Jüdischer Friedhof mit einzigartigen Inschriften wird restauriert

Mühlhausen - Im Gegensatz zu den üblichen Gepflogenheiten soll im oberpfälzischen Sulzbürg ein nicht mehr genutzter jüdischer Friedhof saniert werden.
Die Grabsteine dort seien zum Teil in einer einzigartigen Ausprägung des Hebräischen beschriftet, sagt Bürgermeister Anton Galler. Allerdings sind die Inschriften mittlerweile stark verwittert und einige der Grabstein drohen auseinander zu brechen. Bis Ende 2008 soll das Bau- und Geschichtsdenkmal für insgesamt 253 000 Euro restauriert werden. Knapp die Hälfte des Geldes wird vom bayerischen Kunstministerium zur Verfügung gestellt.
Der Friedhof in dem 600-Seelen-Ort ist Zeugnis der jahrhundertelangen jüdischen Geschichte in dem Ortsteil der Gemeinde Mühlhausen (Landkreis Neumarkt). Seit dem 14. Jahrhundert entwickelte sich dort ein bedeutendes jüdisches Zentrum in der Oberpfalz. Auch die ehemalige Synagoge ist bis heute erhalten. Weil die Juden in Sulzbürg lange Zeit weitgehend ohne Kontakt zu anderen Juden lebten, hätten sich dort auch sprachliche Besonderheiten entwickelt, sagt Galler.
Der jüdische Friedhof ist nach 1430 auf einer Anhöhe über dem Ortskern angelegt worden. Heute ist er mit einer Mauer abgegrenzt, das Eingangstor ist mit Jugendstilelementen versehen. Der älteste der rund 300 Grabsteine stammt aus dem Jahr 1647, die meisten sind allerdings im 19. Jahrhundert aufgestellt worden. Die letzte Bestattung in dem Sulzbürger jüdischen Friedhof fand 1932 statt.
Mitte des 19. Jahrhunderts waren ein Drittel der Sulzbürger Bevölkerung Juden, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wanderten aber viele aus wirtschaftlichen Gründen aus. Ende der 20er Jahre war laut dem Bürgermeister der aus Fürth stammende spätere amerikanische Außenminister Henry Kissinger öfter in einem Erholungsheim einer jüdischen Jugendorganisation in Sulzbürg zu Gast.
Die wahrscheinlich elf Juden, die 1938 noch in Sulzbürg lebten, flüchteten schließlich vor den Nazis ins Ausland oder wurden in Konzentrationslagern umgebracht. Noch heute kommen aber immer wieder Nachkommen der früheren jüdischen Bürger Sulzbürgs zu Besuch in den Ort.