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München: Kohleausstieg rückt in greifbare Nähe

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Von: Klaus Vick

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Seine Tage sind gezählt: Der Kohleblock im Heizkraftwerk Nord soll möglichst bald stillgelegt werden. ms
Seine Tage sind gezählt: Der Kohleblock im Heizkraftwerk Nord soll möglichst bald stillgelegt werden. © Marcus Schlaf

Kommt der Kohleausstieg in München doch früher als geplant? Grüne und SPD fordern in einem Antrag die Umstellung auf Erdgas am Heizkraftwerk Nord.

Der Kohleblock im Heizkraftwerk (HKW) Nord soll nach dem Willen der grün-roten Rathaus-Regierung früher als geplant stillgelegt werden. In einem gemeinsamen Antrag fordert die Koalition die Stadtwerke (SWM) auf, zu prüfen, ob eine Umstellung des Block 2 am HKW Nord von Steinkohle auf Erdgas zur Heizperiode 2022/2023 möglich ist. Damit würde die Stadt nun doch überraschend das Votum des Bürgerentscheids „Raus aus der Steinkohle“ vom November 2017 umsetzen.

Damals hatten sich 60,2 Prozent der Abstimmenden für einen Kohleausstieg bis 2022 ausgesprochen.

Bislang war man davon ausgegangen, dass der Kohleblock mindestens bis 2028 betrieben werden muss – weil das Kraftwerk Nord im deutschen Stromnetz systemrelevant ist. Erst wenn die großen Stromtrassen im Norden fertiggestellt seien, würde sich das ändern. So jedenfalls war stets die Einschätzung der Stadtwerke. 2019 hatte die Bundesnetzagentur München sogar den Kohleausstieg untersagt.

Ausgangslage hat sich geändert

Nach Meinung von Grünen und SPD hat sich die Ausgangslage jedoch geändert. Die Umstellung des Brennstoffs am Block 2 sei nämlich vor allem an der mangelnden Verfügbarkeit von ausreichend Erdgas an diesem Standort gescheitert, schreibt die Koalition in ihrem Antrag. Zudem sei unklar gewesen, ob der Kessel, der auf das Brennverhalten von Kohle ausgelegt ist, dauerhaft mit Erdgas betrieben werden könne.

Der Ausbau des Ferngasnetzes, insbesondere der Monaco-Leitung und die 2022 anstehende Ertüchtigung der für das Heizkraftwerk erforderlichen Gasverteilstation, schaffe nun jedoch neue Voraussetzungen. Grüne und SPD wollen daher die Umstellung des Kohleblocks auf den Betrieb mit Erdgas erneut prüfen lassen.

Kohleausstieg könnte bereits 2022/23 erfolgen

Diese Variante hätte nach Auffassung der Rathaus-Regierung mehrere Vorteile: So wäre das bisher für den Kohleausstieg im Raum stehende, kurzfristig neu zu bauende Gas- und Dampfturbinen-Erdgas-Kraftwerk nicht mehr nötig. Dadurch würde Zeit gewonnen, die Wärmelücke künftig mit regenerativen Energien und eventuell Wasserstoff zu decken. Außerdem könnte der Kohleausstieg bereits ab der Heizperiode 2022/2023 erfolgen.

Dominik Krause, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen, erklärte am Montag: „Es spricht alles dafür, die Umrüstung vertieft zu prüfen und so rasch wie möglich zu realisieren.“ Für Simone Burger, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD, wäre dies ein großer Schritt für den Klimaschutz. Ziel bleibe jedoch der komplette Umstieg auf regenerative Energien.

Mona Fuchs, zusammen mit Krause Vize-Chefin der Grünen, betont, „dass Erdgas per se keine Brückentechnologie ist“. Doch bis Münchens Energiesystem gänzlich auf Erneuerbare umgestellt werden kann, sei man in manchen Fällen auf die Nutzung dieses Brennstoffs angewiesen. KLAUS VICK

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