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Grund für die Debatte: Die Simulation zeigt den Turm von der Arnulfstraße aus.

Spaenle will Pläne kippen

Hauptbahnhof-Umbau: Hochhaus-Plan sorgt für Ärger

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München - „Kleines Türmchen“ oder „monströses Hochhaus“: Um den geplanten Turm am neuen Hauptbahnhof ist ein Streit entbrannt. Hauptankläger: Kultusminister und München-CSU-Chef Ludwig Spaenle. Der würde am liebsten den ganzen Neubau-Plan kippen. Und verärgert so auch Parteifreunde.

Bunt sieht er aus, ein bisschen schräg. Modern, das auf jeden Fall: Der 75-Meter-Turm am neuen Starnberger Flügelbahnhof wäre, sollte er eines Tages gebaut werden, ein echter Hingucker. Als Aufreger hat er bislang nicht gedient. Das ändert sich: Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle bläst zum Frontalangriff auf den Turm – und kann sich dabei auch auf den Denkmalschutz berufen.

Die Pläne der Münchner Architekten Auer+Weber für den Neubau sind schon länger bekannt. Der Stadtrat hat ihnen 2015 fast einstimmig zugestimmt. Der Bau des vollverglasten neuen Hauptgebäudes soll drei Jahre vor Betriebnahme der S-Bahn-Stammstrecke beginnen. Ein genauer Zeitplan existiert also nicht. Letztes Jahr gab es eine Debatte um die künftige Erreichbarkeit mit dem Auto – grundsätzlicher Widerstand gegen die Entwürfe ist nicht laut geworden.

Die Achse von der Donnersbergerbrücke über den geplanten Turm bis zur Frauenkirche.

Zumindest bis jetzt. Denn gestern meldete sich Kultusminister Spaenle zu Wort. Und das mehr als deutlich. Der „Nierentisch“-Haupteingang des Bahnhofs, die ganze Außenhaut, drücke „die Nachkriegszeit aus“, sagte Spaenle unserer Zeitung. „Die Gebäude sind ein Stück Stadtgeschichte. Man muss darüber streiten, ob sie wirklich weg müssen. Ich stelle die Frage, ob eine stadtgeschichtlich so prägende Fassade wirklich weg muss.“ Spaenle also stellt den ganzen Neubau in Frage, würde lieber aufwendig sanieren, das äußere Erscheinungsbild aber im Großen und Ganzen erhalten. „Einer der bekanntesten Gebäudekomplexe der Nachkriegszeit und des Wiederaufbaus“, das prägende Tor zur Stadt hin, würde einfach abgerissen, warnt Spaenle.

Das Symbol einer falschen Neugestaltung ist für Spaenle der 75-Meter-Büroturm an der Arnulfstraße. Der Kultusminister spricht von einem „monströsen Hochhaus“, das ihn „völlig sprachlos“ mache. Es handele sich um „Gigantismus vor dem Herrn!“ Anders als es die Stadt errechnen lassen hat, glaubt Spaenle, dass der Neubau „die Altstadtsilhouette massiv stören“ würde.

Spaenle kann sich dabei auf fachkundige Unterstützung berufen. Denn der Landesdenkmalrat hat sich dieser Tage im gleichen Sinne geäußert. Das geplante Hochhaus störe „diverse Sichtachsen“ in der Innenstadt „erheblich“, hatte dessen Vorsitzender Thomas Goppel erklärt. Für den Hochhausbau müsse der denkmalgeschützte Starnberger Flügelbahnhof weichen. Denkmäler in der Umgebung würden „degradiert“. Goppels Fazit: „Mit dem geplanten Hochhaus verlässt die Stadt München ihre bisherige, langjährig festgeschriebene Linie, den Blick auf die Altstadtsilhouette freizugeben“. Er erwarte eine „Überarbeitung“.

Wie ein Nierentisch aus den 50er Jahren sieht das Dach vor dem Hauptgebäude aus.

Im Rathaus stoßen Spaenle und Goppel mit ihrer Kritik auf wenig Verständnis. Er wundere sich über „Inhalt und Zeitpunkt“ der Äußerungen, sagte etwa SPD-Planungsexperte Christian Amlong. „Mit einer guten Architektur muss sich ein Bahnhof einer Stadt nicht verstecken.“ Amlong findet absurd, dass Spaenle die ganze Außenhaut des Bahnhofs für erhaltenswert hält. Die Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger sagte: „Eine Stadt verändert sich. Das soll auch so sein.“ Ein Bahnhof solle von Weitem erkennbar sein. „Dann kann man auch Fremden erklären: Da hinten, wo das kleine Türmchen ist, ist unser Hauptbahnhof.“ Die Grünen hätten sich gewünscht, dass „noch viel mehr nachverdichtet“ wird, sagte Nallinger.

Pikanterweise hat im Stadtrat auch die CSU-Fraktion den Neubau-Plänen zugestimmt. Planungs-Sprecher Walter Zöller zeigte sich gestern auf Nachfrage weiter überzeugt von den Plänen. „Es wäre besser gewesen, wenn Ludwig Spaenle mal bei uns nachgefragt hätte“, sagte er. „Der Entwurf passt doch rein.“

Spaenle selbst betonte, er sei auch für eine Neugestaltung des in die Jahre gekommenen Bahnhofs. Eine gelungene Neukonzeption könne die Landeshauptstadt bereichern. Nur so wie jetzt geplant, so soll die neue Visitenkarte der Stadt auf keinen Fall aussehen.

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