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Pack ma's: In 36 Schichten schuften jeweils mehr als zehn Helfer - darunter auch Regisseur Marcus H. Rosenmüller.

Wir schaffen das

Bellevue beginnt mit Sanierung an der Müllerstraße

München - Es geht voran an der Müllerstraße, die Sanierung der Häuser 2 bis 6 hat begonnen. Hier sollen unter anderem Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen.

Vor dem offenen Eisengatter stehen Lampen, alte Bilder, unnütz gewordener Zierrat – zum Mitnehmen für Passanten. Und hinter dem Eisengatter wandern morsche Einbauschränke und angestaubte Möbel in den Sperrmüll. Es geht voran an der Müllerstraße – Monaco mistet aus. Mit der Entrümpelung hat am Montag die Sanierung der Häuser 2 bis 6 begonnen. Alles muss raus!

Entstehen sollen in den nächsten Monaten nicht nur Wohnungen für Flüchtlinge, sondern auch ein Begegnungszentrum: ein Infocafé, das von den Bewohnern mitbetrieben wird. Und in der Müllerstraße 2 große Räume für Veranstaltungen, Workshops und Gruppentreffen.

Geplant sind zudem Wohngemeinschaften für 20 Jugendliche, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Dann zählen sie nicht mehr zu den so genannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Und das birgt Probleme, denn dann fallen viele Hilfsangebote weg. „Da wollen wir einspringen“, sagt Matthias Weinzierl von der Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco. Die hat die Gebäude in Erbpacht von der Stadt übernommen. Ein zähes Ringen (siehe Kasten unten).

Ferner entstehen an der Müllerstraße Wohnungen für Alleinerziehende und Familien, die „aufgrund ihrer Situation die Unterkünfte verlassen dürfen“, sagt Weinzierl. Etwa, wenn ein Kind krank ist.

Die Sanierung erfolgt im Bestand, „was wir erhalten können, das erhalten wir auch“, sagt Weinzierl. Ausgetauscht werden etwa die Türen oder die Elektrik. Vorher wird entrümpelt. „Wir haben mit zwei Wochen kalkuliert, werden aber wohl früher fertig.“ Dafür schuften die Ehrenamtlichen der eigens eingerichteten „Bauhütte Bellevue“: 36 Schichten, jeweils gut zehn Mann! Es bewegt sich etwas an der Müllerstraße. Draußen vor dem Eisengatter etwa, „da ist schon die Hälfte weg“, ruft eine Helferin. Die schaffen was!

Ich bin Bauingenieur und habe Erfahrung

Packt mit an: Robert Sattler.

"Ich bin Bauingenieur, und ich habe selbst ein kaputtes Haus, wo ich immer wieder Hand anlegen muss. Bei diesem Projekt habe ich mich eingekauft und helfe heute dabei, die alten Türen auszutauschen." Robert Sattler, 65

Eine gute Sache – da helfe ich gerne!

"Es ist eine gute Sache, ein gutes Projekt, das hier entsteht. Da helfe ich gerne. Ich habe auch Zeit, denn ich bin mit der Schule fertig und warte auf den Studienbeginn. So kann ich die ganzen zwei Wochen helfen."

Quentin Gaschler, 19

Besuch aus Barcelona

Helen Zaiser hilft ebenfalls.

"Ich lebe eigentlich in Barcelona, doch während der Wiesn arbeite ich in einem Hostel in München. Ich habe gerade Zeit und mich daher entschlossen, beim Entrümpeln in der Müllerstraße zu helfen. Das ist ein wunderbares Projekt." Helen Zaiser, 26

Der Kampf um die Müllerstraße

Es war ein zähes Ringen: 2012 präsentierte die Stadt Pläne für einen Abriss der Gebäude. Dagegen regte sich Widerstand. 2013 gründete Kabarettist Till Hofmann die fiktive Immobilienfirma Goldgrund, um im Glockenbachviertel gegen Immobilienspekulation zu kämpfen. Höhepunkt der Aktionen: Als Gorillas verkleidete Prominente – darunter Dieter Hildebrandt – stürmten eine Wohnung in der Müllerstraße 6 und renovierten sie. Die Stadt lenkt 2014 ein – auch weil nicht klar ist, warum für sechs Millionen Euro neu gebaut werden muss, wenn renovierbare Wohnungen da sind. Erst soll nur das Eckhaus erhalten bleiben, im Juli 2015 dann auch die Häuser 2 und 4. Im Januar 2016 erhält Bellevue die Gebäude in Erbpacht auf 40 Jahre. 2,6 Millionen Euro wird die Sanierung wohl kosten. Die Stadt bezuschusst sie mit 1,7 Millionen Euro. Der Rest kommt von Spenden.

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