Baumfällarbeiten Fraunhoferstraße
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Demonstranten versammelten sich gestern während der Abholz-Aktion im Kastaniengarten des ehemaligen Trattoria Santinti.

Trotz Protest

Kastanien für Luxusbau an Fraunhoferstraße gefällt

  • Johannes Welte
    VonJohannes Welte
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München - Alles Protestieren der Münchner hat nichts geholfen: An der Fraunhoferstraße wurden am Dienstag sechs 50 Jahre alte Kastanien gefällt, weil dort ein Luxusbau entstehen soll. Die Empörung darüber ist groß.

Zum Schluss ging alles ganz schnell: Am Dienstag rückten im Morgengrauen die Holzfäller in der Fraunhoferstraße an. Sie machten den sechs über 50 Jahre alten Kastanien, die Generationen von Münchnern beim Vespern Schatten gespendet hatten, den Garaus. Hilflos mussten Demonstranten zusehen, wie erst die Äste und dann die Stämme fielen.

Hier sollen die „Glockenbachsuiten“ entstehen, ein Luxus-Projekt. Genau 11.699 Unterstützer hatte die Online-Petition des Stadtbild-Aktivisten Andreas Dorsch unterschrieben. Darin forderte der Harlachinger die Stadtbaurätin Elisabeth Merk auf, das Projekt zu stoppen, da es eine erhaltenswerte Grünfläche zerstören würde. Die dort geplante „Luxusburg“, so Dorsch, zerstöre das gewachsene Stadtbild.

Kaufpreis: 7500 bis 11.000 Euro pro Quadratmeter

Schon auf über 100 Jahre alten Fotos aus der Sammlung Karl Valentins war auf der Fläche ein Kastaniengarten zu sehen. Dahinter stand damals ein großes Haus. Es wurde im Krieg zerbombt und dann nur ein Erdgeschoss hoch wieder aufgebaut – die ehemalige Trattoria Santini.

Merk antwortete Dorsch, das Bauvorhaben sei „nicht rückholbar“, weil die Baugenehmigung bereits erteilt sei. „Ich darf betonen, dass wir inhaltlich nicht weit auseinanderliegen, dass wir uns aber nicht über bestehendes Baurecht hinwegsetzten können“, so Merk.

Bis Ende 2015 sollen auf dem Grundstück 25 zwischen 50 und 150 Quadratmeter große Wohnungen entstehen. Der Kaufpreis: Stolze 7500 bis 11.000 Euro pro Quadratmeter. Bauherr ist das Unternehmen Concept Bau. Projektleiter Matthias Kofalk sagt: „Wir mussten mit dem Fällen bis zum Herbst warten.“ Schon im November soll der Abriss und danach der Neubau beginnen.

Johannes Welte, Jacob Mell

Halloween: Immobilien-Horror-Umzug

So sollen die Glockenbach-Suiten aussehen, die an der Erhardtstraße geplant sind

Andreas Dorsch, Initiator der Petition zum Erhalt des Kastaniengartens, ruft zu einem „Stadtplanungshorrortrip“ an Halloween auf, um gegen den Umbau der Isarvorstadt zum Luxusquartier zu demonstrieren.

Treffpunkt ist am Donnerstag um 19 Uhr an der Ecke Erhardtstraße/Reichenbachbrücke, direkt gegenüber dem ehemaligen Biergarten. Dorsch: „Wir werden von dort aus über die Stationen Fraunhofer Schoppenstube, Gärtnerplatz und The Seven bis vor die Lokalbaukommission ziehen.“ An den jeweiligen Stationen soll es kurze „Trauerreden“ geben. Etwa um 21 Uhr soll der „Spuk“ ein Ende haben. Dorsch: „Es wäre schön wenn alle verkleidet und mit Lampions kommen würden, um dem Ganzen eine tragende, aber auch gruselige Atmosphäre zu verleihen.

WE

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