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Die zersplitterte Glasfront des Gebäudes an der Baldestraße in München.

Wut auf Luxussanierung?

Glockenbachviertel: Wieder Steinwürfe auf Bauträger-Büro

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Im Glockenbachviertel haben Unbekannte ein Gebäude in der Baldestraße verwüstet. Es ist nicht die erste Attacke auf das Büro eines Bauträgers. 

München - Zwei Passantinnen gehen an diesem Abend die Baldestraße im Glockenbachviertel entlang. Am Gebäude mit der Hausnummer 5 bleiben sie stehen und schütteln den Kopf. Dann sagt eine der beiden Frauen: „Schon wieder. Warum machen die das? Das hat doch keinen Sinn.“

Ja, schon wieder. Wie bereits im Juni dieses Jahres wurde die große Glasfront eines Büros im Erdgeschoss des Gebäudes schwer beschädigt. Es gehört der Firma Euroboden, einem Münchner Bauträger. Die Scheiben sind gesplittert. Es könnten Steine gewesen sein. Doch die Polizei tappt noch im Dunkeln, sowohl was den Hergang angeht, und erst recht was die Täter betrifft. Auch bei dem Anschlag vom Juni konnten bisher keine Verdächtigen gefunden werden. Nun ermittelt die Kriminalpolizei erneut wegen Sachbeschädigung.

Tatort Glockenbachviertel - gezielt gewählt?  

Der aktuelle Fall ereignete sich in der Nacht von Montag auf Dienstag – vermutlich zwischen drei und vier Uhr morgens. Eine Polizeistreife wurde auf die zersplitterten Scheiben aufmerksam. Zeugen gebe es nicht, heißt es. Noch verwunderlicher: Auch für den Vorfall vom Juni gibt es laut Polizei keine Zeugenaussagen. Dabei ist der Tatort ein dicht besiedeltes Wohngebiet. In dem Gebäude selbst wohnen zehn Parteien. Früher war hier ein Arbeiterwohnheim. 

2003 hatte die Firma Euroboden, ein europaweit agierender Bauträger, das Haus in zehn Wohnungen und ein Büro umgewandelt und dafür ein Jahr später sogar den Fassadenpreis der Stadt bekommen. Firmenchef Stefan Höglmaier hat sich in München und Berlin bei der Entwicklung architektonisch anspruchsvoller Wohnimmobilien einen Namen gemacht, unter anderem beim Umbau des Hochbunkers an der Ungererstraße in Schwabing.

Zersplitterte Scheiben: Wieder haben unbekannte Täter die Glasfront eines Büros an der Baldestraße beschädigt. In dem Haus war früher ein Arbeiterwohnheim.

Frust auf die Luxussanierer?

Ein Zufall wird es wohl nicht sein, dass das repräsentative Büro des Bauträgers erneut Ziel einer derartigen Attacke wurde. Die Polizei sagt, sie ermittle in aller Richtungen. Ein politisch motivierter Akt – womöglich aus dem linksextremem Spektrum – sei nicht auszuschließen. Im Glockenbachviertel gab es in den vergangenen Wochen und Monaten vermehrt Schmierereien an Hauswänden, auch in unmittelbarer Nachbarschaft des Gebäudes an der Baldestraße. Meist werden Luxussanierung und Mieterhöhung angeprangert.

Für Schlagzeilen sorgte 2016 eine Farbattacke auf ein Nobelwohnprojekt.

Die geschädigte Firma Euroboden gibt sich auf Nachfrage schmallippig. Das Unternehmen hat kein Interesse daran, dass der Vorfall an die große Glocke gehängt wird. Man habe Anzeige erstattet, bestätigt ein Firmensprecher. Mehr wolle man nicht sagen. Auch die Anwohner sind eher schweigsam. Manche klagen, dass nach den Medienberichten vom Sommer alles noch schlimmer geworden sei. Offenbar gebe es einen Nachahmeffekt, Trittbrettfahrer würden angelockt. Dies alles sei sehr traurig, sagt eine Frau. 

Das sagen Anwohner

Charme ist weg- Ich habe für die Zerstörungswut überhaupt kein Verständnis. Ich kenne das Viertel schon seit fast 20 Jahren. Jetzt habe ich mein Büro noch hier. Heute ist das hier eine hippe Gegend. Das Viertel hat sich zu seinem Nachteil verändert – der Charme ist weg. Christiane Burkhardt (51), Übersetzerin.

Selbst ein Opfer - Diese Schmierereien sind Sachbeschädigung. Auch unser Haus wurde schon mehrmals beschmiert. Ich rate Eigentümern, Anzeige zu erstatten. Es ist nicht aussichtslos, dass die Schmierfinken über die Handschrift an der Hauswand ermittelt werden. Helmut Beckers (55), Selbstständiger.

Wucher! Lärm, Dreck und Vandalismus haben extrem zugenommen. Auch mein Ladenschild wurde beschmiert. Sowas ist inakzeptabel! Die Wut kann ich aber verstehen. Hier stand ein Haus lange leer, jetzt sind Mietwohnungen drin: 22,90 Euro der Quadratmeter! Helen Oppenheimer (55), Ladenbesitzerin.

Schon beunruhigend - Ich habe meine Werkstatt seit 1999 in der Baldestraße. Früher war hier alles anders: Man hat noch gespürt, dass es mal ein Arbeiterviertel war. Ungefähr vor sieben Jahren hat das mit den Graffiti angefangen, ein Haus nach dem anderen wurde beschmiert. Bei mir wurde auch mal eine Scheibe eingeschmissen – beunruhigend. Martin Steger (54), Elektroingenieur.


Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Ludwigsvorstadt – mein Viertel“.

 Klaus Vick

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