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Ein Politikum: Das Haus an der Müllerstraße 6. Lange stand es leer, bald könnte hier ein Flüchtlingszentrum entstehen.

Flüchtlingsprojekt kommt

Müllerstraße: "Bellevue" statt Abriss

München - Der Stadtrat kippt wohl den Beschluss, die Häuser Müllerstraße 2 und 4 zu beseitigen – dort soll stattdessen das Flüchtlingsprojekt  "Bellevue di Monaco" unterkommen. 

Vor knapp zwei Jahren wurden die Häuser an der Müllerstraße 2-6 in München zum Politikum: An ihrem Beispiel prangerte die Aktivistengruppe „Goldgrund“ den Leerstand städtischer Wohnungen an – ein nicht hinnehmbarer Zustand in einer Stadt, in der die Mietpreise explodieren und viel zu wenig Wohnraum vorhanden ist. Der Stadtrat beschloss dann im Februar 2014, zwei der drei Häuser abzureißen und an selber Stelle Sozialwohnungen zu errichten. Nun zeichnet sich jedoch ab, dass das Gremium in seiner morgigen Vollversammlung diese Entscheidung kippen wird.

Die Goldgrund-Aktivisten und viele andere namhafte Unterstützer (darunter die Kammerspiele, das Lustspielhaus, die Glockenbachwerkstatt und der Flüchtlingsrat) hatten das Wohn- und Kulturprojekt „Bellevue di Monaco“ angeregt. Die Häuser an der Müllerstraße würden dafür nicht abgerissen, sondern instandgesetzt. Ein Zentrum für neu ankommende Flüchtlinge könnte in den Räumen entstehen, inklusive Cafébetrieb und Beherbergungsstätte. Damit wollen die Unterstützer in zentraler Lage ein Zeichen für ein offenes München setzen: Flüchtlinge sind bei uns willkommen.

Die Fraktionen im Rathaus zeigen sich angetan von dem Integrations-Projekt. Man werde dem Beschluss für Bellevue di Monaco zustimmen, ließ die Sprecherin der Rathaus-SPD wissen. Auch die CSU sendet positive Signale. „Ich habe das Projekt von Anfang an unterstützt. Es ist für München sehr wichtig“, sagte der Zweite Bürgermeister Josef Schmid. Die Chancen für Bellevue di Monaco stehen also nicht schlecht.

Dem Erdboden gleichgemacht: Das haus an der Pestalozzistrasse 2. Auf dem Grundstück werden Container aufgestellt.

Bei einem anderen Gebäude in der Altstadt, an dem sich ebenfalls Protest entzündet hatte, hat die Stadt nun Fakten geschaffen: Das schmucklose grüne Haus an der Ecke Pestalozzi- und Blumenstraße ist abgerissen worden. Prominente wie der Kabarettist Frank-Markus Barwasser und der Schriftsteller Friedrich Ani hatten das verhindern wollen und im Herbst medienwirksam dagegen protestiert. Sie wollten das Haus, das lange leer stand, erhalten – als Symbol für eine Stadt mit Ecken und Kanten, Platz für Subkultur und sozial Schwache auch in aufgewerteten Vierteln. Vor wenigen Wochen rollten jedoch die Bagger an und machten das Gebäude dem Erdboden gleich.

Dennoch dürften die Protestler mit der künftigen Nutzung einverstanden sein. „Sobald die Fläche komplett frei ist, sollen Container aufgestellt werden“, sagte ein Sprecher des Kommunalreferats. In den vorübergehend aufgestellten Bauten will die Stadt Flüchtlinge unterbringen. Damit die Fläche mitten in der Innenstadt einigermaßen ansehnlich bleibt, sollen die Container mit einer Wärmedämmung ummantelt werden. Die Flüchtlinge sollen bleiben, bis das Gelände mit 30 Sozialwohnungen neu bebaut wird.

Janina Ventker

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