Unter Trümmern begraben: Mit diesem Fahrrad-Anhänger wollte ein Vater seine Kinder zum Kindergarten fahren.

Schock in der Kapuzinerstraße

Dachsims kracht auf Gehweg: "Kinder hätten tot sein können"

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München - Schock am Freitag: Von einem Altbau an der Kapuzinerstraße löst sich ein Dachsims und kracht auf den Gehweg. Wie durch ein Wunder wird auf der belebten Straße niemand schwer verletzt.

Freitagmorgen, kurz vor acht. Autos rauschen über die Kapuzinerstraße in der Isarvorstadt, die ersten Händler sperren ihre Geschäfte an der belebten Straße auf. Vor der Hausnummer 52, an der Ecke zur Auenstraße, richtet ein Anwohner den Fahrrad-Anhänger für seine beiden Kinder her. Er geht kurz wieder ins Haus, um sie zu holen – als ein Knall das ganze Gebäude erschüttert. Augenblicke später sind der Anhänger und Fahrräder unter Schutt begraben. Ein Teil der Dachunterkonstruktion hat sich in 17 Metern Höhe gelöst, Betonteile krachen auf den Gehweg. Ein Trümmerfeld. Zerstört auch eine am Haus angebrachte Werbetafel und Teile der Ampelanlage.

Wie durch ein Wunder wird niemand schwer verletzt. Zu dieser Zeit – mitten im Berufsverkehr – sind dort viele Fußgänger, Rad- und Autofahrer unterwegs. Als der Vorfall sich ereignet, sind laut Polizei etwa zehn Personen im Gefahrenbereich. Nur eine 26-jährige Frau erleidet eine Schürfwunde am Knöchel, weil sie von herabfallenden Steinen getroffen wird. Sie trägt einen Schock davon, genauso wie ein 38-jähriger Mann, der sein Rad dort abgestellt hat.

Hausbewohner Benjamin David ist zwei Stunden später recht gefasst, als er von seinem Nachbarn und dem Anhänger berichtet: „Eine Minute später, und die Kinder wären tot gewesen!“ David, Chef der „Urbanauten“, die den Kulturstrand in der Stadt viele Jahre organisiert haben, wohnt in dem grauen Haus an der Kapuzinerstraße, Baujahr 1914. Auch seine Frau war zu jener Uhrzeit gerade dabei, die gemeinsamen Kinder anzuziehen. Auch sie wollte kurz darauf das Haus verlassen. „Ich bin so erleichtert, dass keinem der 19 Kinder hier im Haus und deren Mamas und Papas etwas passiert ist“, sagt David. Die Erwachsenen brachten die Kinder durch den Hinterausgang auf die Straße.

Margit Sporrer betreibt an der Ecke Kapuziner- und Auenstraße seit 20 Jahren einen Zeitungsladen. „Gegen 7.50 Uhr hat es auf der Straße laut gescheppert“, erzählt sie. Sie habe zunächst gedacht, dass ein Lkw, der gerade vorbeigefahren sei, seine Ladung verloren habe. Als sie dann vor ihren Laden gegangen sei, habe sie auf der anderen Straßenseite das Trümmerfeld erblickt. Passanten seien in alle Richtungen geflüchtet. An der Kreuzung habe die Radfahrerin gestanden, der offensichtlich ein kleiner Stein auf den Kopf gefallen war. Sie habe bitterlich geweint – „wohl eher aus Schock“, vermutet Sporrer. Die Frau habe gesagt, sie brauche keine Hilfe.

Kapuzinerstraße: Beton-Teile stürzen auf den Gehweg

Feuerwehr und Polizei sperren den Bereich rund um den Baldeplatz weiträumig ab, um die Trümmer bergen zu können. Bis 11.45 Uhr, also fast vier Stunden, dauert der Einsatz. Im morgendlichen Berufsverkehr gibt es kilometerlange Rückstaus über den Giesinger Berg hinaus bis zur Autobahn. Die Lokalbaukommission der Stadt sowie das zuständige Fachkommissariat der Polizei machen sich an die Ursachenforschung. Wie konnten sich die Mauerteile unterhalb der Dachkonstruktion des fünfgeschossigen Altbaus auf einer Länge von 25 Metern lösen? Auch Statiker inspizieren die Unfallstelle. Mit einer Drehleiter befördert die Feuerwehr einen Fachmann zu der Stelle, wo nun ein Loch klafft und das Gesims verschwunden ist.

Thorsten Vogel, Sprecher des Planungsreferats, wo die Lokalbaukommission (LBK) angesiedelt ist, sagt am Freitagnachmittag: „Wir vermuten, dass eine Materialermüdung die Ursache ist. Das Haus hat ja doch ein gewisses Alter.“ Die exakte Ursache zu ergründen, werde noch dauern. Auch der Hauseigentümer habe bereits einen Architekten mit der Ursachenforschung beauftragt, erklärt Vogel und ergänzt: „Die LBK überwacht, dass der Schaden behoben und das Gebäude wieder sicher benutzbar gemacht wird.“ Der Rad- und Gehweg bleibt auf Höhe des Anwesens jedenfalls bis auf Weiteres gesperrt. Auch eine Fahrbahn der Kapuzinerstraße wird auf Anweisung des Kreisverwaltungsreferats gesperrt.

Zwischenzeitlich tauchen Berichte von Augenzeugen auf, dass sich das Kabel einer Straßenbeleuchtung über der Kapuzinerstraße gelöst habe, gegen das Haus geschnalzt sei – und sich erst dann das Gesims gelöst hat. Dies dementieren Polizei und Baureferat jedoch: An der Hauswand sei unterhalb der Abbruchstelle ein Seil angebracht, an dem die Straßenbeleuchtung befestigt sei, heißt es. Das Seil sei erst durch den Abbruch aus der Verankerung gerissen und mittlerweile wieder befestigt, erklärt das Baureferat.

Benjamin David ist am Ende heilfroh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Er erzählt: „Wir machen heute Abend ein Hoffest, mit ganz viel Sekt, und feiern das Leben.“

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