Mehr Lärm senkt die Mieten: Diese These vertreten Florian Raabe, Thomas Suren und Nadja Zängerlein (v.li.) foto; fkn

"Lärmparade" am Sonntagabend

Warum eine Initiative mehr Lärm für München fordert

München - Eine Initiative lädt am heutigen Sonntag zur „Krachparade“ durch das Glockenbachviertel ein – die These: Wo es lauter ist, wird nicht luxussaniert.

Laute Musik schallte durch die Straßen, verkleidete Demonstranten tanzten und forderten „Lärm rauf, Mieten runter!“ Vor zwei Jahren kämpfte die Initiative „Mehr Lärm für München“ gegen das Ende der Szene-Kneipe „Schwabinger 7“. Am Sonntag soll es wieder laut werden, diesmal im Glockenbachviertel. Und auch diesmal soll es im Kampf gegen Luxussanierungen krachen.

Die Idee - Lärm gegen Luxussanierungen

„Sappralott, wem gehört die Stadt?“ Das fragt Thomas Suren (30) in der Einladung zur Krachparade. Der Biophysiker ist einer der Organisatoren der Demonstration, er und seine Mitstreiter fordern „mehr Lärm für München“. Ihr Ziel: Luxussanierungen verhindern. „Früher war das Glockenbachviertel voller Leben“, sagt Suren. Vor allem die Bars und Kneipen hätten das Viertel zu etwas Besonderem gemacht. „Die Gentrifizierung drängt das alles zurück“, klagt er. Viele Kneipen und Restaurants seien durch Läden ersetzt worden, die pünktlich um 20 Uhr schließen. „Mehrere Studien zeigen, dass Lärm und niedrigere Mieten Hand in Hand gehen“, führt Suren aus. Deshalb müsse alles raus, was Lärm macht, damit die Investoren hohe Preise erzielen können.

„Am Gärtnerplatz sieht man das schon“, klagt Suren. Früher hätten sich dort abends Leute getummelt und noch ein Bier getrunken. „Heute laufen da Streetworker rum und sorgen dafür, dass um 22 Uhr Ruhe ist.“ Gegen steigende Mieten schlagen sie auf ihrer Internetseite einen Drei-Punkte-Plan vor. „Der ist aber mit einem Augenzwinkern zu sehen“, warnt Thomas Suren. Von der Stadt fordern sie, die Sperrstunde für Schankflächen im Freien in der Innenstadt aufzuheben, denn wer es ruhig wolle, der sei in der Innenstadt falsch. Als zweiten Schritt soll die Stadt Musiker und Künstler bezahlen, die am Gärtnerplatz für Musik und „wildes Treiben“ sorgen. In Vierteln, deren Mieten deutlich über dem Durchschnitt liegen, sollen Lautsprecher installiert werden. „Sobald ein festgelegter Dezibelwert unterschritten wird, erklingt fortan Musik“, heißt es auf der Internetseite von „Mehr Lärm für München“. „Mit den Farbbeutelschmeißern haben wir aber nichts zu tun“, versichert Suren lachend.

Stadt trägt Mitschuld

Doch für die Organisatoren der Demonstration sind nicht nur die Investoren schuld an den Veränderungen: Auch die Stadt sei nicht unschuldig, meint Suren. Gebäude aus der öffentlichen Hand seien an Investoren verkauft worden, anstatt sie den Bürgern zur Verfügung zu stellen oder bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das zuständige Kommunalreferat wies die Vorwürfe jedoch zurück: „Von einer Unterstützung von Luxus-Investoren kann nicht die Rede sein“, erklärte Sprecherin Antje Jörg. Vielmehr gebe es vom Stadtrat vorgegebene Kriterien, die Käufer oder Bauträger erfüllen müssten.

Protestieren werden die Sanierungs-Kritiker am Sonntag trotzdem. Vom Gärtnerplatz aus wird um 18 Uhr die Krachparade durch das Glockenbachviertel ziehen und am Ende am Gärtnerplatz musizieren. „Bis dann die Streetworker kommen und für Ruhe Sorgen“, lacht Thomas Suren.

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Emil Nefzger

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