkungsstätte einen Ort der Erinnerung zu schaffen. Finanziell unterstützt sie der Geschichtsverein Hadern, den ihr Ehemann Alfons Kunz leitet. Der ist selbst ehemaliger Lehrer, und er wurde 1950 als Bub in der Canisiusschule eingeschult.

Schulhefte aus drei Generationen

„Als Grundstock“, so Kunz, „diente das, was sich in Jahrzehnten im alten Schulgebäude angesammelt hatte.“ Anlässlich des 100. Geburtstages der Schule im Jahr 2011 fingen die Initiatoren an, den Fundus zu sichten. Da war schon klar, „dass allein das einiges an Schul-Geschichte erzählt“. Aber erst als das Gebäude von 2014 bis 2016 umgebaut und saniert wurde, traten alle verborgenen Schätze zutage. „Da wurde zum Beispiel die alte Schulhausglocke gefunden, dazu historische Setzkästen, Schaubilder, etliche Schiefertafeln mit Griffeln und Schulranzen“, zählt Kunz auf. Und – siehe da – sogar ein „Tatzenstecken“ tauchte in der hintersten Ecke eines Klassenzimmers wieder auf, ein Rohrstock, mit dem manch kleiner Haderner einst gezüchtigt wurde. Ehemalige Canisiusschüler vervollständigten die Sammlung. „Eine alteingesessene Haderner Familie hat zum Beispiel ihre Schulhefte aus drei Generationen zur Verfügung gestellt“, erzählt Kunz. Und auch eine historische Schulbank haben die Hobby-Historiker aufgetrieben.

Lesepaten üben im Museum

Für die Eröffnung wurden alle Fundstücke liebevoll in Vitrinen und auf Tischen drapiert. Freilich, mit anderen Museen, wie es sie auf dem Land gebe, könne man nicht mithalten, gibt Kunz unumwunden zu. Dies liegt wesentlich am Raummangel in Münchens Schulen. Das Schulreferat lässt es nicht zu, dass einer der kostbaren Räume nur als Museum genutzt wird. Man einigte sich schließlich auf einen Kompromiss: Lesepaten üben im Museum mit ihren Schützlingen, und ein großer Tisch im Raum kann für Konferenzen genutzt werden. Aber auch für externe Kurse kann der Raum gebucht werden.

Doch ansonsten soll in diesem Raum „Geschichte für Kinder konkret erlebbar gemacht werden“, erklärt die heutige Rektorin Anja Hefele ihre Vorstellung. So liegen 30 Schiefertafeln mit Griffeln bereit, „damit die Kinder das mal selbst ausprobieren können“.

Am Freitag steht die Tür des „Kleinen Haderner Schulmuseums“ unter dem Dachgeschoss ab 14.30 Uhr für alle Interessierten offen. Schüler des Tagesheims begrüßen die Gäste. Alfons Kunz hat eine etwa 30-minütige Präsentation über die Schulgeschichte vorbereitet, die am Nachmittag in Dauerschleife läuft.

Über 1000 alte Schülerakten

Rektorin Hefele macht im Vorfeld der Eröffnung zudem darauf aufmerksam, dass in der Schule noch mehr als 1000 alte Schülerakten aus den Geburtsjahrgängen 1925 bis 1964 lagern. Sie sind elektronisch katalogisiert, sodass ehemalige Schüler oder deren Nachkommen beim Besuch sofort erfahren können, ob noch Papiere vorliegen. Sie dürfen diese Unterlagen auch mitnehmen – allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Hadern – mein Viertel“.

Margot Deny

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