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Mit Campingstühlen und Grill wollen Anwohner am Baldeplatz auf die hohe Schadstoffbelastung aufmerksam machen, unter ihnen auch Benjamin David (re.).

Besonders eine Kreuzung nervt

Grill-Protest am Baldeplatz gegen schlechte Luft

Die Schadstoffe in München sind zu hoch. Und was tun die Anwohner? Die protestieren auf ihre ganz eigene Art und Weise wie am Baldeplatz.

München - Gegrillter Fisch, Bier und Campingstühle. Was ein gemütlicher Grillabend sein könnte, wird am Baldeplatz zur Demonstration. Hier haben sich am Mittwochabend Anwohner der emissionreichsten Straße Münchens getroffen, um auf die hohe Schadstoffbelastung aufmerksam zu machen. Unter ihnen ist auch Benjamin David, Chef der Urbanauten und Veranstalter des Kulturstrands am Vater-Rhein-Brunnen, der die Demonstration nach Veröffentlichung der Schadstoffwerte organisiert hat: „Die Kreuzung hier ist schon seit Langem für die vielen Unfälle bekannt. Als ich dann gesehen habe, dass auch die Emissionswerte so hoch sind, musste ich etwas tun.“

Damit ist er nicht alleine. Seit Jahren beschweren sich Anwohner der nahen Auenstraße über das hohe Verkehrsaufkommen, stoßen dabei bislang jedoch auf taube Ohren. „Die Straße ist eine Katastrophe. Hier passieren wöchentlich Unfälle, die Straßenführung provoziert das ja fast schon. Trotzdem schaut die Politik weg, seit Jahren tut sich hier nichts“, sagt Anwohnerin Victoria Halt.

Kreuzung Auen- und Kapuzinerstraße als Knotenpunkt

Tatsächlich ist die Kreuzung Auen- und Kapuzinerstraße ein Knotenpunkt für Pendler, ist für Stau und lange Wartezeiten bekannt. Doch solch ein hoher Emissionswert überrascht selbst langjährige Kritiker: „ Wir sind hier direkt an der Isar, quasi mitten im Grünen. Hier gäbe es die besten Bedingungen Münchens für eine saubere Luft – stattdessen haben wir hier das Gegenteil. Das ist ein Skandal!“ , schimpft Katharina Isbary, die zusammen mit ihren Söhnen für weniger Schadstoffe demonstriert.

Doch wie lässt sich das Problem lösen? Seit Längerem steht ein Dieselverbot für die Innenstadt im Raum, die Veröffentlichung der Emissionen hat die Diskussion wieder genährt.

Die Anwohner halten ein Dieselverbot für eine gute Lösung und sprechen sich dafür aus. So auch Victoria Halt: „Man muss immer mehr Autos aus der Innenstadt rausziehen, nur so kann man den Schadstoffausstoß dauerhaft senken. Außerdem wird so den vielen Unfällen vorgebeugt.“ Und falls das Verbot nicht zustande kommt? „Dann muss man andere Lösungen finden. Eine extra Spur für Autos mit mehrern Insassen wäre sinnvoll. Das regt zu Fahrgemeinschaften an und funktioniert auch in anderen Städten. Man muss Anreize schaffen, um den alleinigen Fahrer im Geländewagen aussterben zu lassen.“

Vinzent Tschirpke

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