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Immer mehr schwere Corona-Fälle - Video sorgt für Ärger: Wiesn-Bedienung krank im Zelt

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Von: Nadja Hoffmann

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Wie krank ist München nach der Wiesn? Die Lage in den Krankenhäusern ist bereits jetzt angespannt. Auch deshalb sorgt das Video einer Wiesn-Bedienung, die krank gearbeitet hat, für Ärger.

München - Derzeit geht ein Video im Internet durch die Decke, auf das viele Menschen mit Wut und Unverständnis reagieren. Es zeigt die Bierzelt-Bedienung Eva, die, wie sie selbst sagt, an den letzten drei Wiesn-Tagen mit Fieber, Halsschmerzen und Schüttelfrost gearbeitet hat. Sie erklärt, dass alle ihre Kolleginnen krank seien. „Aber wir müssen uns nicht testen. Und wer sich nicht testet, ist auch nicht positiv.“ Corona-Wahnwitz, der gut zur Lage nach dem Oktoberfest passt. Denn: Während das Virus in der Stadt tobt, ist die Inzidenz am Dienstag auf dem Papier gesunken. Wie krank München wirklich ist, wird sich noch zeigen.

Zahlen sinken am Dienstag - wohl wegen des Meldesystems

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erwartet ein weiteres Ansteigen der Zahlen. „Wir werden dann mit einer Verzögerung von vielleicht zehn bis vierzehn Tagen auch mehr schwere Verläufe sehen und dann auch eine Belastung auf den Intensivstationen“, sagte er in der Fernsehsendung Frühstart. Dass die Inzidenz am Dienstag von 766,8 auf 633,6 gesunken ist, dürfte am Meldesystem und dem Feiertags-Effekt liegen. Die Gesundheitsämter meldeten am Montag, wie auch am Wochenende keine Fälle an das Robert-Koch-Institut, die Zahlen vom vergangenen Montag fallen aber aus dem System. Aller Voraussicht nach wird die Inzidenz am Mittwoch steigen.

Inzidenz seit Oktoberfest-Beginn vervierfacht

Davon geht auch Dr. Christoph Spinner, Infektiologe am Universitätsklinikum rechts der Isar, aus. Experten wie er hatten erwartet, dass die Zahlen mit Beginn der Wiesn in die Höhe schnellen. Die Dunkelziffer ist hoch, da nur PCR-Tests offiziell erfasst werden. Selbst so zeigt sich aber: „Die Inzidenzen im Stadtgebiet haben sich etwa vervierfacht: Auch bei anderen Volksfesten wurde ein zwei bis vierfacher Anstieg der Inzidenz berichtet.“ Für Spinner an sich kein Grund zur Sorge: „Die Inzidenz spielt heute keine so wesentliche Rolle mehr.“ Viel wichtiger sei die Zahl schwer kranken Covid-Patienten in den Kliniken. Spinner betont zugleich: „Die Immunkompetenz in der Bevölkerung ist durch Impfungen und Genesung deutlich gestiegen und der Anteil schwerer und tödlicher Fälle deutlich zurückgegangen. Deshalb müssen wir vor allem die Zahl der schweren Covid-19-Fälle genau beobachten; aktuell zeigt sich jedoch keine relevante und überproportionale Zunahme schwerer Fälle auf den Intensivstationen.“

Laut Statik ist seit vergangener Woche die Zahl der belegten Betten in den Münchner Intensivstationen mit Corona-Infizierten um 70 Prozent gestiegen: von 23 auf 39. Zählt man alle Corona-Betten zusammen, das sind aktuell 478, gibt es einen Anstieg von 137 Prozent. Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek betont, dass der größte Teil der Patienten aktuell „mit“ und nicht „wegen“ Corona im Krankenhaus sei. Und sie geht davon aus, dass es mehr werden: „Wir erwarten, dass die Fallzahlen nochmals deutlich steigen werden und der Gipfel der Klinik-Aufnahmen noch nicht erreicht ist.“ Erschwert wird die Lage durch immer mehr Patienten mit Atemwegserkrankungen, Mitarbeiter fallen selbst wegen Corona aus: Die Krankenhäuser stehen unter Druck.

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