Baulücke an der Münchner Türkenstraße.
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Mehrfach gewinnbringend weiterverkauft: Die Baulücke an der Türkenstraße zeigt nach Ansicht von Nachbarn exemplarisch, wie Wohnungsbau hinter Profitdenken zurücksteht.

Ganzes Haus seit mehreren Jahren unbewohnt

Leerstehender Wohnraum in München: Politiker decken mögliche Fälle von Spekulation auf

  • Susanne Sasse
    vonSusanne Sasse
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  • Klaus Vick
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In München wird viel vorhandener Wohnraum nicht genutzt. Oftmals handelt es sich wohl nur um Spekulationsobjekte. Die Linke ist diesem Misstand auf die Spur gegangen.

  • In München ist der Wohnraum im Vergleich zu den Interessenten extrem knapp.
  • Dabei scheinen manche Eigentümer gar nicht darauf aus zu sein, schnell zu vermieten.
  • Die Linke fordert OB Dieter Reiter nun zu einer Reaktion auf.

München - Es sind nur zehn Beispiele aus einer Vielzahl von Objekten, aber sie stehen für einen großen Missstand in der Stadt: Leerstand von Wohnraum. Mitarbeiter der Münchner Stadtratsfraktion Die Linke haben über Monate Fälle von mutmaßlicher Zweckentfremdung dokumentiert. Die Partei will auf Grundlage dieser Recherche eine umfangreiche Anfrage an OB Dieter Reiter (SPD) richten, wie die Stadt „dem Missbrauch von Eigentum“ entgegenwirken will.

Statistiken über den Leerstand in München gibt es wenige. Bei den städtischen Wohnungen sind es rund 0,5 Prozent. Die letzte Hochrechnung für den Privatmarkt datiert aus dem Jahre 2014. Von etwa fünf Prozent ist die Rede, was knapp 40.000 Wohnungen entspräche. Baulich bedingter Leerstand sei nicht in Gänze zu vermeiden, schreibt die Linke. Dennoch handele es sich um ein grundlegendes Problem angesichts des Wohnungsnotstands. „Es darf nicht geduldet werden, dass Wohnraum durch die Wette auf steigende Bodenpreise zum Spekulationsobjekt verkommt“, heißt es im Anfragen-Katalog.

Die meisten leer stehenden Objekte hat die Linke in der Maxvorstadt und in Schwabing ausfindig gemacht. Addiert kommt die Stadtratsfraktion auf knapp 200 Wohnungen. Ein trauriges Beispiel sei die Türkenstraße. Dort sei ein Komplex zehn Jahre lang leer gestanden und mehrfach gewinnbringend weiterverkauft worden. Nun soll nach langer Zeit ein Neubau entstehen.

Ein Bewohner des benachbarten Hauses, in dem auch fünf Wohnungen leer stehen, hat eine klare Vermutung: „Das ist reine Spekulation. Da geht es nicht primär darum, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“ Mehr als 60 Wohnungen seien verschwunden. Dort, wo jetzt eine Baulücke klafft.

An der Barer Straße war ein Haus mit rund 20 Wohnungen mehrere Jahre unbewohnt. Nun sollen dort Luxuswohnungen entstehen. Von einem ähnlichen Vorgehen berichtet die Linke bei zwei Häusern an der Steinheil- und an der Herzogstraße. Teils verkomme die Bausubstanz. Linke-Stadtrat Stefan Jagel fordert: „Wir brauchen für das Univiertel eine Erhaltungssatzung.“ Mit einer solchen Regelung kann die Stadt die Umwandlung bestehender Mietwohnungen in luxuriöse Eigentums-Appartements verbieten. Jagel plädiert zudem dafür, die Zweckentfremdungssatzung zu verschärfen. Dies würde für alle Stadtteile gelten.

Etwa an der Milbertshofener Zietenstraße - wo es nach Auskunft der Linke eine Zeile gibt, in der laut Bewohnern bereits 50 von insgesamt 200 Wohnungen leer stehen. Viele Mieter hätten „aus Angst vor den Entmietungsstrategien des Eigentümers“ das Weite gesucht. (kv/sas/skr)

Auch mehrere Wohnungsdetektive haben bereits Fälle von illegaler Zweckentfremdung von Wohnraum aufgedeckt. Ein Münchner Makler-Duo warnt vor Betrug bei besonders günstigen Wohnungen - nachdem es selbst zum Opfer geworden war. In München sollen 15.000 zumeist günstige neue Wohnungen an einem Fleck entstehen.

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