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Flüchtlinge wollen zurück ans Sendlinger Tor

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Von: Moritz Homann

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Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern vor einem Zelt am Sendlinger Tor in München. © dpa

München - Die Flüchtlinge, die bis vor einigen Tagen im Hungerstreik waren, wollen am Sendlinger Tor wieder ihr Zelt aufschlagen. Die Stadt hat den Standort verboten und ihnen den Stachus angeboten – den die Protestler ablehnen. Jetzt wollen sie vor Gericht ziehen.

Der Platz neben der Tramhaltestelle Sendlinger Tor sieht friedlich aus. Ab und zu fährt die Christkindl-Tram vorbei, eine blaue MVG-Bude steht verlassen auf dem hügeligen Pflaster. Noch vor anderthalb Wochen spielten sich hier dramatische Szenen ab: Mehr als 30 Flüchtlinge waren im Hungerstreik, schliefen bei Eiseskälte in einem offenen Zelt.

Wenn es nach den protestierenden Asylbewerbern geht, könnte es bald wieder so sein – nur ohne Hungerstreik. Um auf ihre Sache aufmerksam zu machen, wollen sie ihr Zelt wieder auf dem Platz aufschlagen. Bis zu 15 Asylbewerber, so ihre Vorstellung, könnten dort Passanten über den vergangenen Hungerstreik und ihre Ziele und Wünsche informieren.

Dem schiebt die Stadt aber einen Riegel vor. Als die Asylbewerber die Veranstaltung am Montag beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) anmelden wollten, hieß es: nicht am Sendlinger Tor. „Wir haben versucht ihnen klarzumachen, warum wir den Standort nicht gut finden“, sagt KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle. Grund dafür sei vor allem die Christkindl-Tram und die Nutzung durch die MVG.

Stattdessen hat das KVR den Stachus angeboten, den Platz vor dem Königshof. Mindestens genauso prominent. Aber davon wollten die Flüchtlinge nichts wissen, sie wollten ans Sendlinger Tor. „Wir haben versucht, ihnen mit Engelszungen klarzumachen, dass das nicht geht“, sagt Blume-Beyerle. Das Gespräch habe schließlich „ziemlich ruppig geendet“.

Die Flüchtlinge argumentieren, dass sie am Sendlinger Tor eine bessere Infrastruktur haben: In der Nähe sind der Flüchtlingsrat und das Büro der Grünen, wo sie sich aufwärmen oder auch duschen können. „Da wäre doch auch genug Platz am Sendlinger Tor“, findet Flüchtlinge-Sprecher Adeel Ahmed.

Jetzt wollen sie ihr Zelt erstmal nirgends aufschlagen, sondern gegen das Verbot für den Platz am Sendlinger Tor vor Gericht ziehen. „Wir warten auf das schriftliche Verbot und gehen dann dagegen vor“, kündigt Ahmed an. Sollten sie ihr Zelt trotz Verbots am Sendlinger Tor aufschlagen, werde die Polizei das unterbinden, kündigte Blume-Beyerle an.

Doch von Verboten will sich Ahmed nicht abschrecken lassen. 200 protestierende Flüchtlingen aus anderen Städten hätten schon bei ihm angerufen. „Wir könnten fünf Zelte in der ganzen Stadt aufschlagen“, überlegt er. Am Stachus, am Sendlinger Tor, oder am Marienplatz – vor dem Rathaus.

Dort lässt sich der Chef nicht beeindrucken. „Ich werde mich in keiner Weise durch Androhungen, weitere Aktionen oder öffentliche Angriffe wie den Offenen Brief unter Druck setzen lassen“, sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Die Gruppe hatte ihm einen Offenen Brief geschrieben, in dem sie klagen, Reiter habe sie aus München rausgeworfen. Vergangene Woche mussten die protestierenden Flüchtlinge, die aus ganz Deutschland kommen, zurück in ihre zugewiesenen Unterkünfte. Sie wollen aber zusammen in München bleiben, bis im Rathaus das von Reiter initiierte Gespräch mit höheren politischen Ebenen zur Asylpolitik stattfindet.

Reiter fürchtet, dass sich die Flüchtlinge mit ihrem neuen Aufbegehren keinen Gefallen tun: „Ich bin besorgt, ob durch solche Aktionen wie zuletzt durch den objektiv unzutreffenenden Offenen Brief diejenigen Politiker und die vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich der Sache der Flächtlinge angenommen haben, nicht verunsichert werden“, sagt er.

Ein genauer Termin für das Gespräch im Rathaus steht noch nicht fest. Auch wer teilnehmen wird, ist noch unklar. Reiter hatte diverse Bundes- und Staatsminister, Vertreter der Stadt und der Flüchtlinge eingeladen.

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