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Gefahr in Schulen und Kitas? Münchner Ärzte enthüllen: So verbreiten Kinder Corona

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Von: Dirk Walter, Cornelia Schramm, Claudia Schuri

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Ein Schüler macht den Corona-Test.
Corona-Tests gehören an bayerischen Schulen längst zum Alltag. © Sebastian Gollnow

Die Sorgen vieler Eltern sind groß: Wie gefährdet sind Kinder in Schulen und Kitas? Die bayerischen Universitätskliniken haben das in einer Studie untersucht.

München - Die Corona-Infektionszahlen schießen in die Höhe, in München waren am Donnerstag in insgesamt rund 200 Schulen und Kitas Klassen beziehungsweise Gruppen in Quarantäne. Die Frage, ob Kinder Superspreader sind, ob sich das Virus besonders in Schulen verbreitet, bewegt die Gemüter. Nun gibt es gute Nachrichten. Bei der Studie Covid Kids Bavaria hatten die bayerischen Universitätskliniken im Oktober 2020, im November und Dezember 2020 sowie im März 2021 das Infektionsgeschehen in Kitas und Grundschulen untersucht.

„Die Zahlen sind sehr beruhigend“, sagte Professor Christoph Klein, Direktor der Kinderklinik am LMU-Klinikum. „Wir haben keinen Anhaltspunkt, dass die Kinder Virenschleudern waren.“ Auch Professor Johannes Hübner, Abteilungsleiter für Infektiologie der Klinik für Kinderheilkunde, bestätigte: „Kinder sind bisher nicht Treiber der Pandemie gewesen.“ Mit Hygienemaßnahmen sei sicherer Unterricht möglich.

Die Wissenschaftler hatten die Verbreitung von Corona in 99 Kitas und 48 Grundschulen in ganz Bayern analysiert. Insgesamt haben 1337 Grundschüler, 1231 Kindergartenkinder, 466 Lehrerinnen und Lehrer sowie 822 Erzieherinnen und Erzieher an der Studie teilgenommen. Bei den Tests im Herbst 2020 war nur ein Erzieher infiziert. Im November/Dezember 2020 waren drei Erzieherinnen, zwei Kindergartenkinder sowie sieben Grundschüler betroffen. In der dritten Phase im März 2021 gab es keinen positiven Test. Das Infektionsrisiko entwickelte sich analog zur örtlichen Sieben-Tage-Inzidenz.

Die Ergebnisse der Studie spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, ob Schulen und Kitas geschlossen werden. „Wir sind im ständigen Austausch mit der Wissenschaft“, betonte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU). „Seit der letzten Erhebung hat es keine bayernweiten Schulschließungen mehr gegeben.“

Derzeit 55 000 Schüler infiziert oder in Quarantäne

Derzeit (Stand Donnerstag, 20. Januar) sind bayernweit 1,36 Prozent der 1,6 Millionen Schüler mit Corona infiziert, weitere 2,05 Prozent sind in Quarantäne – insgesamt bleiben also rund 55000 Kinder in Bayern der Schule fern. Distanzunterricht in ganzen Schulen gibt es derzeit nicht, ebensowenig eine Regel, ab wie vielen Schülern in Quarantäne eine Klasse in den Distanzunterricht wechselt.

Die Unsicherheit ist groß, sagt Michael Schwägerl vom Bayerischen Philologenverband: „Es ist eine diffuse Lage.“ Er hofft, dass es keine Schließungen gibt, ausschließen möchte er es nicht. Auch Martin Schmidt vom Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband erklärt: „Es gibt keinen anderen Unterricht, der adäquat zum Präsenzunterricht ist.“ Henrike Paede vom Bayerischen Elternverband wünscht sich ebenfalls, dass die Schulen offen bleiben. „Das ist besonders wichtig für Kinder, die zu Hause nicht so gute Bedingungen haben“, sagt sie. Andererseits gibt es auch Eltern, die Distanzunterricht fordern. Eine Initiative wirbt dafür am Samstag bei einer Demo in München.

Schulen sind bereit für den Ernstfall

Die Schulen müssen für den Ernstfall bereit sein. An der Mittelschule Starnberg sind die ersten Schulwochen nach den Ferien glimpflich verlaufen. „Am ersten Schultag hatten wir zwei und diese Woche drei Fälle“, sagt Schulleiter Heinz Pressl. Doch das Omikron das ändern könnte, ist ihm bewusst. „Auf Distanzunterricht haben wir uns vor den Weihnachtsferien vorbereitet.“

Die Erkenntnisse der Studie lassen sich nicht unmittelbar auf die Omikron-Variante übertragen, die ansteckender als frühere Virus-Typen ist. Allerdings, so Hübner: „Erste Daten von Kollegen aus England und den USA zeigen, dass Kinder jetzt nicht stärker betroffen sind als Erwachsene.“ *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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