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Gut fünf Millionen Menschen besuchen den Viktualienmarkt jedes Jahr. Die Händler fürchten, dass hier ausgedünnt wird.

Nur noch kurzfristige Verträge für Stände

Händler befürchten Ausdünnung des Viktualienmarkts

München - Die Interessengemeinschaft der Viktualienmarkthändler (IGV) ist verärgert über die Stadt. Die Markthallen München schließen für die Standplätze nur noch kurzfristige Verträge ab. Die IGV befürchtet eine Ausdünnung.

Noch wissen nicht alle Standlbetreiber von der neuen Vergabepraxis der Stadt – sonst, da ist sich ein Insider sicher, wäre am Viktualienmarkt der Teufel los. Doch das könne sich bald ändern, glaubt er. In den vergangenen Monaten haben sich bereits mehrere Händler an die IGV gewandt, weil sie nur eine befristete Zuweisung erhalten hatten. Das geht aus einem Schreiben hervor, dass die Interessengemeinschaft über einen Anwalt an den Zweiten Werkleiter der Markthallen München, Boris Schwartz, gerichtet hat. Die Rede ist von einer Vertragsdauer von drei bis fünf Jahren.

Auch bei Händlern, die seit Jahrzehnten auf dem Markt seien und deren Verträge ausliefen, werde versucht, die Zuweisungen für einen Standplatz zu befristen. Für Standlbesitzer sei dies unzumutbar. „Jeder Händler, der nur eine befristete Zuweisung erhält, wird sich hüten, Investitionen zu tätigen“, heißt es in dem Anwaltsschreiben. Für eine derart weitreichende Entscheidung bedürfe es eines politischen Beschlusses – und nicht nur einer internen Verwaltungsanordnung. Laut Elke Fett, der Sprecherin der IGV, haben zwei kleinere Stände von Obst- und Gemüsehändlern bereits geschlossen – ohne dass die Plätze wiederbesetzt worden wären. Sie befürchtet: „Der Viktualienmarkt wird ausgedünnt.“ Die für Einheimische und Touristen so attraktive Struktur könne sich ändern.

Schwartz widerspricht: „Wir wollen die Vielfalt erhalten und keine Händler vertreiben“, erklärt er. Die neue Vertragsgestaltung sei eine „vollkommen normale Geschichte“ im Hinblick auf die bevorstehende Sanierung des Viktualienmarktes aufgrund hygienischer und feuerpolizeilicher Richtlinien. Die Stadt müsse hier flexibel bleiben. Wann der Umbau kommt und welche Konsequenzen dies für die Händler haben könnte – es wird über eine zeitweise Schließung spekuliert – ist noch unklar.

Zur Schließung der beiden sogenannten „Schirmstände“ meint Schwartz, es gebe ja auch Forderungen, dass der Markt „luftiger“ werden sollte. Aus einem internen Besprechungsprotokoll zwischen Markthändlern und Kommunalreferat, das unserer Zeitung vorliegt, geht hervor, Hauptgrund für den Verzicht auf eine Neuvergabe sei der fehlende Wasseranschluss, ohne den lebensmittelrechtlich ein Betrieb als Obst und Gemüsestand nicht mehr möglich sei. Eine Ausweitung des bereits großen Blumensortiments sehen die Markthallen als nicht sinnvoll an. Das Verlegen von noch nicht vorhandenen Wasserleitungen vor der eigentlichen Renovierung stelle einen unverhältnismäßig hohen Aufwand dar.

Eine Zeitschiene für die Sanierung gibt es noch nicht. Derzeit läuft Schwartz zufolge die Vorplanung. Die Markthallen stellen ein Projektteam zusammen. Sobald dieses vom Stadtrat bestimmt sei, werde es den Händlern vorgestellt. Schwartz schätzt, dass dies im kommenden Herbst der Fall sein könnte. Der Beginn des Prozesses werde „gemeinsam begangen“. Zunächst werden die kleinen Märkte wie der Elisabethmarkt oder der Markt am Wiener Platz saniert. Im Fall des Wiener Platzes wurde im Konsensverfahren mit allen Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung gefunden. Eine ähnliche Vorgehensweise ist auch beim Viktualienmarkt denkbar.

Gerüchte, dass sich wegen der unsicheren Vergabe kaum noch Nachfolger für frei werdende Stände finden, dementiert Schwartz. Ohnehin sei dies nur bis zwei- bis dreimal pro Jahr der Fall. Die Markthallen schreiben den Platz dann öffentlich aus. Zuletzt, so Schwartz, habe es 120 Bewerbungen für einen Stand gegeben.

Klaus Vick

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