Er war polizeibekannt

Geldtransporter entführt: Rijad K. erbeutete Millionenbetrag 

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Der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma ist in München mit einem Geldtransporter durchgebrannt - mit einer siebenstelligen Summe an Bord. Auch am Freitag ist der 26-Jährige noch nicht gefasst.

München -  Die Polizei in München sucht weiter nach dem Fahrer eines Geldtransporters, der mit gut einer Million Euro auf der Flucht ist. Zunächst hatte es geheißen, der Wert der Beute betrüge mehrere Hunderttausend Euro.  

Zielfahnder jagen den Räuber, der laut Polizei nicht bewaffnet sein soll. Eine erste Großfahndung der Polizei mit Hunden und Hubschrauber blieb erfolglos: Von dem aus Dachau stammenden Fahrer sowie dem Bargeld fehlt bislang jede Spur.

Wie am Freitag außerdem bekannt wurde, ist der Mann wegen kleinerer Vergehen wie Diebstahl und Körperverletzung bereits polizeibekannt. Für einen Eintrag im Führungszeugnis waren diese Vergehen allerdings nicht gravierend genug gewesen. 

So lief der Coup

Der kriminelle Coup mitten in der Blumenau klappte wie geschmiert. Der Geldtransportfahrer Rijad K. (26) der als Leiharbeiter bei der Firma Prosegur arbeitete, trickste Donnerstagfrüh seine Kollegen aus und türmte mit der Beute. Der verlassene Geldtransporter wurde kurz darauf in der Nähe auf einem Parkplatz der Rolf-Pinegger-Straße gefunden – verlassen und leer! Möglicherweise hatte K. einen Komplizen.

Es waren drei Prosegur-Kollegen, die morgens zur festgelegten Zeit und auf festgelegter Route die hohen Einnahmen ihrer Kunden abholen bzw. transportieren sollten. Der Fahrer blieb im Auto und wartete. Die beiden anderen Kollegen holten die speziell gesicherten Geldkoffer. Das nimmt meist mehrere Minuten in Anspruch – ein Umstand, der dem Gelddieb nutzen sollte.

Hier hat der Täter den Geldtransporter abgestellt.

Genauso war es auch am Donnerstag. Vor der Bäckerei Zöttl in der Blumenauer Straße ließ der Fahrer seine beiden Kollegen aussteigen. Gemeinsam verschwanden sie in einer nahen Bank. Kaum außer Sichtweite gab der 26-Jährige Gas! Zeugen sahen den auffälligen gelben Prosegur-Transporter um die Ecke in die Rolf-Pinegger-Straße abbiegen. Keine 400 Meter weiter bog das Fahrzeug auf einen von der Blumenauer Straße nicht einsehbaren Anwohner-Parkplatz ab. Dort wartete vermutlich schon der Komplize. In der Feuerwehr-Anfahrt müssen die Männer in aller Eile die Geldladung zusammengerafft haben. Anwohner schilderten der Polizei später, dass sie zwei Männer eilig durch die Grünanlage an den Hauseingängen entlang laufen sahen. Vermutlich parkte auf der anderen Seite der Fluchtwagen. Und weg waren sie. Als die Kollegen nach einiger Zeit aus der Bank traten, waren die Diebe über alle Berge.

Der schnelle Fahrzeugwechsel war klug gewählt. Geldtransporter sind mit Ortungstechnik ausgestattet. Mit diesem Fahrzeug wären die Täter nicht weit gekommen. Die Fahndung läuft auf Hochtouren. Alle Anwohner wurden befragt, Fährtenhunde folgten dem Fluchtweg der Männer. Der Transporter wurde abgeschleppt und wird jetzt kriminaltechnisch untersucht.

Bei dem gesuchten Prosegur-Mitarbeiter soll es sich um Rijad K. (26) handeln, ein in Dachau lebender Serbe. Ob ihm das Geld Glück bringt, ist fraglich. Dem rosaroten Höhenflug nämlich folgt bald die harte Landung.

So erging es jedenfalls dem Geldtransportfahrer Sven K.. Im Januar 2007 türmte der damals 32-Jährige mit 3,6 Millionen Euro. Er wurde der einsamste Millionär der Welt. Nach 458 Tagen Flucht rund um den Globus ließ er sich festnehmen – und war heilfroh. Die Angst vor Entdeckung, Verrat, ständige Ortswechsel und Abbruch aller persönlichen Kontakte hatten in psychisch ausgehöhlt. Er wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt und ist heute wieder ein freier Mann.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Laim - mein Viertel“.

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